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Festakt in Kolumbien - Das Ende der FARC als Guerilla

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Was lange unvorstellbar schien, wird nun vollendet: die Abgabe aller Waffen durch Kolumbiens größte Guerillagruppe FARC - nach mehr als 50 Jahren Bürgerkrieg mit 220.000 Toten. Ein Festakt mit Präsident und Friedensnobelpreisträger Santos besiegelte heute die Übergabe der letzten Waffen.

Nach mehr als 50 Jahren Bürgerkrieg mit 220.000 Toten hat die FARC-Guerilla in Kolumbien alle Waffen den Vereinten Nationen übergeben. Rund 6.000 frühere Rebellen bereiten sich in „Friedenscamps“ auf ein normales Leben vor.

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Vielen Rebellen fällt das nicht leicht. "Es ist schon hart, deine Waffe abzugeben, die immer dein Schutz war", sagt Ex-Kämpfer Carlos Perez. Er bereitet sich gerade in einem Friedenscamp in den Bergen von Tolima auf den Übergang in ein normales Leben vor. Doch er fügt hinzu: "Jetzt ist die Chance auf Frieden da - und die müssen wir nutzen."

Pistolen, Gewehre, Granat- und Raketenwerfer haben die Kämpfer abgegeben. Das rund 130 Kilometer südwestlich von Bogotá gelegene Übergangslager ist noch immer nicht fertig. Die Regierung ist mit dem Bau von Holzhäusern und Toiletten im Verzug. Doch die ehemaligen Guerilleros wirken hoch motiviert. Unter einfachen Zeltplanen machen sie ihre Schulabschlüsse nach oder erlernen Berufe.

Hohe Ziele und Babyboom

Carlos Perez, der bereits mit 16 zur Guerilla kam, setzt sich hohe Ziele: "In ein paar Monaten will ich so weit sein, dass ich mich an der Uni um einen Medizin-Studienplatz bewerben kann." Ein häufiger Berufswunsch in den insgesamt mehr als 20 Friedenscamps landesweit. Vielleicht auch, weil Kubas Regierung versprochen hat, insgesamt 500 Stipendien für ein Medizinstudium auf der Insel zu vergeben.

Luten Leinhos
Luten Leinhos, ZDF-Südamerika-Korrespondent

Den rund 7.000 entwaffneten Mitgliedern der FARC nun eine berufliche Perspektive zu bieten, ist für Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos eine gewaltige Herausforderung. Eine staatliche Wiedereingliederungsagentur hilft dabei, maximal sechs Jahre lang. Wer sich selbstständig machen will, bekommt einen Kleinkredit. Beim Übergang in das normale Leben werden die Kämpfer mit umgerechnet rund 200 Euro im Monat unterstützt.

Einen regelrechten Babyboom gibt es unter den 2.400 Frauen in den Camps. Offenbar haben viele die Familienplanung forciert, seit sich die Einigung auf ein Friedensabkommen mit der Regierung abzeichnete. "Auch ich bin schwanger - und ich sehne mich danach, mein Baby in der Gesellschaft groß zu ziehen, die sich gerade verändert", sagt Nasli Guevara. Sie und ihr Mann Gregory kämpften fast 20 Jahre in der FARC.

"Nicht das Ende der FARC"

Präsident Santos ist geradezu euphorisch. Er sieht den Tag der letzten Waffenabgabe als das Ende der FARC. Er weiß, dass seine kriegsmüden Landsleute nach fünf Jahrzehnten Konflikt mit Millionen von Vertriebenen dem Frieden noch nicht trauen. Die Begeisterung in der Bevölkerung hält sich bislang in Grenzen. Es wirke so, als ob die Kolumbianer gar nicht mitkriegten, was gerade passiere, bedauert Santos. "Stellen Sie sich vor, was das Ende dieser Guerilla bedeutet."

Für seine Dialog-Politik erhielt Santos im vergangenen Jahr den Friedensnobelpreis. Doch unumstritten ist er nicht. In einem Referendum sprach sich eine knappe Mehrheit der Kolumbianer gegen das Abkommen mit der Guerilla aus. Die Skeptiker folgten den Argumenten der rechtskonservativen Opposition um Ex-Präsident Álvaro Uribe. Der hatte das Abkommen als "Entgegenkommen gegenüber Terroristen" kritisiert.

Und die Rebellen? Widersprechen dem Präsidenten. "Dies ist mitnichten das Ende der FARC", so Jesús Santrich, Mitglied des Kommandostabs der Guerilla in Auflösung. "Wir verwandeln uns in eine legale Organisation und demnächst in eine politische Partei, die mit friedlichen Mitteln Politik machen wird."

Friedenswille vorhanden - Umsetzung schwierig

Die Parteigründung wird in den Übergangslagern gerade vorbereitet. Erste Wahlplakate, die FARC-Führer als Kandidaten zeigen, sind bereits zu sehen. Adelmo Arias, der bei

Kämpfen im Bürgerkrieg ein Bein verlor, will in Zukunft politisch für seine Organisation arbeiten: "Mich reizt es, Werbung oder Grafikdesign zu studieren, damit ich die FARC bei der Arbeit als politische Partei unterstützen kann."

Auch wenn die Entwaffnung der FARC bislang erstaunlich glatt verlaufen ist: Bei der Umsetzung des Friedensvertrags gibt es auch viele Probleme. So fehlt es beim Bau der Übergangslager vielerorts noch immer an grundlegenden Dingen wie Wasser und medizinischer Versorgung.

Schwerer noch wiegen die jüngsten Attentate auf Menschenrechtler, Aktivisten und der FARC nahestehende Kommunalpolitiker - mutmaßlich verübt von paramilitärischen Gruppen oder Drogenbanden. "Der Staat muss wie im Friedensvertrag vorgesehen die Sicherheit aller Menschen garantieren", so Jean Arnault, der Chef der UN-Mission. Am Friedenswillen von FARC und Regierung bestehen seiner Einschätzung nach jedoch keine Zweifel.

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