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#DeinD - Bildung: Kampf ums Kind

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In Deutschland werden Kinder von Geringverdienern mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst später Geringverdiener. Was die Schule daran verändern kann, darüber sprach das 3sat Wirtschaftsmagazin makro mit dem Bildungsforscher Wilfried Bos.

makro: Die hohe Ungleichheit in Deutschland hat auch mit dem Bildungssystem zu tun, sagen Ökonomen wie beispielsweise Marcel Fratzscher vom DIW. Was läuft in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern falsch?

Wilfried Bos: Die frühe Trennung der Kinder nach vier Schuljahren mit der Verteilung auf unterschiedliche Schulformen ist fehlerbehaftet. So ist die Chance des Professorenkindes rund 3,5 Mal so hoch, das Gymnasium zu besuchen wie die des Kindes einer Facharbeiterfamilie. Selbst wenn man nur Kinder gleicher Intelligenz miteinander vergleicht, ist die Chance des Professorenkindes immer noch mehr als dreimal so hoch. Berücksichtigt man zusätzlich noch die erbrachten Leistungen - vergleicht man also Kinder mit gleicher Intelligenz und gleicher Testleistung - bleibt die Chance des Professorenkindes rund zweieinhalb mal höher, das Gymnasium zu besuchen.

makro: Immer mehr Kinder besuchen die Gesamtschule. Ist das der richtige Weg?

Bos: Die neunjährige Gesamtschule kann eine hervorragende Ergänzung zum achtjährigen Gymnasium sein. Die Schüler haben dort ein Jahr mehr Zeit, um den Stoff zu bewältigen. Darüber hinaus sind Gesamtschulen fast ausschließlich Ganztagsschulen. Wenn Ganztagsschulen gut gemacht sind, bieten sie mehr Zeit für individuelle Förderung. Besonders Kindern, denen die Eltern nicht die nötige Unterstützung zukommen lassen können, haben hier die Chance, von dieser Schulform zu profitieren.

makro: Lange Zeit schien das deutsche Schulsystem vollkommen ausreichend zu sein. Warum ballt sich seit einigen Jahren so die Kritik?

Bos: Weil wir erst seit einigen Jahren verlässliche Daten über den Leistungsstand unserer Schüler und Schülerinnen im internationalen und nationalen Vergleich durch entsprechende Schulleistungsstudien vorliegen haben - ich erinnere an den PISA Schock. Langsam zeichnen sich zwar positive Entwicklungen ab. Gleichzeitig aber braucht die Wirtschaft immer mehr gutqualifizierte junge Menschen. Bei unseren demografischen Problemen können wir uns insbesondere nicht leisten, nennenswerte Anteile unserer Schülerschaft ohne ausreichende Kompetenzen aus der Schule zu entlassen - und das ist immer noch der Fall.

makro: In welchem Land ist denn die Kopplung zwischen Bildungserfolg der Kinder und dem gesellschaftlichen Status der Eltern geringer als in Deutschland?

Bos: Wir finden eine viel geringere Kopplung in asiatischen Staaten, aber auch in skandinavischen Ländern oder in Kanada. Ein gutes Ganztagsschulangebot - wie in diesen Ländern - kann da hilfreich sein. Gerade Kinder aus unteren Schichten können dort besser gefördert werden.

makro: Ein Drittel der Schüler in Deutschland sind "digitale Analphabeten". Das heißt, diese Kinder können noch nicht einmal googeln. Wie machen wir sie fit für das 21. Jahrhundert?

Bos: Bei nichtgymnasialen Schulformen sind es sogar 40 Prozent. Das ist natürlich eine Herausforderung an unser Schulsystem, denn es gibt kaum noch Berufe, die ohne hohe Kompetenz im Umgang mit modernen Informationstechnologien ausgeübt werden können. Zuerst müssen wir aber die Lehrerinnen und Lehrer fit machen, damit sie in allen Fächern moderne Informationstechnologien einsetzen können. Im internationalen Vergleich werden in Deutschland moderne Informationstechnologien am wenigsten Im Unterricht eingesetzt.

Das Interview führte makro-Moderatorin Eva Schmidt

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