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Autoabgase - Tempolimit: Chance für den Klimaschutz?

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Hilft ein Tempolimit von 130 km/h auf deutschen Autobahnen dem Klimaschutz? Gegner sehen keinen CO2-Einspareffekt, für Befürworter wäre es ein wichtiger Schritt.

Tempolimit: Deutschlands Raser wollen nichts davon wissen. Doch wer langsamer fährt, senkt den Spritverbrauch und damit den CO2-Ausstoß. Zwingt der Klimaschutz jetzt zum Einlenken?

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Immer mehr Staus, dazu verfehlter Klimaschutz - das verlangt nach einer Verkehrswende in Deutschland. Und eng damit verknüpft ist auch die Forderung eines generellen Tempolimits auf deutschen Autobahnen. Doch insbesondere eine durchgehende Geschwindigkeitsbegrenzung scheint an der Lobby der Autoindustrie sowie dem ADAC zu scheitern. Und auch für die Bundesregierung ist das Thema tabu: "Ein generelles Tempolimit steht nicht im Einklang mit den verkehrspolitischen Zielen der Regierung", erklärt das zuständige Ministerium.

Vor allem SUVs im Visier

planet e.
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2016 erwirtschaftete die deutsche Autoindustrie einen Umsatz von gut 400 Milliarden Euro. Drei Viertel aller Fahrzeuge werden exportiert. Die Wirtschaftsleistung der Autoproduktion ist enorm und schlägt sich auch am Arbeitsmarkt nieder. Über 800.000 Menschen arbeiten in Deutschland bei Autobauern und Zulieferern.

Ein Teil des Problems ist der anhaltende SUV-Boom. Die in der Regel stark motorisierten Wagen weisen meist auch einen höheren Treibstoffverbrauch und damit einen höheren CO2-Ausstoß auf. Ein Tempolimit würde hier besonders Wirkung zeigen, sagen die Tempolimit-Befürworter.

Insgesamt hat der Ausstoß von Treibhausgasen in Deutschland im Jahr 2016 allen CO2-Reduktionsbemühungen zum Trotz weiter zugenommen. Nach Angaben des Umweltbundesamts (UBA) nahm der Kohlendioxid-Ausstoß allein im Verkehrssektor um 5,4 Millionen Tonnen zu - ein Plus von 3,4 Prozent. Abgasärmere Neuwagen bringen bei Weitem nicht den Effekt wie erhofft.

Keine ausreichende Datengrundlage für Tempo 130

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen berät die Bundesregierung und er dringt immer wieder auf ein Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen. Seit bekannt wurde, dass die nationalen Klimaschutzziele bis 2020 nicht erreicht werden, erscheint ihm ein generelles Tempolimit noch dringender.

Befürworter räumen allerdings ein, dass das CO2-Einsparpotential noch zu wenig erforscht wird. Das UBA berechnete 1999, dass sich mit Hilfe eines Tempolimits von 120 km/h drei Millionen Tonnen CO2 einsparen ließen. Was sich durch ein Tempolimit von 130 km/h einsparen ließe, darüber gibt es bislang nur Spekulationen. Die unzureichende Datengrundlage lässt die "Klimaschutz-Nation" Deutschland schlecht aussehen, so die Einschätzung der Umweltsachverständigen.

Und so moniert etwa der ökologische Verkehrsclub Deutschland: "Wir haben es hier mit einem forschungspolitischen Loch zu tun. Die letzten Bundesregierungen hatten alle kein Interesse am Tempolimit und den Behörden verboten, positive Effekte eines Tempolimits zu ermitteln."

Vorbild Österreich und Schweiz

Deutschland ist die einzige Industrienation der Welt ohne durchgängiges Tempolimit auf Autobahnen. In Österreich gilt seit 1975 ein generelles Tempolimit auf der Autobahn. Grund für die Einführung war die steigende Zahl der Unfälle. Und seit 2003 ist eine bislang einzigartige Tempomessung in Betrieb, die auch dem Klimaschutz zu Gute kommt.

"Section Control" ist ein Überwachungssystem, bei dem die Geschwindigkeit nicht punktuell wie bei einem Blitzer gemessen wird, sondern über mehrere Kilometer hinweg - und berechnet aus diesen Werten die Durchschnittsgeschwindigkeit. Nur wer sich über die ganze Strecke an die Geschwindigkeitsbegrenzung hält, kommt ohne Bußgeld davon.

In der Schweiz gilt seit 1985 ein Tempolimit von 120 km/h auf Autobahnen. Grund dafür war der Umweltschutz.

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