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Vor Jubiläum - Da Vinci: Der alte Meister aus der Sprühdose

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Wie würdigt man ein Universalgenie? Andrea Mattoni nimmt dafür die Sprühdose. Im Schloss Amboise in Frankreich laufen die Vorbereitungen für den 500. Todestag Leonardo da Vincis.

Andrea Mattoni drückt behutsam auf den Knopf seiner Sprühdose. Ein rötlicher Farbnebel trifft auf die Leinwand, füllt eine Fläche, verengt sich zu einem Strich. Der Graffitikünstler schwingt seine Dose mit präziser Geste, um dem Pinselstrich des alten Meisters nahezukommen. Er kopiert gerade ein Gemälde, das den Tod des italienischen Künstlers Leonardo da Vinci in den Armen des französischen Königs zeigt.

Für den italienischen Graffiti-Künstler Andrea Mattoni ist es eine Ehre, dort zu arbeiten, wo sein berühmter Landsmann Leonardo da Vinci begraben ist
In den Armen des französischen Königs: Der Graffiti-Künstler Andrea Mattoni arbeitet im Schloss Amboise an einer Hommage an Leonardo da Vinci.
Quelle: ZDF

Kopien von Meisterwerken im Graffiti-Stil sind Mattonis Spezialität. Aber diese hier - in einer Galerie des Schlosses Amboise an der Loire - ist ein ganz besonderer Auftrag. "Es ist eine große Ehre für mich, gerade dort zu arbeiten, wo Leonardo da Vinci bestattet ist. Das ist ein unglaubliches Gefühl", sagt er und weist auf eine Büste Da Vincis hin, die an der Stelle seines Grabes errichtet ist.

Der italienische Graffiti-Künstler Andrea Mattoni arbeitet im Schloss von Amboise an einer Kopie eines Gemäldes, das den Tod Leonardo da Vincis in den Armen des französischen Königs Francois I. zeigt
"Er interessierte sich für alles" - Andrea Mattoni über Da Vinci
Quelle: ZDF

Mehrere Meisterwerke im Gepäck

Da Vinci war schon 64, als er auf Einladung des französischen Renaissance-Königs Francois I. nach Frankreich kam. Dass er auf einem Maultier über die Alpen geritten kam, ist nicht nachweisbar. Gesichert ist aber, dass er mehrere Meisterwerke im Gepäck hatte, von denen er sich nicht trennen mochte - vor allem jenes, das bis heute eines der meistgesehenen Kunstwerke der Welt ist, die Mona Lisa.

Für den jungen König war der alte Meister nicht nur eine künstlerische Bereicherung seines Hofes, sondern auch eine Vaterfigur. So sehr, dass sich die Legende bildete, Francois I. habe am Sterbebett von Da Vinci gesessen, auch wenn sich der König zu dieser Zeit gar nicht in Amboise aufhielt.

Im Örtchen Amboise an der Loire wird das Andenken an den berühmten Gast hoch gehalten, vor allem zur 500-Jahr-Feier im Mai. Im Schloss Amboise ist das Grab Da Vincis mit einem großen Strauß duftender Lilien geschmückt. Im Herrenhaus Clos Lucé ganz in der Nähe, wo Da Vinci die letzten drei Jahre seines Lebens verbrachte, hat man zahlreiche Maschinen, die Leonardo skizziert oder erfunden hatte, nachgebaut und in den Garten gestellt.

Die Flugschraube ist eine der von Leonardo da Vinci skizzierten Maschinen - die aber kaum zum Fliegen taugte
Die Flugschraube ist eine der von Da Vinci skizzierten Maschinen - die aber kaum zum Fliegen taugte
Quelle: ZDF

Nicht alles funktionierte

"Seine Maschinen begeistern die Menschen. Aber viele von ihnen sind gar nicht funktionsfähig", erklärt Jean-Louis Sureau, der Direktor des Schlosses Amboise. In Clos Lucé steht etwa ein Flugapparat, der wie ein Kinderkarussell über ein großes, horizontal angebrachtes Metallrad angetrieben werden kann. In die Luft erheben kann er sich allerdings nicht.

Das Besondere an Da Vinci war, dass er sich für alles interessierte - auch wenn er letztlich nicht so viel erfunden hat, wie man oft denkt.
Jean-Louis Sureau

Auch ein hölzernes Panzermodell ist dort zu sehen, das entfernt an eine Schildkröte erinnert. Es hätte in alle Richtungen schießen sollen - wenn Da Vinci denn das Problem des Fortbewegens überzeugend gelöst hätte. "Das Besondere an Da Vinci war, dass er sich für alles interessierte - auch wenn er letztlich nicht so viel erfunden hat, wie man oft denkt", meint Sureau.

"Das Jubiläum eines Genies"

Von seinen Gemälden sind gerade mal ein gutes Dutzend erhalten, aber die sollen im Jubiläumsjahr natürlich entsprechend gewürdigt werden. Geplant ist eine große Ausstellung im Louvre, wo ohnehin schon die meisten seiner Werke hängen. Die italienische Regierung zögerte jedoch zunächst, durch Leihgaben zu dieser Ausstellung beizutragen - ein weiterer Tiefpunkt der seit Monaten gespannten Beziehungen zwischen den beiden Ländern.

"Diesen Streit zwischen Frankreich und Italien bedaure ich sehr", sagt Mattoni, der italienische Graffitikünstler in Amboise. "Schließlich geht es um das Jubiläum eines Genies." Am 2. Mai, wenn sich der Todestag Leonardo da Vincis zum 500. Mal jährt, will Frankreichs Präsident Emmanuel Macron seinen italienischen Amtskollegen Sergio Mattarella in Amboise empfangen. "Das ist doch eine gute Gelegenheit, den Menschen zu ehren, der beide Nationen geeint und nicht getrennt hat", meint Mattoni und greift wieder zu seiner Sprühdose.

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