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"Ja, es war es auf jeden Fall wert"

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D-Day-Veteran erinnert sich - "Ja, es war es auf jeden Fall wert"

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"So viele Tote, so viele junge Männer" - Charles Shay war dabei, als die Alliierten vor 75 Jahren in der Normandie anlandeten. Das Ziel sei es wert gewesen, sagt er.

Charles Norman Shay am 30.05.2019  in Saint-Laurent-Sur-Mer (Frankreich)
Charles Shay in der Normandie: Hier war er als Soldat dabei, als die Alliierten mit der "Operation Overlord" zum Schlag gegen Nazi-Deutschland ausholten.
Quelle: Reuters

Nichts hätte Charles Shay auf das Grauen dieses Tages vorbereiten können. Am 6. Juni 1944 lernte der gerade erst 19 Jahre alte Amerikaner Leid und Tod näher kennen, als er es sich je hätte vorstellen können. Es war die Invasion der Alliierten in der
Normandie, der D-Day, entscheidend für die Zukunft Europas und einschneidend im Leben des jungen Soldaten.

Eigentlich habe er sich vorher gar nicht so große Sorgen und Gedanken gemacht, sagt der mittlerweile 94-Jährige, wenn er auf den Einsatz an der französischen Atlantikküste vor 75 Jahren zurückblickt. Bis es an die Landung ging: Er sei bis zur Brust im Wasser gesteckt, erinnert sich Shay, als er jetzt den Küstenabschnitt zwischen Colleville-sur-Mer und Saint-Laurent-sur Mer besucht, den die Alliierten Omaha Beach nannten. Manche Kameraden seien so stark beladen gewesen, dass sie untergegangen seien. "Und viele Männer ertranken."

Empfangen worden seien sie vom Beschuss der deutschen Truppen, der erst allmählich nachließ. Viele der landenden Soldaten in den ersten Reihen seien sofort getroffen worden, berichtet Shay. An Land habe er versucht, irgendwie in den Sandmulden in Deckung zu gehen und die verwundeten Kameraden so gut wie möglich zu versorgen. Dabei seien die Wellen immer höher an den Strand geschwappt, und viele Verletzte hätten viel zu nahe an der Wasserlinie gelegen. Also sei er zurück zum Wasser, obwohl die Deutschen noch immer geschossen hätten, und habe angefangen, die Männer ins Trockene zu ziehen. So mancher sei deutlich größer und schwerer gewesen als er, sagt Shay.

  • Charles Norman Shay am 30.05.2019  in Saint-Laurent-Sur-Mer (Frankreich)

    Was er als junger Soldat in der Normandie erlebte, lässt ihn nie mehr los

"Schrecklich, das zu verkraften"

"In solch einer Situation beginnt das Adrenalin zu fließen", erinnert er sich. "Es gibt einem eine Kraft, von der man nicht wusste, dass man sie besitzt." Auf dem Strand entdeckte Shay schließlich auch seinen Sanitäterkollegen Edward Morozewicz - mit offenem Bauch. Shay versuchte, die Blutung zu stillen und gab dem Schwerverletzten Morphin. Den Tod konnte er aber nicht mehr stoppen. "Ich blieb bei ihm, bis er gestorben war", sagt Shay, "ich versuchte, ihm beizustehen".

Am späten Nachmittag verließ Shay den blutgetränkten Omaha Beach. Von seiner Kompanie sah er keinen. Übermüdet schlief er auf einem Feld ein, und als er am nächsten Morgen erwachte, fand er sich zwischen lauter Leichen wieder: Amerikaner und Deutsche, wie Shay erkannte. Er überlebte, doch mehr als ein halbes Jahrhundert lang konnte er nicht über die schrecklichen Erfahrungen sprechen. "So viele Tote. So viele junge Männer, Jungs, auf der Stelle getötet», sagt Shay heute. "Es war schwer, das zu sehen und zu verkraften."

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In der Normandie erwartet niemand eine Landung. Am 6. Juni 1944 beginnt hier die alliierte Invasion zur Befreiung Europas.

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Tausende tote Alliierte

Wenn am Donnerstag an den Stränden der Normandie an die Verdienste der Alliierten um die Befreiung Europas erinnert wird, ist Shay auch dabei. Er gedenkt dann seiner fast 9.400 Landsleute, die in der Normandie-Offensive ihr Leben ließen, allein 2.500 davon am D-Day an den beiden Strandabschnitten Omaha Beach und Utah Beach. An anderen Stränden in der Region landeten die britischen und kanadischen Truppen.

"Ich hatte nie ein Gefühl der Angst, weil ich nicht wusste, in was ich hineingeraten würde", sagt Shay im Rückblick zu der Fahrt in den Krieg. Anfang Juni 1944 gab General Dwight D. Eisenhower dann das Signal zum Start der Operation: "Die Augen der Welt sind auf euch gerichtet", wandte er sich an die Soldaten. Der Auftrag: Die deutsche Kriegsmaschinerie und die Nazi-Tyrannei stoppen. Shay war dabei.

Ein dreiviertel Jahrhundert später ist er zurück und lässt seinen Blick über die endlosen Linien von weißen Grabsteinen schweifen. Trotz all der Toten ist er überzeugt: "Ja, es war es auf jeden Fall wert." Ein Schurkenregime habe die Welt einnehmen wollen, erklärt Shay. "Die Leute mussten gestoppt werden."

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