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Das Internet für jeden - Vom WWW zum Überwachungsnetz

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Vor 25 Jahren wurde das Internet massentauglich, das World Wide Web begann seinen Siegeszug. Das Internet hat sich massiv verändert - die Zukunft sehen viele Experten düster.

Ein Viertel Jahrhundert ist es her, seit das Internet für die Öffentlichkeit freigegeben wurde. Seitdem hat sich viel getan.

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"Das Internet wird ziemlich kaputt gemacht", beschreibt Netzdiplomat Paul Fehlinger die derzeitige Netz-Situation mit ziemlich dramatischen Worten. Der stellvertretende Direktor des Internet and Jurisdiction Policy Network hat allerdings noch Hoffnungen: "Wir haben die Chance auf einen Neuanfang". Fehlinger und seine Kollegen fordern eine Art "Westfälischen Frieden" für das Internet. Denn der Westfälische Frieden in der wirklichen Welt habe ja immerhin im Jahr 1648 den Dreißigjährigen Krieg beendet.

Dass ein solcher Neuanfang gelingen wird, da ist der Sicherheitsexperte Eugene Kaspersky skeptisch: "Im Internet herrscht derzeit Kalter Krieg". Ähnlich äußert sich auch Robert Joyce, Koordinator für die Cybersicherheit im Weißen Haus und Internet-Sonderberater des amerikanischen Präsidenten Donald Trump: "Die bösen Geister sind im Netz; die kriegen wir nicht wieder in die Flasche zurück".

Das Web für die Wissensgesellschaft

Der britische Physiker Tim Berners-Lee war am 30. April 1993 noch voller Hoffnung, dass seine Idee eines World Wide Web, die er am europäischen Kernforschungszentrum CERN in Genf geforscht hatte, eine friedliche Wissensgesellschaft voranbringen würde. "Leider hat sich das Internet in eine falsche Richtung entwickelt", meint Eugene Kaspersky. Geheimdienste überwachen die Netz-Nutzer. Die organisierte Kriminalität handelt dort mit Waffen und Drogen. Militärs haben digitale Netzwaffen entwickelt, die tausendmal gefährlicher sind als eine Atombombe.

Die Geburt des WWW - Meilensteine

"Das Internet ist ein öffentlicher Raum, für den wir verantwortlich sind", mahnt der Informatik-Professor Hartmut Pohl, der die Sicherheitsberatung Softscheck in Sankt Augustin bei Bonn leitet. Er verweist darauf, dass Internet-Ingenieure mehr als 4.000 technische Standards entwickelt und verabschiedet haben, die uns fantastische Möglichkeiten bieten.

"Web hat die Menschen einander näher gebracht"

Mit diesen Standards können die Menschen Mails verschicken, Web-Seiten aufrufen, Videos herunterladen. Noch nie konnte so schnell und einfach Wissen erworben werden. Noch nie gab es so vielfältige Möglichkeiten der Unterhaltung. "Das Web hat die Menschen einander näher gebracht und die wissenschaftliche Forschung rasant nach vorn getrieben", lobt Marina Kaljurand, frühere estnische Außenministerin und jetzt Vorsitzende der globalen Kommission für die Stabilität des Cyberspace.

"Demnächst steuern wir über das Internet nicht nur Fabriken, sondern ganze Länder, stimmen in direkter Demokratie online über alle Fragen des täglichen Zusammenlebens ab", schildert Kaljurand ihre Version eines Internet der Zukunft.

Sicherheitslücken entscheiden über die Netzzukunft

Im Internet verteilte Künstliche Intelligenz soll dem Menschen Routinearbeit abnehmen und ihm Sicherheit im Netz bieten. "Das ist möglich, aber der Kern des Themas sind die Sicherheitslücken", bringt Informatik-Professor Hartmut Pohl die Frage nach der Zukunft des Internets auf den Punkt.

Kriminelle, Geheimdienstler oder Militärs nutzen diese Sicherheitslücken, um Geld zu verdienen und Macht auszuüben. "Das gelingt ihnen aber nur, wenn sie Sicherheitslücken ausnutzen können", meint Pohl und fordert, dass die Staaten alles daransetzen, um diese Sicherheitslücken zu schließen.

Die Vereinten Nationen sollten die Kontrolle über ein weltweites Programm gegen Sicherheitslücken übernehmen und gleichzeitig digitale Waffen ächten, die solche Sicherheitslücken ausnutzen. Doch das reicht Eugene Kaspersky nicht aus. Der Einzelne stehe dem Überwachungs- und Manipulationsgeflecht im Internet auch künftig ziemlich hilflos gegenüber.

Keine Zukunft ohne Technik-Wissen

Für Professor Beate Neuss, Politikwissenschaftlerin an der TU Chemnitz, ist das eine staatliche, ja gesellschaftliche Aufgabe. Er muss seine Bürger auch im Netz schützen. Solange der Internet-Nutzer aber weder über die technischen Zusammenhänge im Netz ausreichend informiert sei, noch um den politischen Kampf um die Vorherrschaft im Netz wisse, sei das schwierig. Für die Politik-Professorin hängt die Zukunft des Internet ganz wesentlich von einer guten Bildungspolitik ab.

"Neue Kommunikationsprotokolle und noch schnellere Verbindungen sorgen für ein Internet des Komforts und weltweiten Wissen, das müssen wir für die Zukunft verteidigen", mahnt Netzpolitikerin Marina Kaljurand.

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