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Neue Anreize für Freiwillige - Das Jugendfreiwilligenjahr - darum geht es

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Zuschuss zur Monatskarte, mehr Geld und bessere Chancen bei der Jobsuche: Familienministerin Giffey will mit einem neuen Konzept Freiwilligendienste attraktiver machen.

Ein junger Mann tanzt einer Bewohnerin der Alexianer-Wohngemeinschaft, aufgenommen am 30.08.2010
Die Jugendfreiwilligendienste sollen durch eine zusätzliche Förderung des Bundes attraktiver werden.
Quelle: dpa

Gerade mit der Schule fertig - und dann? Für viele junge Menschen kommt neben Studium oder Ausbildung auch ein Freiwilligendienst infrage. Doch leisten können es sich nicht alle. Daran will Familienministerin Franziska Giffey (SPD) etwas ändern. Jetzt stellte sie ihr Konzept zu einem Jugendfreiwilligenjahr vor, das zum Dach für die bisherigen Freiwilligendienste des Bundes werden soll. Der springende Punkt: Um allen Jugendlichen eine Teilnahme zu ermöglichen, sollen sie einen Rechtsanspruch auf Förderung haben.

Gegenentwurf zu Pflichtjahr

Dazu gehört ein Zuschuss zur Fahrkarte für den öffentlichen Nahverkehr und ein bundesweit einheitliches Freiwilligengeld von 402 Euro, auch Sozialversicherungsbeiträge sollen garantiert sein. "Unsere Gesellschaft lebt von Menschen, die sich freiwillig einbringen. Engagement braucht aber gute Rahmenbedingungen", teilte die Ministerin mit. Das Konzept soll schrittweise weiterentwickelt und umgesetzt werden.

Mit ihrem Modell fährt Giffey genau entgegengesetzt zum Vorschlag von CDU-Generalsekretärin und Parteivorsitz-Kandidatin Annegret Kramp-Karrenbauer, die ein Pflichtjahr vorgeschlagen hatte. Auch Gesundheitsminister Jens Spahn ist für ein solches Dienstjahr. "Wir setzen darauf, dass sich junge Menschen aus Überzeugung freiwillig engagieren und nicht, weil sie dazu verpflichtet werden. Dafür brauchen wir eine attraktive Kultur der Freiwilligkeit", sagte Giffey.

"Ein guter Schritt in die richtige Richtung"

Junge Freiwillige begrüßen Giffeys Vorschlag. "Die gesellschaftliche Anerkennung ist definitiv nicht so da, wie wir sie gerne hätten", sagt Laura Rupenow. Die 23-Jährige hat ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) gerade absolviert und es in ihr Landschaftsökologie und Naturschutz-Studium in Greifswald eingeschoben. "Ich glaube, dass der Vorschlag, der jetzt aus dem Ministerium kommt, dazu beitragen kann, dass sich da was ändert."

Zudem sei ihr FÖJ beinahe an der Finanzierung des Lebens in einer fremden Stadt gescheitert - und das sei schade, denn der Gedanke sei ja eine Weiterentwicklung, außerhalb des Elternhauses. Den Zuschuss zur Fahrkarte begrüßte die Studentin ausdrücklich. Was die Bewertung der Höhe des Taschengeldes beim neuen Jugendfreiwilligenjahr angeht, ist Rupenow hingegen noch zurückhaltend. Denn noch sei unklar, ob darin Wohngeld und Verpflegung enthalten ist. "Aber ich gehe davon aus, dass es da noch Zuschüsse geben wird. Und dann ist das auf jeden Fall ein guter Schritt in die richtige Richtung."

Bisher 80.000 junge Menschen pro Jahr in Freiwilligendiensten

Franziska Gifey (SPD) - Bundesfamilienministerin
Bundesfamilienministerin will Anreize für die Freiwilligendienste schaffen.
Quelle: dpa

Zurzeit absolvieren pro Jahr rund 80.000 junge Menschen ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ), ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) oder den Bundesfreiwilligendienst (BFD). "Wir gehen davon aus, dass wir bis zu 120.000 junge Menschen im Jahr erreichen können", sagte die Ministerin. Ihr zufolge standen 2018 rund 263 Millionen Euro aus Mitteln des Ministeriums zur Verfügung, für 2019 sollen es 65 Millionen Euro mehr werden. Insgesamt würde maximal eine Milliarde Euro pro Jahr benötigt.

Geld, Chancen auf Arbeit, Anerkennung

Doch was genau beinhaltet Giffeys Jugendfreiwilligenjahr? Die Ministerin hat fünf Grundsätze veröffentlicht, an denen gut zu erkennen ist, was für junge Menschen drin sein soll:

  • Verbesserung der Freiwilligendienste

Die Freiwilligendienste Bundesfreiwilligendienst (BFD), Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) und Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) sollen erhalten, aber auch verbessert werden. Das neue Format baut auf den alten Diensten auf, soll aber besser wirken und stärker ausgebaut werden.

  • Rechtsanspruch auf Förderung

Menschen unter 27 Jahren sollen einen Rechtsanspruch auf Förderung aller Freiwilligendienst-Vereinbarungen bekommen. Dabei ist der Ministerin zufolge der Bund in der Pflicht. Wichtig dabei sei, dass die Freiwilligen und Einsatzstellen bei der Auswahl "selbstbestimmt und unabhängig" bleiben.  

  • Bessere finanzielle Rahmenbedingungen

Es soll verschiedene finanzielle Erleichterungen für Freiwillige geben:

  1. Fahrkarten-Zuschuss: Damit Fahrten zwischen Wohnort und Arbeitsstelle nicht zum Fallstrick werden, soll jeder Freiwillige für Zeitkarten einen Zuschuss von pauschal 25 Euro bekommen.
  2. Freiwilligengeld: Bisher gab es Taschengelder für Freiwillige etwa im FSJ, die Höhe aber setzen die Einsatzstellen fest. Beim BFD gab es gedeckelte Taschengelder von bis zu 250 Euro. Das soll sich ändern: Giffey will, dass es ein einheitliches "Freiwilligengeld" von bis zu 402 Euro pro Monat (plus Sozialversicherungsbeträge) für unter 27-Jährige in allen drei Freiwilligendiensten gibt.
  • Wertschätzung und Anerkennung: Um die Wertschätzung und Anerkennung zu steigern, soll es Jugendfreiwilligenjahr-Zertifikate geben. Es soll die Chancen bei Bewerbungen verbessern, etwa im öffentlichen Dienst. Auch Bonus-Regelungen für Hochschulen sind geplant: Wartesemester können angerechnet werden, auch der Numerus Clausus und die Studien- und Prüfungsordnungen sollen eine Rolle spielen. Darüber hinaus soll die Wirtschaft dazu bewegt werden, das Jugendfreiwilligenjahr als Pflichtpraktikum anzuerkennen.
  • Teilzeit, Bildungschancen und Freiwillige mit Behinderung: Ein Teilzeit-Modell soll es jungen Menschen ermöglichen, auch weniger als acht Stunden pro Tag freiwillig zu arbeiten. Diese Gesetzesänderung für FSJ, FÖJ und BFD sei bereits auf dem Weg, sagte Giffey. Freiwillige mit Behinderungen sollen zudem mehr einbezogen und ihnen geholfen werden. Zudem sollen "bildungsbenachteiligte Jugendliche" durch ein spezielles Format gefördert und die Möglichkeit etwa zur Arbeit in der Alten- oder Krankenpflege erhalten.

Welche Freiwillgendienste gibt es in Deutschland? Wir haben alles Wichtige hier für Sie zusammengefasst:

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