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Nach einem Jahr Haft - Yücel aus Türkei zurück - Gabriel: Kein Deal

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Die Erleichterung ist groß über seine Freilassung: Deniz Yücel ist wieder in Deutschland. Gegenleistungen Berlins an Ankara habe es nicht gegeben, so Außenminister Gabriel.

Nach mehr als einem Jahr Haft ohne Anklage wurde der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel freigelassen. Er ist zurück in Deutschland.

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Mehr als einem Jahr saß er in türkischer Haft - jetzt hat der "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel das Land verlassen. Ein Istanbuler Gericht hatte seine Freilassung angeordnet. Am Freitagabend landete er in Berlin. "Ich danke allen, die in dieser ganzen Zeit (...) an meiner Seite standen", sagte er in einem im Internet veröffentlichten Video. Es sei "ein interessanter Tag, ein denkwürdiger Tag". Er wisse bis heute nicht, warum er vor einem Jahr verhaftet und "als Geisel genommen" worden sei. Und er wisse auch nicht, warum er freigelassen wurde. Weder Festnahme noch Freilassung hätten aber etwas mit "Recht und Gesetz" zu tun. Trotz der Freude bleibe wegen anderer in der Türkei inhaftierter Journalisten "ein bitterer Nachgeschmack."

Die Bundesregierung reagierte erleichtert - eine Gegenleistung, die zur Freilassung führte, habe es aber nicht gegeben, hieß es: "Weder gab es saubere noch schmutzige Deals", sagte Außenminister Sigmar Gabriel im ZDF-"heute-journal". "Wir hatten weder die Möglichkeit noch war es vernünftig, irgendwelche Angebote zu machen." Auch habe die türkische Seite nicht danach gefragt.

Für die deutsche Seite sei das "eine Gerichtsentscheidung, über die wir froh sind", sagte Gabriel auf die Frage nach dem Motiv hinter der Freilassung. Er sprach von einem "guten Zeichen, dass Diplomatie und Gespräche doch Dinge bewegen können", fügte aber hinzu: "Keiner sagt, dass damit jetzt alles geklärt ist."

Merkel: Gespräche vielleicht nicht ohne Nutzen

Die Regierung setze sich seit Monaten für die Freilassung ein, so Gabriel. Erst am Donnerstag war der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim bei Kanzlerin Angela Merkel in Berlin gewesen. Welches Gespräch aber schließlich den Ausschlag für die Freilassung gegeben habe, lässt sich Merkel zufolge derzeit nicht sagen. "Es zeigt sich, dass Gespräche auch vielleicht nicht ohne Nutzen sind. Wie genau die Wirkungen sind, weiß man nicht."

Nach Worten Gabriels habe auch der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder geholfen, "Türen aufzumachen in Istanbul". Schröder sei zweimal dort gewesen. Wie NDR, WDR und die "Süddeutsche Zeitung" berichten, soll auch Geheimdiplomatie eine Rolle gespielt haben.

"Endlich!!! Endlich!!! Endlich!!!"

Der Journalist Yücel hatte sich am 14. Februar 2017 freiwillig der Justiz gestellt und war kurz darauf wegen Terrorvorwürfen in Untersuchungshaft genommen worden - bis zum Freitag ohne Anklageschrift. Anadolu zufolge nahm das Strafgericht in Istanbul nun die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft an. Diese fordere darin zwischen vier und 18 Jahren Haft wegen "Propaganda für eine Terrororganisation" und "Aufstachelung des Volkes zu Hass und Feindseligkeit", heißt es in dem Bericht.

Zugleich ordnete das Gericht demnach aber auch die Freilassung Yücels an. Ehefrau Dilek Mayatürk Yücel schloss den 44-Jährigen noch am Gefängnis in ihre Arme. Auf Twitter schrieb sie zuvor: "Endlich!!! Endlich!!! Endlich!!! Deniz ist frei!" Die beiden hatten im April 2017 im Gefängnis in Silivri westlich von Istanbul geheiratet.

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes sitzen noch fünf Deutsche aus politischen Gründen in der Türkei in Haft. Ihre Namen werden aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht mitgeteilt. Insgesamt sitzen nach Worten des türkischen Journalisten Can Dündar in der Türkei immer noch mehr als 100 Journalisten hinter Gittern. So wurden am Tag der Haftentlassung Yücels drei prominente türkische Journalisten wegen angeblicher Verbindungen zur Gülen-Bewegung zu lebenslanger Haft verurteilt.

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