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Bald neue Mobilfunkfrequenzen - Auch 5G holt das Land nicht aus dem Funkloch

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Kein Netz, kein Empfang: Gerade auf dem Land drohen künftig Funklöcher. Denn wenn der Bund bald die neuen Mobilfunkfrequenzen 5G versteigert, könnten dort "weiße Flecken" bleiben.

Archiv: Die Aufschrift "Kein Netz" ist auf dem Bildschirm eines Mobiltelefons zu sehen
Die Aufschrift "Kein Netz" ist auf dem Bildschirm eines Mobiltelefons zu sehen (Archivbild) Quelle: dpa

Wie es ist, im Funkloch zu wohnen, durfte Viola Schuster jahrelang miterleben. "Wenn ich Feierabend habe, kann mich keiner mehr erreichen", sagt sie. Null Empfang. Gar nichts. Erst im Sommer dieses Jahres errichtet die Telekom einen Handymast in Schusters Heimatort, dem brandenburgischen Kleßen-Görne. Bis dahin galt: Kein Notruf, wenn auf der Landstraße etwas passiert. Keine WhatsApp-Nachricht. Und einen Livestream auf dem Handy ansehen? Für Viola Schuster jahrelang undenkbar.

Funklöchern auf dem Land hat die Bundesregierung eigentlich den Kampf angesagt. Andreas Scheuer etwa, zuständiger Minister für die digitale Infrastruktur, verspricht gebetsmühlenartig ein besseres Netz und sieht dabei auch die Mobilfunkanbieter wie die Telekom oder Vodafone in der Pflicht. Doch das Versprechen des CSU-Mannes sehen sowohl der Deutsche Landkreistag als auch der Bauernverband kritisch. Sie warnen beim Ausbau des Mobilfunknetzes vor einer sich öffnenden Schere zwischen Stadt und Land. Das Ziel gleichwertiger Lebensverhältnisse drohe, in die Ferne zu rücken.

Netzausbau als Bedingung für 5G-Frequenzen

Die Warnung ist nicht unbegründet. Denn in diesen Wochen entscheidet sich, nach welchen Kriterien der Bund die Mobilfunkfrequenzen der Zukunft versteigern wird - also die sogenannten 5G-Frequenzen. Und dabei könnten ländliche Regionen benachteiligt werden. 5G, das steht für den Mobilfunk der 5. Generation, den LTE-Nachfolger. Schneller soll er sein und Zukunftstechniken wie autonom fahrende Autos überhaupt erst ermöglichen. Anfang 2019 könnten Anbieter wie die Telekom oder Vodafone dem Bund die Frequenzen abkaufen. Beobachter rechnen mit Einnahmen im Milliardenbereich. In Berlin hat am Montag dazu der Beirat der Bundesnetzagentur getagt.

Eine Bedingung für die Frequenzvergabe: Es darf nur mitsteigern, wer sich verpflichtet, Funklöcher auf dem Land zu schließen. Die zuständige Bundesnetzagentur verlangt von den Mobilfunkbetreibern, sie müssten bis Ende 2022 mindestens 98 Prozent der Haushalte in Deutschland mit einer Datengeschwindigkeit von 100 Megabit pro Sekunde im Download versorgen. Und außerdem 500 Sendemasten für noch schnelleres Netz bauen, für 5G. Vor allem Haushalte auf dem Land würden dann im Funkloch bleiben. Weil sich dort der Netzausbau für die Konzerne oft nicht rechnet. Das sind wenig ambitionierte Bedingungen, finden Kritiker.

SPD bringt Sanktionen gegen Telekom ins Gespräch

Unterstützung kommt von Kanzleramtschef Helge Braun (CDU). Eine Netzabdeckung von 100 Prozent hält er für nicht realistisch. Außerdem sei sie "unfassbar teuer". Hat sich die Bundesregierung also schon mit den Funklöchern der Zukunft abgefunden? Der Koalitionspartner jedenfalls zürnt: "Die Äußerungen des Kanzleramtschefs stehen im Widerspruch zu den Vereinbarungen des Koalitionsvertrages", sagt Jens Zimmermann, digitalpolitischer Sprecher der SPD, zu heute.de. Er fordert ambitionierte Auflagen an die Netzbetreiber. Und Sanktionen, sollten Telekom oder Vodafone nicht ausreichend 5G-Masten auf dem Land bauen.

Und selbst in der CDU gibt es Kritik an den bisher bekannt gewordenen Vorgaben der Bundesnetzagentur. Unionsfraktionsvize Ulrich Lange etwa fordert in den kommenden Wochen noch einmal Nachbesserungen. "Ansonsten droht lediglich ein verbessertes 4G-Netz", sagt er. Und Linken-Netzexpertin Anke Domscheit-Berg kritisiert eine Fehlregulierung bei der Frequenzvergabe. Im November wird die Bundesnetzagentur deren Bedingungen endgültig festlegen. Bis dahin können sich auch die großen Netzbetreiber wie Telekom oder Vodafone äußern. Klar sein dürfte vor allem eins: Zu viele Auflagen seitens der Politik dürften sie ablehnen.

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