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Jesper Juul - Dänischer Familientherapeut gestorben

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Zentrales Thema seiner Arbeit war die Gleichwürdigkeit. Erziehungsratgeber wie "Dein kompetentes Kind" machten ihn berühmt. Nun ist der Familientherapeut Jesper Juul gestorben.

Jesper Juul starb im Alter von 71 Jahren. Archivbild
Jesper Juul starb im Alter von 71 Jahren. Archivbild
Quelle: Linda Henriksen/epa Scanpix Norge/dpa

"Der größte Fehler von Eltern ist, perfekte Eltern sein zu wollen", sagte Jesper Juul in einem ZDF-Interview. Nun ist der dänische Bestseller-Autor, der mit seinen Thesen die Familientherapie auf den Kopf gestellt hat, tot. Er sei nach langer und schwerer Krankheit am Donnerstag bei sich zu Hause in der dänischen Stadt Odder eingeschlafen, sagte Mathias Voelchert, Leiter von Familylab Deutschland.

Er hat jetzt sieben Jahre gekämpft, jetzt ging es nicht mehr.
Mathias Voelchert, Leiter von Familylab Deutschland

Juul habe seit Jahren starke Schmerzen gehabt, gegen die auch Medikamente nicht geholfen hätten. "Er hat jetzt sieben Jahre gekämpft, jetzt ging es nicht mehr", sagte Voelchert. Juul wurde 71 Jahre alt. 2004 gründete er die Organisation Familylab International, die sich auf die Beratung von Eltern in Erziehungsfragen spezialisiert hat.

Mit Ferienjobs zum berühmten Familientherapeuten

Der US-Psychiater Walter Kempler und der dänische Kinderpsychiater Mogens A. Lund zählten zu Juuls Mentoren und Freunden. Nach seinem Studium, das er sich unter anderem mit Ferienjobs als Kellner in Deutschland finanziert hatte, ließ er sich einst in Dänemark, den Niederlanden und in den USA zum Familientherapeuten ausbilden.

1979 gründete Juul gemeinsam mit Lund, dessen Frau und in Kooperation mit Kempler das Kempler Institute of Scandinavia. Ein Vierteljahrhundert später folgte das Familylab. In den vergangenen Jahren saß Juul schließlich wegen einer schweren Nervenkrankheit vom Bauchnabel abwärts gelähmt im Rollstuhl.

Seiner Meinung nach läge die Verantwortung in der Beziehung zwischen Kindern und Eltern immer bei den Eltern: "Man darf Fehler machen. Man muss nur die Verantwortung dafür übernehmen, mit den Kindern darüber sprechen und daraus lernen."

Wertevermittlung nicht von oben herab

Zentrales Thema von Juuls Arbeit sei die Gleichwürdigkeit gewesen, sagte Voelchert über seinen Weggefährten. Unter dem Begriff versteht man, dass Kinder und Schwache dieselben Rechte wie andere in der Gesellschaft haben. "Es ist die Pflicht der Starken, für die Schwachen zu sorgen und sie nicht auszubeuten oder schlecht zu behandeln", sagte Voelchert.

Juul ging es in besonderem Maße auch um Wertevermittlung, aber nicht von oben herab. Entsprechend des Paradigmas der Gleichwertigkeit sollten Werte vorgelebt werden. Trotz seines Engagements in der Kindererziehung wehrte sich Juul stets dagegen, eine Kindersicht zu vertreten – er sei immer noch ein Elternteil gewesen.

In den ersten Lebensjahren meines Sohnes war ich einer der furchtbarsten Väter, die man sich vorstellen kann.
Jesper Juul, Familientherapeut

Er selbst sei dabei nicht der beste Vater für seinen Sohn Nicolai gewesen, verriet der Däne im Juli 2016 dem Magazin "Nido". "In den ersten Lebensjahren meines Sohnes war ich einer der furchtbarsten Väter, die man sich vorstellen kann", sagte er. Er habe seinem Sprössling auch mal einen Klaps auf den Hintern verpasst. Mit den Jahren sei er dann ein eher weicher Vater geworden und in ständiger Angst gewesen, dass er seinem Sohn schaden könne

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