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Wahlkampf für junges Publikum - Social Media - für welche Parteien sie Vorteile bringen

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Wahlkampf in sozialen Netzwerken gilt als modern. Doch sind die Parteien darauf vorbereitet? Sie müssten hier aufholen, sagt Kommunikationswissenschaftler Marcus Maurer im heute.de-Interview. Er verrät, welchen Parteien eine intensive Social-Media-Arbeit in die Karten spielt.

Samstagvormittag, Fußgängerzone, Rosen, Kugelschreiber und Luftballons. So sieht Wahlkampf ganz klassisch aus - doch heute läuft vieles auch im Netz. Denn dort trifft man auf diejenigen, die für die Parteien besonders wichtig sind: Junge Leute und …

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heute.de: Herr Maurer, für wie politisch halten Sie die heutige Jugend?

Marcus Maurer: Die Jugend ist heute nicht mehr oder weniger politisch als früher. Mit 18 Jahren fangen Jugendliche an, sich mit Politik zu beschäftigen. Problematisch wird Desinteresse erst später. Es hat viel mit den Eltern und der Schule zu tun, ob ein Politikinteresse entsteht oder nicht. Generell geben 50 Prozent der Deutschen an, sich für Politik zu interessieren. Ich glaube aber, dass die veröffentlichten Zahlen das echte Interesse überschätzen.

heute.de: Wie müssen Politiker die junge Zielgruppe ansprechen? Kann Social Media hier helfen?

Maurer: Das ist schwer zu sagen. Generell lassen sich Menschen heutzutage gerne unterhalten. Die Frage ist halt, ob die Politik das soll. Die AfD kann durch Provokation Aufmerksamkeit generieren. Sie hat einen schweren Stand in den traditionellen Medien und muss deshalb auf Social Media ausweichen. Dort hat die AfD mehr Follower als die etablierten Parteien. Aber das sollte kein Vorbild für die Anderen sein. Das Interesse, sich zu informieren, muss von den Jugendlichen kommen - und nicht umgekehrt.

heute.de: Das heißt, die etablierten Parteien können Social Media vernachlässigen?

Maurer: Das nicht. Social Media würde ihnen sicher nicht schaden. In dieser Hinsicht müssten sie aufholen. Das ist ein Henne-Ei-Problem - eine Partei müsste damit anfangen. Die Frage ist immer, ob dafür genug Ressourcen vorhanden sind. Und natürlich, ob die junge Generation sich das dann ansieht. Angela Merkel hat ja beispielsweise einen YouTube-Kanal.

heute.de: Die Generation Z informiert sich häufig über YouTube. Wo liegen da die Chancen und Risiken?

Maurer: Vorteile bringt das Medium denen, die an den traditionellen Medien vorbei kommunizieren möchten. Es kann sich jeder über alles äußern. Allerdings fehlt dort jegliche journalistische Kontrolle. Für Publizisten auf YouTube ist das toll. Aus Sicht der Demokratie stellt sich aber die Frage, ob das kontrolliert werden muss.

heute.de: Da kommt der Vorschlag des Innenministers Thomas de Maizière ins Spiel, ein Abwehrzentrum für Falschmeldungen einzurichten. Was halten Sie davon?

Maurer: Das ist ein kompliziertes Thema. Zuerst muss die Frage geklärt werden, was Fake News überhaupt sind. Einer muss das ja entscheiden. Es gibt sehr viele Grauzonen und oft kann gar nicht genau belegt werden, ob etwas stimmt oder nicht. Das Kernproblem ist die Frage, was überhaupt falsch ist. Und dann muss noch jemand diese ungeheure Menge an Daten sichten. Das geht nur über Programme - und die sind unzuverlässig und machen Fehler.

heute.de: Was denken Sie darüber, dass Blogger mit journalistischen Background wie Rayk Anders über Politik auf YouTube sprechen?

Maurer: Ich finde gut, dass es das gibt. Die Videos sind laut, provokant, bunt. Er zielt da schon auf ein jüngeres Publikum ab. Es wird auch gesehen, aber man darf das nicht überbewerten. Er hat zwar über 80.000 Abonnenten, aber die Videos werden viel seltener angesehen und man weiß auch nicht, wer es sich mehrfach ansieht. Ich denke nicht, dass er wahnsinnig viel damit erreicht. Was er macht, ist auch nicht objektiv, das sagt er ja selbst. Er kommentiert in seinen Videos. Es ist also kein Ersatz für klassische Mediennutzung. Wenn er aber den ein oder anderen Jugendlichen damit motiviert, sich mit Politik zu beschäftigen, dann ist das natürlich super. Man soll nur nicht glauben, dass es die Welt verändert. Die Jugend macht auf YouTube in der Regel andere Dinge.

heute.de: Abschließend würden Sie also sagen, dass es nicht die Aufgabe der Politik ist, auf junge Menschen vermehrt durch Social Media wie YouTube zuzugehen?

Maurer: Wir haben in Deutschland ein breites Angebot von Medien. Die Initiative, sich zu informieren und diese zu nutzen, muss vom Menschen ausgehen. Mediennutzung sollte die Folge von Interesse sein.

Das Interview führte Sonja Ingerl, #DeineWahl.

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