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Finanzsystem - Das Auf und Ab an den Märkten bleibt

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So heftig wie vor drei Wochen schüttelt es die Finanzmärkte derzeit nicht mehr durch. Dennoch kehrt vorerst keine Ruhe ein: Die Märkte sind schwankungsanfälliger geworden.

Ein Mitarbeiter der Börse in New York spiegelt sich am 19.04.2017 in einem Bildschirm
Finanzmarkt-Typical Quelle: dpa

"Die Volatilität wird uns über die nächsten Jahre vermehrt begleiten", glaubt etwa Jens Wilhelm - er ist im Vorstand der genossenschaftlichen Fondsgesellschaft Union Investment für das Portfoliomanagement zuständig. "Die Turbulenzen vom Jahresanfang sind aber eher eine gesunde Korrektur, als dass wir uns Sorgen um den wirtschaftlichen Aufschwung machen müssen." Denn die Wirtschaft laufe weltweit gut, glaubt der Experte. Und das trotz zuletzt eher enttäuschender Konjunkturdaten aus dem Euroraum.

Zinsängste bringen Unruhe

Der Grund für die immer wiederkehrende Unruhe an den Märkten sind Zinsängste, also die Erkenntnis der Anleger, dass die Notenbanken weltweit es doch ernst meinen mit einer Wende in der Geldpolitik, allen voran die amerikanische Notenbank Fed. Denn je mehr gute Konjunkturnachrichten es vor allem in den USA gibt, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Inflation anzieht. Und das bedeutet, dass die Notenbank dort nun die Zügel noch etwas straffer ziehen könnte.

Das hatte die Fed in der vergangenen Woche wieder bekräftigt - und prompt schüttelte es die Aktienmärkte wieder durch, aber nur vorübergehend. Die Anleger befürchten nämlich, dass die Zinsen schneller steigen als erwartet, erklärt Stefan Scharfetter, Aktienhändler der Baader-Bank. "Dann tritt ein Automatismus ein, dass man sich aus den Aktienmärkten verabschiedet und in die Rentenmärkte hineingeht." Denn dort bekomme man dann wieder vernünftige Zinsen. "Es findet hier eine Umschichtung des Kapitals statt, und das sind jetzt die ersten Vorboten dazu", sagt der langjährige Händler.

Fast schon Erleichterung zu spüren

Andere wie Jens Wilhelm sehen die Lage inzwischen gelassen: Die Konjunkturlage sei gut, die Krise überwunden, meint er und hofft nur, dass die Zentralbanken nun behutsam vorgehen, damit sie den Aufschwung nicht abwürgen. Je schneller der Übergang voranschreite, desto stärker werde es aber an den Märkten zu Schwankungen kommen, glaubt auch Robert Greil, Chefstratege von Merck-Finck-Privatbankiers. Doch die Verschnaufpause sei gesund für die Märkte.

Fast gewinnt man also den Eindruck, als seien die Marktteilnehmer inzwischen fast erleichtert, dass nach den langen Jahren des Ausnahmezustands nun allmählich wieder Normalität an den Märkten einkehre. Denn die sollte anstehen nach zehn Jahren des Aufschwungs in den USA.

Risiken lange ausgeblendet

Die Anleger hatten sich jedoch gut eingerichtet mit dem, was sie als "Goldilocks-Szenario" bezeichnen: Sie hofften auf ein langfristiges inflationsfreies Wachstum. Die Risiken hatten sie lange ausgeblendet. Die Umstellung verunsichert sie, daher dürfte es immer wieder ruckeln an den Märkten. Doch auch wenn sie sich von diesem Szenario nun verabschieden müssen: Die Welt geht noch nicht unter, die Bedingungen an den Aktienmärkten werden weiter gut bleiben, glaubt Stefan Rondorf, Investmentstratege der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors. Auch wenn die Zentralbanken die Geldpolitik allmählich strafften, so sei immer noch genügend Unterstützung da.

Auch im Euroraum rechnen Beobachter ja mit einem Ende der Anleihekäufe und vielleicht im kommenden Jahr mit einem ersten Zinsschritt. Wie schnell es hier so weit ist, hängt auch von der konjunkturellen Entwicklung ab. Mit Interesse dürften Anleger deshalb auf die aktuellen Inflationszahlen aus Deutschland schauen. Die Teuerungsrate lag im Februar bei 1,4 Prozent - es ist der niedrigste Stand seit November 2016. Die jüngsten Tarifabschlüsse in Deutschland dürften allerdings auch hier früher oder später wieder zu einer höheren Inflationsrate führen.

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