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#DeineWahl - Politik - geht das auch in jung?

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Desinteressiert, unpolitisch, unkritisch - das Image der Jungen ist in den Augen der in der Gesellschaft Etablierten nicht das Beste. Doch Politik ist nicht gleich Politik. Das zeigen acht Studenten in unserer Serie #DeineWahl zur Bundestagswahl.

Felix Geiger wird Metzger. Am 24. September darf er zum ersten Mal wählen. Was bewegt den jungen Mann, was erwartet er von Politikern?

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Für ihre Kritiker steht eines fest: Die Jungen von heute können mit Politik nichts anfangen. Mehr noch: Der Wirtschaftspublizist und ehemalige WISO-Chef Michael Opoczynski spricht ihr sogar den kritischen Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen ab, ebenso den Willen, etwas ändern zu wollen. "Krieg der Generationen" hat er seine Streitschrift vor zwei Jahren genannt - nur um ihr dann den Untertitel zu geben "Und warum unsere Jugend ihn bald verloren hat".

Opoczynski hat auch einen Schuldigen für das seiner Meinung nach fehlende politische Engagement der Jugend ausgemacht: die Politik selbst. Der kritische Blick sei der jungen Generation als Nebenwirkung der Bildungsreformen ausgetrieben worden. Eine Politik also, die sich selbst abschafft?

Politik ist nicht gleich Politik

Das hängt davon ab, was mit Politik gemeint ist - immer vorausgesetzt, dass der Vorwurf stimmt. Denn Politik ist nicht nur, was die Bundesregierung diskutiert oder was Bundestag und Landesparlamente beschließen. Politik regelt auch das Zusammenleben und die Beziehungen zu anderen Staaten. Und Politik findet überall dort statt, wo Menschen sich engagieren, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen - egal ob es dabei um eine bundesweite Gesetzesreform oder eine lokale Initiative für einen neuen Sportplatz geht.

Gerade dieser Aspekt ist es, den man der jungen Generation in Deutschland nicht absprechen kann. Sie ist politisch - auch wenn sie nicht wie ihre Altersgenossen während des arabischen Frühlings auf die Straßen geht. Die Generation Y wird im Kleinen aktiv, zum Beispiel wenn es um die drohende Verlagerung einer Berufsschule geht, wenn soziale Gerechtigkeit in ihrer Umgebung bedroht ist, wenn es vor Ort um ein besseres Leben geht.

Ganz anders dagegen ist in den vergangenen Jahren ihr Verhältnis zu den politischen Institutionen gewesen. Die Shell Jugendstudie fragte 2015 Jugendliche und junge Erwachsene nach ihrem Vertrauen in Institutionen. Während Polizei, Gerichte und Menschenrechts- und Umweltschutzgruppen hier weit vorne landeten, schnitten die Parteien eher unterdurchschnittlich ab. Das Vertrauen in Parteien lag damals auf einem Niveau mit dem Vertrauen in große Unternehmen und in Banken.

Wer nicht wählt, wird nicht gehört

Übersetzt auf die anstehende Bundestagswahl heißt das: Junge Menschen haben zwar politische Einstellungen und Ideale. Aber auf der bundespolitischen Ebene engagieren sie sich kaum, um diese Ideen und Wünsche umzusetzen. Selbst wählen wird da zur Anstrengung: Bei den Menschen unter 30 Jahren lag die Wahlbeteiligung bei Bundestagswahlen zuletzt nur knapp über 60 Prozent, während bei den 60- bis 69-Jährigen fast 80 Prozent zur Wahl gingen - ein Unterschied, der wahlentscheidend sein kann.

Das beste und vielleicht auch tragischste Beispiel dafür ist in den vergangenen Jahren der Brexit gewesen. Laut einer YouGov-Umfrage haben bis zu 75 Prozent der 18- bis 24-Jährigen für einen Verbleib Großbritanniens in der EU gestimmt. In keiner anderen Altersgruppe war das Votum pro oder contra Brexit so deutlich. Aber: In keiner anderen Altersgruppe gingen auch so wenige Menschen zur Wahl. Nur 64 Prozent der Wahlberechtigten zwischen 18 und 24 Jahren stimmten am Wahltag ab. Bei den über 65-Jährigen, die mehrheitlich für den Brexit stimmten, lag die Wahlbeteiligung bei mehr als 90 Prozent.

Das heißt zum einen: Die alten Briten, die aller Voraussicht nach am kürzesten mit dem Brexit leben müssen, haben ihn den jungen Briten, die wohl am längsten mit ihm leben müssen, aufgezwungen. Das heißt aber auch: Hätten mehr Menschen, die für den Verbleib in der EU waren, ihre Stimme gegen den Brexit auch tatsächlich abgegeben, hätten sie ihn durchaus verhindern können. Ähnlich die Situation bei der US-Wahl: Umso jünger die Wähler waren, umso eher stimmten sie für Hillary Clinton. Aber auch in den USA legen Langzeitstatistiken nahe, dass ältere Menschen eher zur Wahl gehen. Das Ergebnis: Der US-Präsident heißt heute Donald Trump, nicht Hillary Clinton. Wer nicht wählt, wird nicht gehört.

Alles beim Alten?

In Deutschland lösten der Brexit und Trump bei vielen einen Schock aus - gerade unter jungen Menschen. Ob ihre Bundesregierung nun aus einer Koalition von Union und FDP oder von Union und SPD bestand: hatte sich ihr Alltag je verändert, wenn in Berlin etwas entschieden wurde? Das Gefühl blieb immer das Gleiche - und auch die Bundeskanzlerin hieß stets Angela Merkel. Erst mit Brexit und Trump wurde das Unmögliche auf einmal möglich - und die Erkenntnis, selbst etwas ändern zu können, greifbar.

Doch haben der Brexit und die US-Wahl tatsächlich etwas verändert? Oder bleibt am Wahltag am 24. September 2017 alles beim Alten? Die junge Generation politisch desinteressiert, wahlmüde, blind und taub für das große Ganze? Der Verlierer im "Krieg der Generationen", wie ihrer Kritiker es vorhergesehen haben?

Um das zu beantworten, hat sich heute.de gemeinsam mit der Hochschule Darmstadt auf Spurensuche begeben. Acht Onlinejournalismus-Studenten sind der Frage nachgegangen, ob es so etwas wie junge Politik gibt. Was machen Wahlkämpfer im Netz, um junge Wähler zu erreichen? Woher kommt die Wahlmüdigkeit der Generation Y? Was können junge Erwachsene erreichen, die sich selbst engagieren? Und ist die Aufgabe der jungen Generation, sich mehr für Politik zu begeistern - oder die Aufgabe der Politik, die Jungen dort abzuholen, wo sie sind? Antworten liefert die dabei entstandene Serie #DeineWahl - ab heute auf heute.de.

Folgen Sie den heute.de-Redakteuren Martin Krauß und Kevin Schubert auf Twitter: @martin_krauss und @waskevinsagt

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