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Personal-Expertin von Daimler - "Jede Generation will einen Wandel anstoßen"

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Um auch für die Generation Y interessant zu sein, setzt Daimler auf neue Formate beim Recruiting. Aber auch "Start-up-Spirit" sei wichtig, sagt Personal-Expertin Anna-Maria Karl.

Archiv: Eine Frau arbeitet an einem Laptop
Symbolbild: Eine Frau arbeitet an einem Laptop.
Quelle: colourbox

Mehr als ein Viertel der Belegschaft von Daimler gehört der Generation Y an. Zu dieser Generation zählt man die Jahrgänge 1980 bis 1995, die dafür bekannt sind, Althergebrachtes in Frage und die Arbeitswelt auf den Kopf zu stellen. Auch bei der Job-Auswahl ist die Generation Y wählerisch.

Unternehmen müssen sich heutzutage mehr anstrengen, um gute Arbeitnehmer zu finden. Bei Daimler hat man das frühzeitig erkannt und 2015 den Austausch mit jungen Kolleginnen und Kollegen gestartet, um die Arbeitswelt der Zukunft zu gestalten. Nach eigenen Angaben mit Erfolg. Bei einem Workshop wurden über 200 Ideen gesammelt. Darunter Konzepte, die zeitnah umgesetzt wurden und von denen nun alle im Unternehmen profitieren. Makro hat mit der zuständigen Personalleiterin gesprochen.

makro: Sie werben im Internet auf Ihrer Karriere-Seite mit Begriffen wie "Die eigene Zukunft gestalten. Die Welt bewegen. Mehr Freiheiten. Mehr vom Leben." Ist das der neuen Generation geschuldet?

Anna-Maria Karl: Aktuell arbeiten fünf Generationen bei Daimler. Unterschiedliche Generationen bringen verschiedene Kenntnisse, Erfahrungen und Perspektiven zusammen. Jede Generation bringt neue Ideen ein und will einen Wandel anstoßen, dadurch gewinnen wir an Innovationskraft. Um die Mobilität der Zukunft zu gestalten, brauchen wir einen guten Mix aus erfahrenen und jungen Mitarbeitern. Die Millennials leisten mit ihrem "Drive" und ihrem Kreativitätspotential einen wichtigen Beitrag für diesen Wandel.

makro: Wie erleben Sie die Hochschulabsolventen von heute, die neu ins Berufsleben starten? Wollen die Neueinsteiger bei Ihnen noch um jeden Preis Karriere machen? Was ist ihnen wichtiger stattdessen?

Karl: Ich erlebe die Kolleginnen und Kollegen der Generation Y und der Millennials als engagiert, interaktiv und vernetzt. Sie legen nach meinen Erfahrungen großen Wert auf Selbstbestimmung, Wertschätzung, Feedback und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Themen wie Transparenz, Anerkennung und zeitnahe, konkrete sowie individuelle Rückmeldung werden immer wichtiger.

makro: Was tun Sie als Unternehmen, um für diese Bewerber attraktiv zu sein?

Wir werden agiler und innovativer, bringen Start-up-Spirit in die Teams und leben flache Hierarchien.
Anna-Maria Karl

Karl: Wir stellen uns heute stärker als früher bei den Bewerbern mit interessanten Projekten, Internationalität und modernen Arbeitsformen vor. Zusätzlich zu den klassischen Formaten setzen wir beim Recruiting verstärkt auf soziale Medien und eine neue, unerwartete Ansprache, zum Beispiel über Instagram, Facebook oder eigene Onlinemessen. Wir sprechen unsere Zielgruppe dort an, wo sie sich aufhält, und vermitteln authentische, individuelle Eindrücke. Persönliche Begegnungen und der direkte Austausch werden immer wichtiger. Wir bieten hierfür vielfältige Formate an: Bei fachspezifischen Recruitingevents, zahlreichen Karrieremessen weltweit oder bei "Hackathons", wo wir bei Programmierwettbewerben gezielt nach IT-Experten suchen, steht der Austausch im Mittelpunkt.

Darüber hinaus bieten wir eigene Formate wie das "Daimler Knowledge College" für interessierte Studierende an oder führen auch mal Job-Interviews im Auto. Daimler steht aktuell vor der größten Veränderung seiner Unternehmensgeschichte. Wir werden agiler und innovativer, bringen Start-up-Spirit in die Teams und leben flache Hierarchien. Durch unsere Unternehmenskultur nehmen wir Bewerbern die Entscheidung "Konzern vs. Start-up" ab, hier können sie beides kombinieren.

makro: Flexible Arbeitszeiten, Homeoffice, Teilzeitarbeit. Wie reagieren ältere Mitarbeiter auf die Forderungen der Generation Y?

Karl: Mobiles Arbeiten ist für uns nichts Neues. Dieses Angebot wird seit 2009 von vielen – jungen und erfahrenen - Mitarbeitern ganz individuell und gerne genutzt. Wir setzen auf die Unterschiedlichkeit unserer Mitarbeiter und nutzen ihre vielfältigen Erfahrungen, Perspektiven und Kompetenzen. Deshalb bauen wir auch auf die Eigenschaften und Synergiepotentiale verschiedener Generationen. Im Rahmen unseres Generationenmanagements unterstützen wir die gezielte Zusammenarbeit zwischen erfahrenen und jungen Mitarbeitern in altersgemischten Teams, um den Know-How-Transfer zwischen den Generationen zu fördern.

makro: Welche Anforderungen stellt das an die Führung eines Unternehmens, wenn Babyboomer auf Mitarbeiter der Generation Y stoßen?

So wie jede Kollegin und jeder Kollege individuelle Eigenschaften, Talente und Werte mitbringt, hat auch jede Generation eine ihr eigene Haltung und Arbeitsweise, die sie prägt.
Anna-Maria Karl

Karl: Dieses Schubladendenken können wir nicht nachvollziehen. Bei uns arbeiten alleine in Deutschland Menschen aus 140 Nationen. Das ist Vielfalt in vielen Facetten. Das Alter ist nur eine davon. So wie jede Kollegin und jeder Kollege individuelle Eigenschaften, Talente und Werte mitbringt, hat auch jede Generation eine ihr eigene Haltung und Arbeitsweise, die sie prägt. Unsere Führungskräfte werden in Seminaren und Trainings für die Bedürfnisse und Vorstellungen der unterschiedlichen Generationen sensibilisiert.

makro: Ist der Leistungsgedanke für die unter 30-Jährigen nicht mehr so wichtig?

Karl: Nein, das sehen wir nicht so. In jeder Generation sind unterschiedliche Charaktere vertreten und jeder bringt eine individuelle Motivation mit. Das ist nicht generations-, sondern typabhängig.

makro: Können Sie sich vorstellen, dass die neuen Anforderungen und Anpassungen langfristig Auswirkungen auf die Unternehmenskultur haben?

Karl:
Mit der konzernweiten Initiative Leadership 2020 wird durch konkrete Maßnahmen der Kulturwandel angestoßen und unterstützt. Das betrifft Prozesse der Entscheidungsfindung und Personalentwicklung ebenso wie Organisationsstrukturen, Arbeitsmethoden und -werkzeuge. Alle Inhalte werden in einem partizipativen, internationalen Prozess entwickelt. In Workshops mit insgesamt mehr als 140 Kolleginnen und Kollegen wurden acht Führungsprinzipen festgelegt, die das Fundament für unser Führungsverhalten und unsere Unternehmenskultur darstellen. Zudem wurden sogenannte Game Changer festgelegt, die unsere Führungskultur maßgeblich verändern sollen. Diese Ideen stärken unser Unternehmen und sichern so unseren aktuellen, aber auch künftigen Erfolg.

makro: Daimler ist weltweit aufgestellt. Arbeitnehmer aus vielen Nationen arbeiten für den Konzern. Kann man landestypische Unterschiede feststellen bei Arbeitnehmern der Generation Y?

Karl: 300.000 Mitarbeiter weltweit bringen natürlich ganz viele unterschiedliche Erfahrungen, Werte, Wünsche und Bedürfnisse mit. Der kulturelle Kontext spielt dabei natürlich auch eine Rolle.

Das Interview führte Sabine Meierhöfer.

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