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ZDF-Sommerinterview - Wagenknecht findet Schröders Rosneft-Job "pervers"

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Mit scharfen Worten greift Sahra Wagenknecht das Russland-Engagement von Ex-Kanzler Schröder an. Seine geplante Tätigkeit für Rosneft sei "pervers" und "übel". Mit anderen politischen Fehltritten ist die Linken-Fraktionschefin nicht so streng.

Mit scharfen Worten greift Sahra Wagenknecht das Russland-Engagement von Ex-Kanzler Schröder an. Seine geplante Tätigkeit für Rosneft sei "pervers", sagt Wagenknecht im ZDF-Sommerinterview.

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Nur einmal wird Sahra Wagenknecht erbarmungslos scharf. Da ist das Interview schon fast zu Ende, es kommt die Rede auf Gerhard Schröder. "Ich finde das wirklich pervers", sagt Wagenknecht und schiebt zur Steigerung noch hinterher: "Ich finde es übel." Zu diesem Zeitpunkt hat die Oppositionsführerin bereits in vielen Varianten vorgeführt, wie fein sie Kritik abstufen kann. Bei Gerhard Schröder schiebt sie den Regler auf Anschlag.

"So diskreditiert man die Demokratie", verurteilt Wagenknecht Schröders Zusage, einen Aufsichtsratsplatz beim russischen Öl-Multi Rosneft einzuzunehmen. Politiker, die sich nach ihrem Rückzug in der Wirtschaft verdingen, "versilbern ihre Adressbücher", formuliert Wagenknecht. Sie kann das richtig gut. Voll draufhauen, unerbittlich sein, aber - nicht nur. Im ZDF-Sommerinterview führt die Linken-Fraktionschefin vor, wie man Kritik dosiert. Je nachdem, ob sie Freund oder Feind gilt. Ob sie wehtun soll oder nicht.

Ein Sahra-Wagenknecht-Kompromiss, ganz beiläufig

Mit dem sozialistischen Präsidenten von Venezuela geht Wagenknecht deutlich milder um als mit Schröder. Der orthodoxe Flügel ihrer Partei bewundert Nicolas Maduro, vielen Realos ist er unheimlich. Wagenknecht entscheidet sich für den Mittelweg. "Völlig illegitim" nennt Wagenknecht die Anweisung Maduros, das Parlament zu entmachten. "Aber die Art und Weise, wie über Venezuela berichtet wird, ist auch einseitig." Die Opposition habe "relativ gewaltreich" protestiert, sagt Wagenknecht: "Und deswegen muss man in Venezuela an beide Seiten appellieren".

Es wird Sahra Wagenknecht häufig vorgeworfen, kompromisslos zu sein. Dabei hat sie viel Übung darin, gegensätzliche Positionen nicht mehr gegensätzlich klingen zu lassen. Dass im Parteiprogramm das "Bleiberecht für Alle" steht, will Wagenknecht "natürlich nicht" wörtlich verstanden wissen. Auch der Linkspartei sei völlig klar, dass man Armut und Kriege nicht durch die Aufnahme von Flüchtlingen beenden könne. Aber das Bleiberecht, das Programm? Das sei natürlich eine "Zukunftsvision". Ein Sahra-Wagenknecht-Kompromiss, beiläufig und schulterzuckend vorgetragen.

Ja zum Überbrückungskredit für Air Berlin

"Nicht-Abschotten und offene Grenzen sind nicht dasselbe", erklärt Wagenknecht. Deutschland müsse wissen, wer ins Land kommt: "Es war nicht die Linke sondern Frau Merkel, die das für eine gewisse Zeit außer Kraft gesetzt hat."

Den Überbrückungskredit, den die Bundesregierung der Pleite-Fluggesellschaft Air Berlin zur Verfügung stellt, bezeichnet Sahra Wagenknecht als richtig. Man dürfe Urlauber und Beschäftigte nicht im Regen stehen lassen. Das ist in Wagenknechts Fraktion eine umstrittene Haltung. Der Abgeordnete Niema Movassat findet "nicht nachvollziehbar", dass Air Berlin weiterarbeiten kann, "während Millionen Privathaushalte überschuldet sind." Wagenknecht kritisiert ihren Kollegen nicht. Sie überhört die Frage und beginnt stattdessen zu erklären, warum auf dem Flugmarkt der Wettbewerb nicht funktioniere. Kurz zusammengefasst: Als Staatsairline war Lufthansa besser dran.

Wagenknecht: Tegel-Volksentscheid anerkennen

Am Ende lässt Wagenknecht dann doch noch ihre Vorsicht fahren. Es geht um den Volksentscheid, bei dem die Berliner über die Zukunft des Flughafens Tegel abstimmen sollen. "Einen Volksentscheid muss man respektieren", sagt Wagenknecht - eine Aussage, die ihren Parteifreunden vor Ort noch um die Ohren fliegen dürfte. Die Berliner Linkspartei, die am rot-rot-grünen Senat beteiligt ist, hat immer wieder erklärt, dass Tegel geschlossen werden müsse - ganz egal, wie der Volksentscheid ausgeht.

"Wir sind für Volksentscheide", stellt Wagenknecht klar, die Abstimmung in Berlin sei eine demokratische Entscheidung. Den Berliner Linken, die Tegel unbedingt schließen wollen, gibt Wagenknecht zu bedenken: "Wir wollen mehr direkte Demokratie, gerade weil wir finden, dass die Bevölkerung den Politikern auch mal deutlich sagen kann, wir wollen, dass das anders läuft, als ihr das macht."

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