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Nach Messerattacke - Danziger Bürgermeister gestorben

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Der bei einer Messerattacke niedergestochene Danziger Bürgermeister Pawel Adamowicz ist seinen Verletzungen erlegen. Er wurde am Sonntag bei einer Veranstaltung angegriffen.

Pawel Adamowicz
Quelle: imago

Der Danziger Bürgermeister Pawel Adamowicz ist nach einem Messerangriff gestorben. Er sei am Montag seinen schweren Verletzungen erlegen, sagte Polens Gesundheitsminister Lukasz Szumowski. Zuvor hatten die Ärzte stundenlang um sein Leben gekämpft. Einer von ihnen, Tomasz Stefaniak, sagte, der 53-Jährige habe eine schwere Wunde am Herzen und eine weitere am Zwerchfell und den inneren Organen erlitten und habe viel Blut verloren. "Trotz all unserer Bemühungen haben wir ihn nicht retten können", sagte er der Nachrichtenagentur PAP.

27-Jähriger nach Messer-Attacke festgenommen

Ein Mann hatte Adamowicz am Sonntag bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung in Danzig auf der Bühne mit einem Messer angegriffen. Der Bürgermeister musste von Ärzten reanimiert werden und wurde dann in die Danziger Universitätsklinik gebracht. Als mutmaßlicher Attentäter wurde ein 27-jähriger Ex-Häftling festgenommen, der auf die Bühne gestürmt war und geschrien hatte, er übe Rache gegen die frühere Regierungspartei Bürgerplattform PO, deren Mitglied Adamowicz bis 2015 war. Der 53-Jährige war seit 1998 Bürgermeister der Hafenstadt. Die PO hatte Adamowicz bei der letzten Kommunalwahl im Herbst unterstützt.

Das Attentat löste Entsetzen bei allen Parteien aus; viele Polen gingen als Zeichen der Solidarität mit Adamowicz Blut spenden. Die nationalkonservative Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) verurteilte das Attentat als "barbarisch" und forderte alle Seiten zur verbalen Abrüstung in der politischen Auseinandersetzung auf. Politiker müssten mehr Verantwortung für Worte und Taten übernehmen, weil "es keinen Mangel an Wahnsinnigen auf beiden Seiten" des politischen Spektrums gebe, sagte PiS-Sprecherin Beata Mazurek.

Ein Polizeisprecher sagte, der Verdächtige scheine psychische Probleme zu haben. Er habe aus "irrationalen Motiven" gehandelt. Zugang zu der Bühne habe er sich mit einem Presseausweis verschafft.

"Pawel, wir sind mit dir"

Der aus Danzig stammende Präsident des Europäischen Rats, Donald Tusk, rief zu Gebeten für Adamowicz auf, als dieser noch mit dem Tod kämpfte. "Pawel, wir sind mit dir", twitterte der frühere polnische Ministerpräsident und Mitgründer der Bürgerplattform. EU-Kommissar Frans Timmermans schrieb bei Twitter, er sei über "den brutalen Angriff" auf den Danziger Bürgermeister schockiert. "Wer ihn kannte, wusste um seine Bürgernähe und um seine Fähigkeit, zuzuhören", sagte EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani am Montag zu Beginn einer Plenarsitzung in Straßburg. Anschließend hielten die Abgeordneten eine Schweigeminute ab - auch für die Opfer des Terrorangriffs von Straßburg vor rund einem Monat.

Die Bundesregierung kondolierte ebenfalls. "Wir sind tieftraurig und bestürzt über den Tod von Pawel Adamowicz", erklärte Außenminister Heiko Maas (SPD). "Dieses feige Attentat macht uns fassungslos." Auch die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles würdigte Adamowicz als überzeugten Europäer, "der für Weltoffenheit und Toleranz stand". CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak twitterte, die Nachricht von Adamowicz' Tod mache ihn "tief betroffen".

Das letzte politische Attentat in Polen liegt neun Jahre zurück. 2010 hatte ein Angreifer in Lodz versucht, den PiS-Vorsitzenden Jaroslaw Kaczynski zu töten. Er erschoss dabei den Mitarbeiter eines Europaabgeordneten der Partei.

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