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Folgen den Klimawandels - Bangladesch: Wo die Felder schwimmen

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Hunger durch Klimawandel: Das trifft vor allem die ärmsten Länder der Welt. So auch Bangladesch. Dort hat man einen Weg gefunden, mit der Krise umzugehen. Zumindest vorläufig.

Frauen arbeiten auf einem Acker in Bangladesh (Archivbild)
Frauen arbeiten auf einem Acker in Bangladesh (Archivbild) Quelle: imago

Pamela Metschar von "Brot für die Welt" fährt in einem Boot durch die Felder der sogenannten "floating farms" in der Region Nazirpur. Zahlreiche Farmerfamilien verlieren hier durch Starkregen und Überschwemmungen regelmäßig ihre Ernten und damit ihre Lebensgrundlage. Als Länderbeauftragte für Bangladesch hilft ihnen Pamela Metschar, sich an die veränderten Umweltverhältnisse anzupassen. "Die Bauern erzählen uns regelmäßig, dass das Wasser versalzt, dass die Temperaturen zu hoch sind und bestimmte Pflanzen nicht mehr wachsen. All das passiert schon. Also Klimawandel ist nichts mehr, was irgendwann mal kommt", betont die Deutsche.

Das ganze Land spürt den Klimawandel

Um zu überleben, haben sich die Menschen eine ungewöhnliche Anbaumethode ausgedacht: Die Gemüsefelder schwimmen auf dem ansteigenden Wasser. Als Baumaterial verwenden sie Wasserhyazinthen, die aufeinandergeschichtet werden. Nach zwei Wochen sind sie so weit verrottet, dass man sie bepflanzen kann.

Das ganze Land spürt den Klimawandel: Im Norden von Bangladesch leiden die Bewohner während der Wintermonate immer mehr unter Dürre. In den flachen Küstengebieten des Südens hingegen bedroht der steigende Meeresspiegel das Leben der Menschen. Hier zeigt sich: Gefährdet ist vor allem die Ernährung der Ärmsten auf der Welt. "Die stärksten Effekte des Klimawandels haben wir leider überwiegend dort, wo die Entwicklungsländer liegen. Es sind also die ärmsten Länder, die am stärksten betroffen sind", mahnt Prof. Matin Qaim von der Universität Göttingen.

Gentechnik kann helfen, sagen Experten

Bei der Anpassung scheiden sich die Geister: Könnte etwa die Gentechnik unabdingbar für eine gesicherte Ernährung der Weltbevölkerung werden? "Wir brauchen landwirtschaftliche Systeme, die robuster gegen Klimastress und Wetterextreme sind", meint Agrarökonom Qaim, "hier können auch neue Züchtungsmethoden inklusive der Gentechnik eine wichtige Rolle spielen, aber das ist natürlich nicht alles. Wir brauchen insgesamt verbesserte Anbausysteme, Fruchtfolgen und wir brauchen auch besser funktionierende Märkte."

Das derzeit wachsende Kredo zur Regionalität könnte zukünftig in Frage gestellt werden. Denn die Folgen des Klimawandels werden sich geografisch sehr unterschiedlich verteilen. Ein effizienter Warenaustausch über Landesgrenzen hinweg könnte unverzichtbar werden, um lokale Krisen auszugleichen - so der Göttinger Agrarökonom Qaim.

Sibirien bald Kornkammer der Welt?

Während die einen leiden, könnten andere profitieren: In Erdregionen, die heute zu kalt sind für Ackerbau, könnten sich die Bedingungen für Landwirtschaft verbessern. So spekulieren Forscher über eine Verschiebung der Klimazonen im kalten Sibirien: Die globale Erwärmung könnte den Anbau von Ackerpflanzen wie Weizen oder Zuckerrüben möglich machen. Ob sich der hohe Norden irgendwann zur Kornkammer der Welt entwickelt, bleibt vage Hoffnung. Denn neben der Erwärmung müssen noch viele andere Faktoren, wie zum Beispiel die Bodenqualität stimmen. Experten sind sich einig: Die Ernährungssicherheit der Weltbevölkerung steht auf dem Spiel. Um in Zukunft neun Milliarden Menschen ernähren zu können, müssten schon heute die Folgen des Klimawandels ins Kalkül gezogen werden.

Experten zum Klimawandel

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