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Politische Mitbestimmung - Parteimitgliedschaft - Was bringt das?

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In Deutschland sind sie überall vertreten, egal ob im Dorf oder in der Großstadt: Parteien. Doch Parteimitglied zu sein, liegt bei jungen Erwachsenen nicht gerade im Trend. Was bringt es, in eine Partei einzutreten? Wir haben die wichtigsten Fakten.

Wie kann ich herausfinden, ob eine Partei die Richtige für mich ist?

Über die Internetseiten der Parteien oder ihre Social-Media-Plattformen bekomme ich jede Menge Informationen über sie und ihre Ziele. Auch auf der Seite der Bundeszentrale für Politische Bildung gibt es einen Überblick über die Parteien. Ganz klassisch kann ich mich auch beim Treffen des Ortsvereins informieren. Diese werden meist in Lokalzeitungen oder auf den Internetseiten der Ortsvereine angekündigt.

Warum soll ich einer Partei beitreten?

"Wenn man sich für Politik interessiert und es einem nicht ausreicht, alle paar Jahre zu wählen und seine Stimme abzugeben, bleibt einem nichts anderes übrig, als in eine Partei einzutreten. Denn letztendlich gibt man seine Stimme wirklich ab, das ist schon auch wörtlich gemeint", erklärt Politikwissenschaftler Simon Bauer von der TU Darmstadt. Ich kann mich zwar auch abseits von Parteien politisch engagieren - "aber allen, denen Politik wichtig ist, und die nicht wollen, dass andere für sie entscheiden, bleibt nichts anderes übrig, als in eine Partei einzutreten". Denn Deutschland ist eine Parteiendemokratie, das regelt das Grundgesetz.

Ich stimme dem Parteiprogramm zu, allerdings nicht in allen Punkten. Macht es trotzdem Sinn, in die Partei einzutreten?

Es ist wie in einer Liebesbeziehung: "Bei der ersten Verabredung lernt man jemanden kennen - man wird aber nicht mit allem übereinstimmen. Selbst wenn man am Anfang für sein Gegenüber schwärmt, wird es mit der Zeit auch Konflikte und Widersprüche geben", sagt Bauer. Letztlich komme es im Privaten wie in der Politik darauf an, wer mit den eigenen grundlegenden Werten übereinstimme. Dafür hat der Politikwissenschaftler einen Tipp: Den Wahl-O-Mat. Mit dem Tool kann man ganz einfach die eigenen Wertvorstellungen mit denen von Parteien abzugleichen.

Was wenn ich mich nicht gleich fest binden will?

Es gibt die Möglichkeit von Probe-Mitgliedschaften. "Das sind relativ neue Instrumente, um die Verbindlichkeit abzubauen, die bei einer Mitgliedschaft im Allgemeinen mitschwingt", erklärt Bauer. Diese seien meist vergünstigt oder endeten nach einer bestimmten Dauer von selbst.

Ich habe mich entschieden. Wie trete ich bei?

"Mitglied werden, das ist heutzutage einfach", weiß Bauer. Über die Internetseiten der Parteien könne sich jeder unkompliziert anmelden. Die Alternative: Ganz klassisch zu einer Ortsvereinssitzung gehen und das Beitrittsformular ausfüllen.

Was passiert nach der Anmeldung?

"Parteien leben von der Präsenz vor Ort", erklärt Politkwissenschaftler Bauer. Nach meiner Online-Anmeldung werde ich daher den einzelnen Gruppen als Neumitglied gemeldet und beispielsweise vom Ortsvorsitzenden kontaktiert. Zusätzlich bekomme ich weitere Informationen von der Partei zugesandt. "Es gibt auch regelmäßige Neumitglieder-Veranstaltungen", erklärt Bauer. Gerade die Neuen würden umworben - auch auf Ebene des Landesverbands. "Das dient dazu, dass man nicht nur zur Ortsvereinssitzung im Schützenhaus eingeladen wird, sondern auch prominentes Personal wie den Landesverbandsvorsitzenden kennenlernen und ihm Fragen stellen kann", sagt Bauer.

Kann ich in mehreren Parteien gleichzeitig Mitglied sein?

Laut Bauer ist das nicht vorgesehen. Die meisten Parteien hätten explizit geregelt, dass man nicht Mitglied in mehreren Parteien sein darf. Die gleichzeitige Mitgliedschaft in einer deutschen und einer Partei im Ausland ist in bestimmten Fällen aber möglich, unter anderem wenn die Parteiziele einander nicht widersprechen.

Welche Möglichkeiten habe ich durch eine Parteimitgliedschaft?

Es ist in einer Partei wie in jedem Sport- oder Musikverein: "Mitglieder werden gebraucht, gesucht und willkommen geheißen", sagt Bauer. Sie können den Verein beziehungsweise die Partei aber nur verändern, wenn sie sich einbringen. Das beginne bei einer Partei in der Regel immer auf regionaler Ebene. Natürlich gehört die Hilfe im Wahlkampf von lokalen Mandatsträgern und das Plakatekleben auch dazu - aber das ist nicht die einzige Möglichkeit, um in einer Partei mitzumischen. Ich kann an Treffen und Veranstaltungen teilnehmen, das persönliche Gespräch mit anderen Parteimitgliedern suchen und meine Anliegen in Sitzungen thematisieren. Wenn ich das Gefühl habe, dass ein bestimmtes Thema zu kurz kommt, kann ich dazu auch einen Diskussions- oder Gesprächsabend organisieren.

Kann ich so eine politische Karriere starten?

Es existieren grundsätzlich zwei Wege um eine politische Karriere zu starten: Der Quereinstieg über persönliche Beziehungen oder der lange Weg - die "Ochsentour", wie sie in der Politik genannt wird. Das heißt: Sich von unten jahrelang Schritt für Schritt hocharbeiten. "Es gibt keinen Königsweg", sagt der Politikwissenschaftler. Seiner Meinung nach ist Durchhaltevermögen wichtig, denn für eine Karriere brauche man Geduld. Spitzenkandidat werde man nicht nach wenigen Wochen. Wer eine Parteikarriere beginnen wolle, brauche Zeit.

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