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Fall Cambridge Analytica - Datenaffäre zeigt Facebooks Achillesferse

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Die jüngste Datenaffäre setzt Facebook enorm unter Druck, der Ruf nach Regulierung wird lauter. Mehr Datenschutz könnte jedoch Facebooks Geschäftsmodell ins Wanken bringen.

Nach der jüngsten Datenaffäre steigt politisch und finanziell der Druck auf Facebook. Doch Firmenchef Mark Zuckerberg schweigt – sein Sicherheitschef Stamos will offenbar den Konzern verlassen.

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Nach dem Skandal um das groß angelegte Abgreifen von Facebook-Nutzerdaten durch die britische Firma Cambridge Analytica steuert das soziale Netzwerk auf eine Krise zu.

Die US-Aufsichtsbehörde FTC hat Ermittlungen zu dem Fall eingeleitet, berichtete der Finanzdienst Bloomberg. Sollte sie eine Verletzung der Datenschutz-Regeln feststellen, kann sie hohe Strafen verhängen. Die Facebook-Aktie fiel bereits am Montag um rund sieben Prozent, und das löschte über 35 Milliarden Dollar Börsenwert aus. Am Dienstag geriet das Papier nach dem Bericht über die FTC-Ermittlungen weiter unter Druck.

Zuckerberg schweigt

Ein britischer Parlamentsausschuss verlangt von Gründer und Konzernchef Mark Zuckerberg, dass er sich dazu äußert, wie das Unternehmen Daten verwende. Bisher schweigt Zuckerberg jedoch zu dem Skandal. Er und seine rechte Hand Sheryl Sandberg würden sich erst zu dem Fall äußern, wenn interne Untersuchungen abgeschlossen seien, berichtete Bloomberg.

Auch der Digital-Ausschuss des Bundestages will Facebook vorladen. "Wir wollen Facebook befragen, ob auch deutsche Nutzer betroffen sind und ob vergleichbare Mechanismen auch für deutsche Nutzer eine Gefahr ihrer Daten bedeuten", sagte der IT-Experte der Unions-Bundestagsfraktion, Thomas Jarzombek, am Dienstag zu Reuters.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass Cambridge Analytica illegal an einige Informationen von bis zu 50 Millionen Facebook-Nutzern gekommen war. Um sie zu sammeln, hatte ein Professor eine Umfrage zu Persönlichkeits-Merkmalen aufgesetzt, die bei Facebook als wissenschaftliche Forschung angemeldet wurde. Die Daten gingen dann ohne Wissen der Nutzer an Cambridge Analytica. Facebook sperrte die Analyse-Firma aus, weil sie die unrechtmäßig erhaltenen Nutzerdaten entgegen früheren Zusicherungen nicht gelöscht habe. Allerdings zeigen sich Politiker entsetzt, dass es für Cambridge Analytica überhaupt möglich war, leicht nicht nur an Informationen der Nutzer zu kommen, die sich an der Umfrage beteiligt hatten, sondern auch von deren Freunden.

Facebook bei Datenschutz unter Zugzwang

Die neue Datenaffäre wirft auch ein Schlaglicht auf die Geschäftsrisiken für Facebook. Der US-Konzern verdient sein Geld vor allem mit Werbung, die auf seine mehr als zwei Milliarden Nutzer direkt zugeschnitten ist. "Facebooks Sinn und Zweck ist es, Daten zu sammeln. Das öffnet Tür und Tor für Manipulation", sagt der Vize-Direktor des Digital Society Institute (DSI) in Berlin, Martin Schallbruch.

Nun dürfte Facebook unter Zugzwang geraten, den Datenschutz auszuweiten, so Schallbruch. "Der Regulierungsdruck steigt." In Europa soll dafür ab Ende Mai die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sorgen. Verstöße können dann mit hohen Geldstrafen geahndet werden. Wäre der mutmaßliche Datenklau nach dem Inkrafttreten der neuen Regeln passiert, hätte es Facebook "vier Prozent seines Gesamtumsatzes gekostet", sagte der österreichische Datenschutz-Aktivist und Facebook-Kritiker Max Schrems. Gemessen am Umsatz des vergangenen Jahres von 40,7 Milliarden Dollar wären das 1,6 Milliarden Dollar.

Wenn europäische Nutzer oder Firmen involviert sind, können Verstöße gegen den Datenschutz für den US-Konzern also künftig teuer werden. Zudem zwingt die Verordnung Facebook dazu, Mitgliedern die Möglichkeit zu geben, auf personalisierte Online-Werbung zu verzichten. Analysten der Deutschen Bank schätzen, dass knapp ein Drittel der EU-Nutzer dies auch tun werden. Dies dürfte nach ihrer Einschätzung die Anzeigenpreise bei Facebook um bis zu 50 Prozent drücken.

Analytica-Chef Nix in Erklärungsnot

Auch die Firma Cambridge Analytica geriet weiter unter Druck. Die britische Datenschutzbehörde beantragte einen Durchsuchungsbefehl für die Londoner Zentrale. Die Firma habe innerhalb einer gesetzten Frist nicht auf eine Anfrage reagiert, so dass die Behörde nun gerichtlich versuche, auf den Systemen der Beratungsfirma Beweise zu sichern, wie das Information Commissioner's Office (ICO) britischen Medien zufolge mitteilte.

Unterdessen wurde ein Vorfall bekannt, der kein gutes Licht auf Cambridge Analytica wirft. Firmenchef Alexander Nix soll vor versteckter Kamera mit Erpressungsversuchen von Wahlkandidaten geprahlt haben. Ein Reporter des britischen Senders Channel 4 hatte sich für den Vertreter eines potenziellen reichen Kunden ausgegeben, der für den Erfolg mehrerer Kandidaten bei einer Wahl in Sri Lanka sorgen wolle. Cambridge Analytica wurde bekannt als die Firma, deren Datenauswertung Donald Trump zum Sieg bei der US-Präsidentenwahl 2016 verholfen haben soll.

Der Undercover-Reporter traf sich mit Cambridge-Analytica-Chef Nix und anderen Top-Managern mehrfach in Londoner Hotels von November 2017 bis Januar 2018. An einer Stelle antwortete Nix dem Channel-4-Bericht zufolge auf die Frage nach der Möglichkeit, negative Informationen über politische Opponenten zu beschaffen, seine Firma könne "Mädchen zum Haus des Kandidaten schicken". Ukrainerinnen seien "sehr schön, ich finde, das funktioniert sehr gut". Eine weitere Vorgehensweise sei, einem Kandidaten viel Geld für seinen Wahlkampf anzubieten, zum Beispiel mit Land als Gegenleistung - und das ganze auf Video aufzunehmen und später zu veröffentlichen.

Cambridge Analytica erklärte, der Bericht sei irreführend zusammengeschnitten, die Darstellung entspreche nicht der Vorgehensweise der Firma und versuche, den Spieß umzudrehen: Man führe routinemäßig Unterhaltungen mit potenziellen Kunden, um bei ihnen mögliche unethische oder illegale Absichten aufzudecken. Nix erklärte dem "Wall Street Journal", er habe lediglich in der Konversation "mitgespielt" und bereue das.

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