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E-Government - De-Mail verpasst den Anschluss

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Die sichere E-Mail De-Mail und der elektronische Personalausweis waren die digitalen Vorzeigeprojekte der Bundesregierung. Doch die Bürger lassen die Technik links liegen.

Sogenannter "De-Mail Cage" im Rechenzentrum der Deutschen Telekom am 5.6.2013
Sogenannter "De-Mail Cage" im Rechenzentrum der Deutschen Telekom am 5.6.2010
Quelle: dpa

Als die Bundesregierung im Jahr 2010 die gesetzlichen Grundlagen für den damals neuen, kryptographisch gesicherten Kommunikationsdienst De-Mail schuf, waren die Erwartungen noch hoch. Innerhalb von fünf Jahren sollten 20 Prozent der Bundesbürger die staatliche Alternative zur E-Mail nutzen, neben Behördenpost sollten hier auch geschäftliche und private Nachrichten zum Alltag gehören.

Eine Million Privatkunden

Sieben Jahre nach der Einführung sieht die Bilanz anders aus. "Aktuell haben sich über eine Million Privatkunden bei den De-Mail-Anbietern insgesamt registriert; dazu kommen einige zehntausend Mittelstandskunden und rund 1.000 De-Mail-Großkunden aus Wirtschaft und Verwaltung", erklärt Christian Friemel, Pressesprecher für die E-Mail-Dienste Web.de und GMX. Die Mailanbieter gehören zu den Kooperationspartnern, die den De-Mail-Dienst nach den Vorgaben der Bundesregierung anbieten.

Zwar bewertet das Unternehmen die Entwicklung positiv - doch Grund zur Freude haben die De-Mail-Anbieter nicht. Denn bereits zum Start des Dienstes hatten sich nach einer massiven Werbekampagne über eine Million Kunden vorregistriert. Seither sind wenige Kunden hinzugekommen - genaue Zahlen veröffentlichen die Unternehmen nicht. Bei der Deutschen Rentenversicherung, einem der bekanntesten Anbieter für De-Mail-Dienstleistungen, sind im Jahr 2016 gerade mal 4.500 De-Mail-Nachrichten eingegangen.

Ungeliebter Chip

Beim elektronischen Personalausweis sieht die Lage nicht besser aus. Zwar haben mittlerweile die meisten Deutschen einen Ausweis im Scheckkarten-Format mit eingebautem Chip, der als digitaler Unterschriften-Ersatz funktioniert. Doch bis Frühjahr 2017 hatten nur ein Drittel der Bürger diese Funktion freigeschaltet. Tatsächlich genutzt wird sie nur von einem Bruchteil davon. Laut einer aktuellen Umfrage besitzen nur fünf Prozent der Onliner ein Lesegerät, um den Ausweis am PC auslesen zu können.

Das Problem der Dienste: Während Programme wie WhatsApp mittlerweile zum Alltag von Millionen Deutschen gehören, sind De-Mail und der Online-Ausweis Insellösungen geblieben. Weil nur wenige Bürger die Dienste nutzen, sind auch für Anbieter eher uninteressant.

E-Mail mit Porto

Wenig geholfen hat dabei die Grundkonstruktion der De-Mail. So kostet der Versand von De-Mails Porto. Ab 2018 will die deutsche Telekom im Basistarif 39 Cent für den Versand einer Nachricht berechnen - Sonderdienste wie "Einschreiben" kosten extra. Im Gegensatz dazu sind die meisten Verwaltungsdienste weiterhin über kostenlose Kanäle verfügbar. Wer beispielsweise einen Termin im Rathaus online vereinbaren will, kommt meist mit einer einfachen und kostenfreien E-Mail-Adresse aus.

Laut einer Studie der Initiative D21 sank die Nutzung der EGovernment-Dienste in Deutschland in den letzten fünf Jahren von 45 auf 41 Prozent. Die Bundesregierung versucht sich mittlerweile an einem neuen Projekt: Sie will bis zu einer eine halben Milliarde Euro in digitale Bürgerportale investieren, in denen Bürger ihre Behördenkontakte zentral verwalten können. Zumindest für den Online-Ausweis könnte dies zu einer Renaissance führen. Doch ein erster Probelauf im August musste auf unbestimmte Zeit verschoben werden.

Neuer Anlauf

Unterdessen versucht die Bundesregierung die Nutzung ihrer Dienste per Gesetz zu verstärken: So werden Bürger ab August nicht mehr gefragt, ob sie die Online-Funktion im Ausweis freischalten wollen - wer auf sie verzichten will, muss widersprechen. Auch wird die Pflicht zu De-Mail-Nutzung ausgeweitet. Ab 2018 sind zum Beispiel Steuerberater verpflichtet, ihre Kommunikation mit den Finanzbehörden über De-Mail abzuwickeln. Ob dies die Popularität der staatlichen E-Mail-Alternative steigern wird, muss abgewartet werden.

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