ZDFheute

Normandie: Zwischen Gedenken und Kommerz

Sie sind hier:

D-Day-Tourismus - Normandie: Zwischen Gedenken und Kommerz

Datum:

75 Jahre D-Day: Mehr als eine Million Besucher drängen sich diese Woche in der Normandie. Auch sonst ist das Erinnern an die Alliierten-Landung ein Wirtschaftsfaktor in der Region.

Amerikanische, britische und französische Flaggen schmücken viele Häuser. Porträts von Veteranen der Alliierten hängen an Laternenpfählen, historische Militärfahrzeuge brettern durch die malerischen Dörfer, nachgestellte Militärcamps reihen sich am Straßenrand. Zum 75. Jahrestages der Landung der Alliierten in der Normandie gleicht die Region einem riesigen Geschichts-Rummelplatz.

D-Day-Souvenirs
Wirtschaftsfaktor: D-Day-Souvenirs
Quelle: picture alliance/Ulrich Baumgarten

Ohnehin führt der Memorial-Tourismus jedes Jahr über 4,5 Millionen Besucher an die weißen Sandstrände des Ärmelkanals. Darunter waren 2017 knapp die Hälfte Ausländer, die größte Gruppe von ihnen Briten, gefolgt von Niederländern, Amerikanern und Belgiern, rechnet der Tourismusverband vor. Zu den großen Geburtstagen kamen zuletzt zwischen 5,5 und knapp sechs Millionen Besucher, dieses Jahr dürften es wahrscheinlich noch mehr werden.

"In den letzten Jahren sind auch immer mehr deutsche Besucher dazugekommen", erklärt Dominique Saussey, D-Day-Spezialistin beim regionalen Tourismusverband. Ihr Anteil lag 2017 bei elf Prozent. Lange habe man sich nur an alliierte Besucher gewandt - jetzt würden die Deutschen mit einbezogen, so Saussey.

Touristischen Wert früh erkannt

Frankreich hatte schon kurz nach dem Krieg die historische Bedeutung der Landungsstrände erkannt - aber auch ihren Wert für den Tourismus. So wurde im Jahre 1947 ein Gesetz zur "Konservierung der Erinnerung an die Landung" der Alliierten verabschiedet. "Das Generalkommissariat für den Tourismus muss einen Propagandaplan für Frankreich und das Ausland entwerfen (…) um diese Region wirklich in eine Pilgerstätte zu verwandeln", schrieb damals der Verfasser Raymond Triboulet.

In den 60er und 70er Jahren lief der Tourismus schleppend, aber die erste große internationale Gedenkzeremonie 1984 brachte das Rad ins Rollen. Für den 75. Jahrestag läuft der Memorial-Tourismus auf Hochtouren. Seit Monaten sind die Hotels alle voll, viele Privatleute vermieten Zimmer oder ganze Häuser. Die Preise sind dementsprechend.

Karte: Die Landung der Alliierten in der Normandie
Normandie: Hier landeten die Alliierten 1944 an
Quelle: ZDF

D-Day-Camembert, D-Day-Bier ...

D-Day-Souvenirs
Geschmacklos? D-Day-Wein
Quelle: picture alliance/Ulrich Baumgarten

Jeder Strand, jedes Dorf besitzt sein Museum oder seine Gedenkstätte. Souvenirs aller Art werden verkauft. Im Laden am Juno-Beach laufen kleine Gläser am besten, mit denen sich Sand mit nach Hause nehmen lässt - obwohl das eigentlich verboten ist. Seit ein paar Jahren gibt es sogar D-Day-Camembert und D-Day-Bier. Auch alte Militärobjekte werden zu Tausenden gehandelt. Kugeln kann man schon ab einem Euro erwerben.

Der Kommerz mit der Historie führt auch zu Kritik - selbst unter Reiseveranstaltern: "Es ist wie ein Disneyland der Erinnerung", seufzte einst Vincent Huet von "Normandy Sightseeing Tours" über Fahrten in historischen Autos zu horrenden Preisen und historische Fakten, die durch Filme wie "Der Soldat James Ryan" oder "Der längste Tag" gelitten haben.

"Damit wir heute hier sein können"

Was aber den Emotionen der meisten Besucher keinen Abbruch tut. Besucherin Marie etwa ist aus der Bretagne angereist. "Wir feiern den D-Day und danken unseren Alliierten, die gekommen sind um uns zu befreien", sagt sie dem ZDF. "Wir haben es ihnen zu verdanken, dass wir heute frei sind. Und es ist auch bewegend, daran zu denken, dass die letzten Veteranen bald nicht mehr da sein werden. Wir dürfen sie nicht vergessen".

Anne-Marie und Erol haben an einer historischen Nachstellung teilgenommen, bei der ihnen das Leben der Soldaten nahe gebracht wurde. "Wir sind extra diese Woche hergekommen. Es ist unglaublich daran zu denken, dass 16 oder 20 jährige damals freiwillig dabei waren sind, damit wir heute hier sein können", sagt Erol mit Tränen in den Augen.

Die meistbesuchten Orte bleiben die Soldatenfriedhöfe. Der amerikanische in Colleville-sur-Mer mit seinen 9.300 weißen Kreuzen direkt über der Bucht von Omaha Beach zieht jedes Jahr ein bis zwei Millionen Besucher an. Den deutschen Friedhof in La Cambe besuchten 2017 450.000 Menschen. Mehr als 50 Museen und Gedenkstätten liegen entlang der Strände, viele getragen von privaten Vereinigungen. Daran hängen jährlich über 200 Millionen Euro Einnahmen und mehr als 3.000 Jobs. Die Region denkt jetzt schon darüber nach, wie dieser Tourismus fortgeführt werden kann, wenn die historischen Ereignisse in die Ferne rücken und keine Veteranen mehr von dem heroischen Einsatz in der Normandie werden berichten können.

Doku | Momente der Geschichte -
Entscheidung im Westen
 

In der Normandie erwartet niemand eine Landung. Am 6. Juni 1944 beginnt hier die alliierte Invasion zur Befreiung Europas.

Videolänge
4 min
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.