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Schon wieder Montag ... - Bloß nicht alles selber machen!

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"Bevor ich die Aufgabe meinem Mitarbeiter erklärt habe, mache ich sie doch lieber schnell selbst." Viele Führungskräfte tun sich mit der Weitergabe von Aufgaben schwer. Dabei kann richtiges Delegieren das Arbeitsleben leichter machen, sagt Management-Trainerin Anne David-Schröder im heute.de-Interview.

heute.de: Was ist das Problem?

Anne David-Schröder: Wenn fachlich hoch kompetente Fachkräfte zu Führungskräften werden, wandeln sich ihre Aufgaben und sie sollten lernen, zu entscheiden, welche Tätigkeiten sie selbst erledigen und welche sie abgeben sollten.

heute.de: Für welche Aufgaben gilt das?

David-Schröder: Delegieren ist keine Handlungsanweisung, bei der die genaue Vorgehensweise vom Chef bestimmt wird und Delegieren heißt auch nicht, dass in erster Linie lästige Aufgaben abgewälzt werden. Ein guter Chef muss die zu erbringenden Leistungen nicht am besten umsetzen können, sondern er sollte den Überblick behalten und wissen, wem er was übertragen kann. Eine Führungskraft braucht aber inhaltliche Kompetenzen, um die Ergebnisse beurteilen zu können, wobei das Expertenwissen eher im Team gefragt ist.

heute.de: Warum ist das Delegieren wichtig?

David-Schröder: Wer alle Aufgaben selbst erledigen will, überfordert sich selbst und das Team, weil die notwendige Führung auf der Strecke bleibt. Dann kommt es im Alltag immer wieder zu Krisen und das Personal hat keine Chance, sich weiterzuentwickeln.

heute.de: Wie funktioniert gutes Delegieren?

David-Schröder: Planvoll, vertrauensvoll und mit Zeit. Doch daran scheitert es häufig, da in den Betrieben eine schnelle Taktung herrscht. Es ist wichtig, dass die zu delegierenden Aufgaben nicht nur zwischen Tür in Angel, sondern in Ruhe abgesprochen werden. Es ist auch sehr wichtig, dass beide Parteien sich über die Ziele einig sind und dass der Mitarbeiter deutlich signalisiert dass er die Aufgabe übernimmt.

heute.de: Und dann ist der Chef oder die Chefin aus der Sache raus?

David-Schröder: Nicht ganz. Die Mitarbeiter müssen die Freiheit erhalten, zu entscheiden, wie sie das gewünschte Ergebnis erreichen. Die Aufgabe der Führungskraft ist es, offen gegenüber Rückfragen zu sein, die Resultate zu kontrollieren und je nachdem positives oder negatives Feedback zu geben. Das kann in verabredeten Intervallen oder bei Erreichen des Ziels geschehen. Eine Rückmeldung ist in jedem Fall wichtig.

heute.de: Das klingt nicht nach weniger Zeitaufwand?

David-Schröder: Ja, richtiges Delegieren ist erstmal aufwändig, führt aber geradlinig zu besseren Ergebnissen und spart so unter dem Strich doch Zeit.

heute.de: Wie wird das dafür nötige Vertrauen aufgebaut?

David-Schröder: In kleinen Schritten, als Führungskraft muss man lernen, die Mitarbeiter und ihre Kompetenzen richtig einzuschätzen und klare, verlässliche Absprachen auf Augenhöhe zu treffen. Denn Missverständnisse führen zu Frust und Enttäuschung auf allen Seiten.

heute.de: Ist Delegieren auch für Selbstständige wichtig?

David-Schröder: Ja, gerade für Selbstständige ohne Personal ist es wichtig zu erkennen, welche Aufgaben besser abgeben werden sollten. Denn Delegieren heißt auch, die eigenen Grenzen und Kompetenzen zu erkennen. Alle selbst machen zu wollen, führt oft zu Überforderung. So sollte zum Beispiel eine Ärztin ihre Steuererklärung an eine Steuerberaterin abgeben und sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren. Es ist wichtig, loslassen zu können.

Das Interview führte Tatjana Kimmel-Fichtner.

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