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Datenschutzskandale - Deutsche Informatiker verlassen Facebook

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"Facebook bedroht die Demokratie und ist ein Feind des Datenschutzes." Diese Begründung hat es in sich. Mit ihr schließt die Gesellschaft für Informatik ihre Facebook-Präsenz.

Bildschirmaufnahme eines Buttons zum Löschen des eigenen Facebook-Kontos
Die Gesellschaft für Informatik (GI) verabschiedet sich am 15. Mai von ihrem Facebook-Auftritt.
Quelle: imago

Dem Beschluss ist eine monatelange und äußerst heftige Diskussion vorausgegangen. Jetzt aber ist es amtlich: Zum 15. Mai macht die Gesellschaft für Informatik (GI) ihre Facebook-Seite dicht. Die Begründung für den Abschied von Facebook formuliert harte Vorwürfe gegen den Datenkonzern.

"Facebook bedroht Demokratie und Marktwirtschaft"

"Facebook vernachlässigt die Datensicherheit", lautet eines von drei Argumenten, mit denen der GI-Vorstand seinen Beschluss begründet. Zu oft seien persönliche Daten von Internet-Nutzern und Facebook-Mitgliedern in unbefugte Hände gelangt. So stellen die Computerwissenschaftler fest, dass das Facebook-Management unzumutbar fahrlässig in Sicherheitsfragen gehandelt hat.

"Facebook bedroht Demokratie und Marktwirtschaft", lautet der wohl heftigste Vorwurf, den die wissenschaftliche Fachgesellschaft Mark Zuckerberg und Sheryl Sandberg macht. Die Informatiker beziehen sich dabei auf die Vorgänge um Cambridge Analytica. Die Datenanalysefirma hatte für das Wahlkampfteam von Donald Trump die persönlichen Daten von Facebook-Nutzern im großen Stil für Wahlkampagnen und Manipulation missbraucht.

Wahlkampf-Manipulation mit persönlichen Daten

"Der Handel mit persönlichen Daten öffnet jeder Art von systematischer Verhaltenssteuerung der Benutzer Tür und Tor", kritisieren die Wissenschaftler. Und genau dieser Handel sei ein wesentliches Geschäftsmodell von Facebook. "Das unterminiert die Grundlagen unserer Demokratie", urteilen die Informatiker.

"Facebook ist ein Feind des Datenschutzes", lautet das dritte Argument, mit dem der GI-Vorstand den Facebook-Austritt begründet. "Das Geschäftsmodell von Facebook basiert auf dem Verkauf von Daten", erklärt GI-Vizepräsident Alexander von Gernler, deshalb sei es Teil der Geschäftspolitik, Datenschutz zu unterlaufen und gegen Datenschutzregeln zu agieren.

Die Informatiker verweisen hier nicht nur auf die lange Geschichte von Datenschutzverletzungen des Internet-Konzerns, sondern auch auf die Vertuschungsversuche von Mark Zuckerberg und seinen Managern. Auch die Verfolgung von Facebook-Gegnern mit nachrichtendienstlichen Mitteln wie Smartphone-Ortung und systematischer Beobachtungsliste, werten die Computerwissenschaftler als ernsthaften Verstoß.

Diskussionen auch auf der Facebook-Entwicklerkonferenz

"Hier ist keine Besserung in Sicht und ein Zuwarten vergeblich", warnt Alexander Gernler. Dass mit der GI die erste wissenschaftliche Fachgesellschaft in Deutschland nun ernsthafte Konsequenzen gezogen hat, sorgt weltweit für Beachtung.

Facebook-Schild in Menlo Park, Kalifornien
Der Beschluss der GI wurde auch in den USA intensiv diskutiert. (Symbolbild)
Quelle: reuters

Auf der Facebook-Entwicklerkonferenz, die in der vergangenen Woche in San Francisco stattfand, wurde der GI-Beschluss nicht nur von deutschen Entwicklern intensiv diskutiert. Viele Entwickler fordern von Mark Zuckerberg eine glaubwürdige und nachvollziehbare Änderung der Facebook-Geschäftspolitik.

In Deutschland hat der GI-Beschluss für Mitglieder anderer wissenschaftlicher Fachgesellschaften durchaus Vorbildcharakter. Im Verein Deutscher Ingenieure formiert sich gerade eine Gruppe Mitglieder, die ein eindeutiges Signal gegen Facebooks Gebaren auch von ihrer Fachgesellschaft erwartet.

Facebook-Management setzt auf Förderangebote

Der GI-Abschied von Facebook wird von IT-Fachleuten, Wissenschaftlern, Journalisten und auch Netzpolitikern als ein erster notwendiger Schritt wahrgenommen. Das Facebook-Management versucht zwar, den dadurch bedingten politischen Stimmungswandel durch finanzstarke Förderangebote insbesondere für Journalisten abzuschwächen. Der Konzern will allerdings zum GI-Beschluss selbst offiziell nicht Stellung nehmen.

Die GI-Aktion dürfte Facebook weitere Mitglieder kosten. Auch prüfen verschiedene westeuropäische Unternehmen stärker, ob sie ihre Marketingkommunikation weiterhin über Facebook betreiben müssen. Hier entsteht gerade ein gewisser Druck auf den Datenkonzern.

Ob dieser Druck allerdings ausreicht, damit das Facebook-Management um Mark Zuckerberg und Sheryl Sandberg den Ernst der Lage erkennt, weiß im Augenblick niemand.

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