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Präsidenten-Wahl in Liberia - Erster demokratischer Wechsel seit 70 Jahren

Datum:

Die erste gewählte Präsidentin Afrikas tritt nach zwei Amtszeiten ab. Für die Nachfolge von Ellen Johnson Sirleaf traten im Oktober 20 Kandidaten an. Nun geht es in die Stichwahl.

Markt in Monrovia
Quelle: reuters

Liberia, die von freigelassenen US-Sklaven 1847 in Westafrika gegründete Republik in Westafrika, steht vor einem historischen Meilenstein: Zum ersten Mal seit mehr als 70 Jahren wird es einen demokratischen, durch Wahlen legitimierten Machtwechsel geben. Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf trat bei der Wahl im Oktober nicht mehr an. Um ihre Nachfolge bewarben sich 20 Kandidaten, darunter das Ex-Model MacDella Cooper als einzige Frau und der frühere Fußballstar George Weah. Weah und der amtierende Vizepräsident Joseph Boakai setzten sich beim ersten Wahlgang im Oktober durch. Sie treten nun in einer abschließenden Stichwahl gegeneinander an.

14 Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs und zwei Jahre nach dem Abflauen der Ebola-Katastrophe werden 1,9 Millionen registrierte Wähler zu den Urnen gerufen. In einer Rede vor den Vereinten Nationen betonte Johnson Sirleaf die Rolle der Frauen bei der Befriedung Liberias nach dem blutigen Bürgerkrieg von 1989 bis 2003. "Männer hatten das Land regiert und brachten Krieg, Tod und Zerstörung", sagte Johnson Sirleaf in einem Interview. "Ich bin von den Frauen gewählt worden und danke für das Vertrauen."

Problemsektoren Rohstoff und Gesundheit

Über 600.000 Menschen verloren im Krieg mit Rebellen ihr Leben, Hunderttausende wurden vergewaltigt, verstümmelt und verkrüppelt. Sirleaf Johnson brachte Frieden, aber Korruption und der ungehinderte Zugang von Konzernen zu Land und Rohstoffen versperrten Wege aus der Armut für die ländliche Bevölkerung. Über die Hälfte der 4,7 Millionen Liberianer lebt unter der Armutsgrenze. Nicht nur die Händler von Diamanten, sondern insbesondere die Holzindustrie hatten den Bürgerkrieg finanziert.

Ellen Johnson Sirleaf
Ellen Johnson Sirleaf Quelle: reuters

Liberia trat 2009 einer Transparenzinitiative im Rohstoffsektor bei, um die Finanzströme offenzulegen. Dennoch beklagt die Initiative Global Witness "Hinterzimmer-Verträge und eine Verstrickung von Politikern bei der Vergabe von Abbaukonzessionen". Unter der Regierung Johnson Sirleaf seien 1,3 Millionen Hektar, etwa 14 Prozent der Gesamtfläche Liberias, an die Holz- und Palmölindustrie verpachtet worden. Sirleaf Johnson hatte Sicherheit und Frieden zur Priorität erklärt und bemühte sich um eine Erneuerung der staatlichen Institutionen. Die Vernachlässigung des Gesundheitssektors führte jedoch dazu, dass beim Ausbruch der Ebola-Krise 2014 nur ein Krankenhaus und rund 50 Ärzte für das ganze Land zur Verfügung standen. Fast 5.000 Menschen starben, die Epidemie legte die ganze Wirtschaft lahm.

Bringt Weah den Bürgerkrieg zurück?

Die Themen Korruption, Landrechte und wirtschaftliche Entwicklung dominieren den Wahlkampf. Unter den 20 Kandidaten, die im Oktober zur Wahl gestanden hatten, war nur eine Frau, Ex-Model Macdella Cooper. Als deutlich aussichtsreicher galten damals bereits fünf Männer. Ein politisches Schwergewicht ist Coopers Exfreund, die Fußballlegende George Weah, der es bereits 2011 in die Stichwahl schaffte. Doch mit Weah verbindet sich die Angst vor einem Wiedererstarken der Warlords, denn seine Vize-Kandidatin ist Jewel Howard Taylor - die Gattin des ehemaligen Rebellenchefs Charles Taylor, der wegen Kriegsverbrechen eine 50-jährige Haftstrafe in Großbritannien verbüßt. Weah musste zugeben, dass er mit dem Inhaftierten telefoniert hat.

Für die Rückkehr von Bürgerkriegsveteranen stand auch die Kandidatur von Senator Prince Yormie Johnson. Er erlangte traurige Berühmtheit durch ein Video, das ihn biertrinkend bei der Ermordung von Liberias Diktator Samuel Doe im September 1990 zeigt. Obwohl die Wahrheitskommission ihn auf die Liste der 50 Personen gesetzt hat, die von politischen Ämtern ausgeschlossen werden sollten, wurde er zugelassen. Yormie Johnson konnte sich jedoch im ersten Wahlgang nicht gegen Boakai und Weah durchsetzen.

Joseph Boakai
Joseph Boakai Quelle: reuters

Nüchtern klingen die Lebensläufe von den beiden Vertretern der Privatwirtschaft, die im Oktober ebenfalls zur Wahl angetreten waren. Der liberianische Coca-Cola-Direktor Alexander Cummings und der frühere Gouverneur der Zentralbank, Joseph Mills Jones, versprachen wirtschaftlichen Aufschwung, doch beide gingen in der Präsidentenwahl leer aus. Chancen hat dagegen immer noch Johnson Sirleafs Vizepräsident Joseph Boakai, ein Wirtschaftsmann mit Erfahrungen in Ministerien und bei der Weltbank. Der 72-Jährige wird als Garant für den Friedenspfad der jetzigen Regierung gehandelt und steht nun in der Stichwahl George Weah gegenüber. Seine Reputation leidet allerdings unter einer Sex-Video-Affäre in seiner Partei.

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