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Modellprojekt startet - Das e-Rezept: Verordnung per App

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In Stuttgart startet heute das Modellprojekt "GERDA". Mit dieser digitalisierten Form des ärztlichen Rezepts soll die digitale Lücke innerhalb der Telemedizin geschlossen werden.

Apotheke auf den Kölner Ringen
docdirekt testet das E-Rezept mit zehn Apotheken
Quelle: picture alliance/Geisler-Fotopress

Die medizinische Versorgung des ländlichen Raums wird immer schwieriger, denn der Ärztemangel ist hier besonders zu spüren. Mit Hilfe der Telemedizin kann eine medizinische Grundversorgung gewährleistet werden. Jedoch gab es bislang keine Möglichkeit, auch Verordnungen und Rezepte digital zu versenden. Mit dem e-Rezept soll jetzt diese digitale Lücke geschlossen werden. In der Region Stuttgart und Tuttlingen startet jetzt ein Modellversuch, der bei erfolgreicher Erprobung für ganz Deutschland umgesetzt werden kann. Wir klären die wichtigsten Fragen:

Was ist ein e-Rezept?

Hinter dem Begriff "e-Rezept" verbirgt sich ein elektronisches Rezept vom Arzt, das aussieht, wie ein eingescanntes Rezept aus Papier. Auf diesem stehen alle Informationen, die auch auf einem altbewährten Rezept stehen. Mit Projektstart kann die in der gesetzlichen Krankenkasse verwendete Verordnung ab sofort digital ausgestellt werden.

Wie funktioniert das Konzept e-Rezept?

Das Modellprojekt wird mit der telemedizinischen Behandlungsplattform "docdirekt" der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg gemeinsam realisiert. Die Patienten registrieren sich bei der App "docdirekt“, erhalten so einen eigenen Account und können sich dann darüber telemedizinisch behandeln lassen. Ein Arzt stellt sowohl die Diagnose als auch das Rezept aus.

Da das Projekt "GERDA" – "geschützte e-Rezept-Dienst der Apotheken" - vorerst nur in der Region Stuttgart und im Landkreis Tuttlingen umgesetzt wird, müssen die teilnehmenden Patienten aus diesen Regionen stammen. Nach Behandlung wird das e-Rezept verschlüsselt in der App angezeigt. GERDA ist dabei der sichere Rezeptspeicher, der vom Arzt, der Apotheke sowie dem Patienten bedient werden kann.

Die App verfügt zudem über eine Liste der am Projekt beteiligten Apotheken. So hat der Patient die freie Wahl und ist nicht an bestimmte Apotheken gebunden.

Ist bei GERDA die Einhaltung des Datenschutzes gewährleistet?

Wichtig ist den Initiatoren Landesapothekerkammer und Landesapothekerverband Baden-Württemberg, dass der Patient "Herr über seine Daten" bleibt und somit selbst entscheiden kann, an wen seine Daten weitergeleitet werden. Der Patient erhält das e-Rezept verschlüsselt vom Arzt und kann dieses dann selbst verschlüsselt an eine Apotheke seiner Wahl weiterleiten. Die Apotheken selbst verfügen über eine weitere Verschlüsselung – das sogenannte "N-Ident-Verfahren". Darunter ist eine Art digitaler Ausweis zu verstehen: Die Apotheken bestätigen so, dass sie eine echte Apotheke und im Projekt registriert sind.

Hinter GERDA steht laut dem Landesapotheker-Verband ein hochsicheres Verschlüsselungsverfahren, das absoluten Datenschutz und Sicherheit für die sensiblen Patientendaten gewährleisten soll.

Welche Vorteile hat das e-Rezept gegenüber der bisherigen Papierform?

Der Patient erspart sich den Weg in die Praxis. Er hat keine Wartezeiten, kann direkt auf das Rezept zugreifen und es an die Apotheke seiner Wahl bequem von zu Hause aus weiterleiten. Die Apotheke kann durch GERDA den Patienten eine Nachricht zum Status der Bestellung schicken: Ist das Arzneimittel direkt verfügbar? Wenn es bestellt werden muss, ab wann ist das Medikament vor Ort? Möchte der Patient es persönlich abholen oder soll es per Botendienst nach Hause gebracht werden?

Was erhoffen sich die Verantwortlichen von diesem Projekt?

Die Digitalisierung hat das Gesundheitswesen erreicht. Mit dem Projekt GERDA will der Landesapothekerverband diesen Prozess mitgestalten. Ziel ist, den Patienten vor einer Amazonisierung des Gesundheitswesens zu schützen. Die Gesundheitsdaten und Verordnungen des Patienten sollen nicht zu einer Handelsware werden. Mit GERDA möchte der Landesapothekerverband Baden-Württemberg die nachhaltigen und flächendeckenden Strukturen der wohnortnahen Arzneimittelversorgung durch Vor-Ort-Apotheken auch in der digitalen Welt abbilden.

Die Telemedizin gibt es schon länger und ist eine Chance für die Grundversorgung des ländlichen Raums. Bislang gab es nur einen Bruch in der Kette: Es war kein elektronisches Rezept verfügbar. Mit dem e-Rezept wird diese Lücke geschlossen. Damit ist aber noch lange nicht das Ende erreicht: Der Prozess geht bei den Apotheken noch weiter, denn ihre Arbeits- und Abrechnungsprozesse werden durch das e-Rezept sichtbar verschlankt.

Wie lange dauerte die Entwicklung?

Rund ein Jahr hat es gedauert, bis GERDA einsatzfähig war. Das Projekt wird vom Ministerium für Soziales und Integration mit rund einer Million Euro gefördert. Das Land Baden-Württemberg hat innerhalb kürzester Zeit die Förderungs-Absicht signalisiert. Die technische Umsetzung obliegt der Netzgesellschaft Deutscher Apotheker mbh (NGDA) und von Seiten der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg ist die Teleclinic mit an Bord, die das "docdirekt"-System darauf ausgerichtet und die ärztliche Schnittstelle zur Umsetzung des e-Rezepts geschaffen haben.

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