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Schon wieder Montag ... - Wenn die Mitarbeiter was zu sagen haben

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Das Krankenhaus Spremberg in Brandenburg gehört zu 51 Prozent den Mitarbeitern. Bei der Zufriedenheit von Patienten und Personal liegt es in Studien ganz weit vorn. Denn: Die Mitarbeiter werden bei Entscheidungen einbezogen, erklärt Geschäftsführerin Kathrin Möbius im heute.de-Interview.

heute.de: Frau Möbius, Mehrheitsgesellschafter des Krankenhaus Spremberg ist seit 1998 der Förderverein, der wiederum zu 90 Prozent aus Mitarbeitern besteht. Sind Ihre Mitarbeiter also gleichzeitig Ihre Chefs?

Kathrin Möbius: Ja, natürlich. Der Förderverein wird durch einen Vorstand in der Gesellschafterversammlung vertreten, und ich bin als Geschäftsführerin beim Vorstand angestellt. Demzufolge sind die Mitarbeiter gleichzeitig meine Chefs.

heute.de: Wie kam es zu dieser Form der Trägerschaft?

Möbius: Als die Anteile der beiden privaten Mehrheitsgesellschafter aufgrund finanzieller Probleme an die kommunalen Gesellschafter übergingen, wollten wir als Mitarbeiter die private Trägerschaft aufrechterhalten. Wir hatten damals schon einen Haustarif sowie eine eigene Altersversorgung und wollten selbstbestimmt mit schlanken Entscheidungsstrukturen weiterarbeiten. So entstand die Idee, Verantwortung zu übernehmen und es selbst zu machen.

heute.de: Haustarif klingt nach untertariflicher Bezahlung.

Möbius: Natürlich kann man die Eingruppierungstabellen vergleichen, aber das wäre zu platt. Unsere Mitarbeiter verdienen zwar etwas weniger, insbesondere das nicht-ärztliche Personal. Dafür haben wir neben der Altersversorgung auch einen Betriebskindergarten und versuchen gute Beschäftigungs- und Rahmenbedingungen zu schaffen.

heute.de: Wenn man die statistisch ermittelten Fehltage als Indiz für Mitarbeiterzufriedenheit nimmt, liegen Sie unter den Krankenhäusern weit vorn. Sehen Sie da einen Zusammenhang zum Trägermodell?

Möbius: Auf jeden Fall. Wir haben deutlich mehr Personal als im Bundesdurchschnitt in den Krankenhäusern beschäftigt wird. Das wirkt sich natürlich auf das Arbeitsumfeld aus, es gibt nicht ganz so viel Stress und die Mitarbeiter können ihrer Professionalität verantwortungsvoller nachgehen. Auch bei der Patientenzufriedenheit stehen wir an der Spitze der Erhebungen. Durch die spezielle Trägerschaft sind die Mitarbeiter sehr motiviert und identifizieren sich stark mit ihrem Arbeitsplatz.

heute.de: Gibt es gar keine Konflikte?

Möbius: Doch natürlich. Das Trägermodell setzt eine sehr spezielle Führung voraus. Man kann sich nicht nur an betriebswirtschaftlichen Aspekten orientieren. Wir müssen die Mitarbeiter auch bei unpopulären Entscheidungen mitnehmen. Das ist kein einfacher Prozess, da wir wie jedes Krankenhaus in Deutschland Zwängen und ständigen Veränderungen unterworfen sind. Das erfordert eine intensive Kommunikation. Wir haben ein monatliches Infoblatt, Informationsveranstaltungen, in denen die Mitarbeiter auch anonym Anfragen stellen können, und ein Intranet. Manchmal denke ich am Ende des Tages: wieder nichts getan, den ganzen Tag nur geredet.

heute.de: Wie haben Sie den für Ihr Haus nötigen Führungsstil gelernt?

Möbius: Ich habe zwar einen Master in Betriebswirtschaft, aber das nützt dafür wenig. Wichtig sind Empathie, Ehrlichkeit und Transparenz. Vor allem aber die Bereitschaft, auf die Mitarbeiter zu hören. Wir haben ja ein sehr hohes Bildungsniveau in den Kliniken - da muss man so klug sein, die Anregungen und Impulse aufzugreifen und möglichst auf Hierarchien zu verzichten.

heute.de: Hat Ihr Modell schon Nachahmer gefunden?

Möbius: Es gibt aufgrund der medialen Präsenz immer wieder Anfragen. Insbesondere Bürger, die die renditeorientierten Krankenhäuser mit den immer mehr auf Effizienz angelegten Strukturen kritisch sehen, interessieren sich zunehmend für diese Art der Trägerschaft.

heute.de: Sehen Sie darin das Potenzial für eine grundlegende Umwälzung des Krankenhaussystems?

Möbius: Das wäre ein großer Traum. Aber ich bin nun 40 Jahre in diesem Metier tätig und spüre kaum grundlegende Veränderungen. Es ist schwierig, in Deutschland neue Ideen umzusetzen.

Das Interview führte Ralf Lorenzen.

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