Sie sind hier:

Klimawandel und Monokulturen - Das neue Waldsterben

Datum:

Der Wald stirbt! Seit den 80ern treibt das die Menschen um. Mit der Einführung von Katalysatoren und Industrie-Filtern schien das Waldsterben abgewendet. Doch es wird schlimmer.

ein Nadelwald
Das Waldsterben hat nie aufgehört- es wird sogar schlimmer, sagen Experten.
Quelle: ZDF

Im letzten Jahr hat eine Forschergruppe der Humboldt Universität Berlin und der Universität für Bodenkultur in Wien ihre Zahlen zur Baumsterblichkeit in Deutschland, Österreich, Polen, Tschechien, der Slowakei und der Schweiz vorgelegt. Ihre Daten basieren auf der Analyse von Satellitenbildern. Die Ergebnisse zeigen, dass die aktuelle Welle der Baummortalität jene des "Waldsterbens" von vor 30 Jahren deutlich übersteigt. "Die vom Baumsterben betroffene Waldfläche hat sich seit 1984 verdoppelt", so Cornelius Senf von der Humboldt-Universität Berlin.

Saure Böden und Schadstoffe

Nach Angaben des Bunds deutscher Forstleute sind allein in den letzten zwei Jahren weit über 100 Millionen Altbäume in Deutschland abgestorben. Dazu kommen mehrere Millionen Setzlinge und Jungbäume. Das spiegelt auch der Waldzustandsbericht vom Sommer 2018 wider: Laut dieser bundesweiten Erhebung waren in den deutschen Wäldern schon vor einem Jahr nur noch 28 Prozent der Bäume vollkommen gesund und ohne erkennbare Schäden.

Die Ursachen sind vielfältig: Wetterextreme, saure Böden, Schadstoffe aus der Luft und Einträge aus der Landwirtschaft schwächen die Bäume. Davon profitieren Insekten wie der Borkenkäfer, aber auch Pilze, Viren und Bakterien breiten sich leichter in den geschwächten Beständen aus. "In Folge der anhaltenden Trockenheit und Hitze der letzten Jahre spitzt sich die Situation dramatisch zu, es droht ein "Waldsterben 2.0", warnte unlängst Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Erste Hilfe: Waldumbau

Laut Prof. Pierre Ibisch von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) ist die derzeitige Waldkrise in Deutschland aber nicht nur eine Folge des Klimawandels. Auch die Art der Waldbewirtschaftung trage eine "erhebliche Mitverantwortung". Es gebe viel zu viele Nadelholz-Monokulturen, oft an Standorten, an denen von Natur aus nicht so viele Nadelbäume wachsen würden.

Selbst Wälder, die noch einigermaßen struktur- und artenreich sind, werden von Schneisen durchschnitten, die für die Holzernte-Maschinen angelegt werden. Waldböden werden zudem mit tonnenschwerem Gerät befahren und verdichtet. Vielerorts sei das Waldinnenklima durch Auflichtung und zu starke Holzentnahme geschädigt.

In einem offenen Brief an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner fordern Ibisch und viele weitere Forstpraktiker, Waldbesitzer und Umweltverbände eine "konsequente Abkehr von der Plantagenwirtschaft und eine radikale Hinwendung zu einem Management, das den Wald als Ökosystem und nicht länger als Holzfabrik behandelt". Die staatliche Forstwirtschaft müsse den "teuren Aktionismus" stoppen und endlich eine "sachkundige Fehleranalyse des eigenen Wirkens" vornehmen, und dabei alle Akteure einbeziehen.

Wie geht es weiter?

1,5 Milliarden Euro - so viel wird die Beseitigung der Schäden an unseren Wäldern in den kommenden Jahren laut Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner kosten. Ein großer Teil des Geldes soll in die Wiederaufforstung investiert werden. Vernünftig und mit Weitsicht wie es heißt. Das fordert auch Julia Klöckner (CDU): "Wenn wir jetzt wieder aufforsten, müssen wir die Fehler der Vergangenheit unbedingt vermeiden."  

Das alles muss allerdings so geschehen, das mehr CO2 gespeichert werden kann um dem Klimawandel entgegen zu wirken. Denn "Wenn es zu heiß wird," so Waldexperte László Maráz, "dann hält das kein Baum aus".

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.