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Datenhandel bei Facebook & Co - Das Milliardengeschäft mit den Nutzerdaten

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Wer postet, twittert oder googelt, hinterlässt extrem viele Daten auf den Plattformen der Internetkonzerne. Und die machen Milliarden damit.

Archiv: Facebook-App auf einem Smartphone
Facebook-App auf einem Smartphone (Archivbild). Quelle: dpa

Ungefähr 1.000 Unternehmen weltweit machen ein Riesengeschäft mit den Daten der Internet-Nutzer. Ganz dick im Geschäft sind Internet-Konzerne wie Facebook und Google. Datenhandel ist das Kerngeschäft der Social-Media-Plattformen.

Überwachung bringt Geld

Das richtig große Geld wird mit Persönlichkeitsprofilen verdient. Politische Parteien nutzen solche Profile, um Wähler ganz zielgerichtet mit politischer Propaganda zu versorgen und sie zu manipulieren.

"Das ist prinzipiell nichts Neues", meint der Datenexperte Karsten Schramm, der einst GMX gegründet und das Online-Marketing in Deutschland etabliert hat. Heute ist er Aufsichtsratsvorsitzender des Kommunikationsdienstleisters Brabbler AG in München.

Politische Parteien entdecken Online-Marketing

"Die Werbeindustrie liefert ja passgenau Anzeigen und Angebote, die die Interessen und Bedürfnisse der Netznutzer und Konsumenten genau treffen", beschreibt Schramm. Damit die Interessen und Bedürfnisse der Konsumenten ermittelt werden können, müssen sie lückenlos im Netz überwacht werden.

Das geschieht vor allen Dingen auf den Social-Media-Plattformen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Facebook-ID. Das ist seit dem Jahr 2010 bereits bekannt. Doch die Politik hat bislang weltweit so gut wie nichts gegen dieses Ausspähinstrument unternommen.

Facebook ist zentral im Datenhandel

Die Facebook-ID nutzen zum Beispiel Online-Versandhändler, um zu protokollieren, welche Produkte sich ein Internet-Nutzer anschaut. Kunden, die sich nicht auf den Angebotsseiten von Versandhändlern angemeldet haben, werden dabei über ihre Facebook-ID identifiziert.

Dafür müssen sie nicht einmal aktuell bei Facebook eingeloggt sein. Es reicht aus, dass sie ein Benutzerkonto auf der Social-Media-Plattform angelegt haben.

Und schon lässt sich nicht nur das aktuelle Produktinteresse, sondern sogar das künftige Kaufverhalten dieses Netz-Nutzers genau berechnen. Die Daten dafür liefern die Social-Media-Plattformen und lassen sich das gut bezahlen.

Datenhandel bei Facebook & Co.

Polit-Datenhandel ist Manipulation

"Neu ist die politische Dimension des Datenhandels", meint Karsten Schramm. Analyse-Unternehmen zahlen Geld dafür, dass sie die Daten von Nutzern der Social-Media-Plattformen auswerten dürfen.

"Wenn Sie diese Inhalte nach Stichpunkten oder wie bei Google den Mailverkehr nach Schlüsselwörtern durchsuchen, wissen Sie alles über diese Person", urteilt Marketingexperte Schramm. Ein Dienstleistungsunternehmen, das weiß, dass sich ein bestimmter Netz-Nutzer bald für Golfkurse interessieren wird, wird ihm einen solchen Kurs anbieten und verkaufen.

Trump hat mit Digital-Marketing gewonnen

Das nutzen auch politische Parteien. "Das wissen wir nicht zuletzt dank Michael Kosinski, dessen Verfahren von Cambridge Analytica beim Brexit und der Trump-Wahl eingesetzt worden sind", sagt Professor Volker Grassmuck von der Leuphana-Universität in Lüneburg.

Jared Kushner, der Wahlkampfleiter und Schwiegersohn von Donald Trump, hat viel Geld in solche Analysen und Daten gesteckt, um sie für das "digitale politische Direktmarketing" nutzen zu können. Das Geschäftsmodell dahinter ist sehr einfach.

Wahlen gewinnen mit Social-Media-Daten

Politiker wollen Wahlen gewinnen. Also müssen sie wissen, was welche Wähler gerade denken, um ihnen die politischen Botschaften zu schicken, die diese Wähler hören wollen. Dafür brauchen sie individuelle Persönlichkeitsprofile.

Die werden von Analyseunternehmen erstellt. Für diese Analysen jedoch werden abertausende personenbezogener Daten benötigt. "Anhand von durchschnittlich 70 Facebook-Likes lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit eine bestimmte persönliche Eigenschaft eines Nutzers bestimmen", erläutert Professor Grassmuck.

Diese Daten zu liefern ist der Goldstandard der Social-Media-Plattformen. Dafür bekommen sie Geld, und dieser Datenhandel ist ihr eigentliches Geschäft. Die Auftraggeber kommen nicht nur aus der Politik. Fast alle Unternehmen weltweit betreiben Online-Marketing. Und dieses Online-Marketing funktioniert nur auf der Grundlage von Persönlichkeitsprofilen, die die Datenhändler liefern.

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