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"Fördermitteltour" in Bochum - Wo das Geld aus Brüssel landet

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Wahlkampf bei Europawahlen heißt auch immer ein bisschen werben für Europa selbst. Ein EU-Politiker zeigt auf seiner "Fördermitteltour", was durch EU-Mittel in Bochum bewegt wird.

Anneliese Brost Musikforum Ruhr in der Dämmerung
Anneliese Brost Musikforum Ruhr: Der Veranstaltungsort in Bochum wird auch durch EU-Fördermittel finanziert.
Quelle: imago

Europäische Union - was habe ich in Bochum davon? Mit dieser Frage lädt der EU-Abgeordnete Dennis Radtke (CDU) zu einer "Fördermitteltour" - einer Busfahrt zu Projekten in der Ruhrstadt. Denn die EU ist näher als viele denken: Insgesamt rund ein Drittel des EU-Haushaltes kommt den Regionen und Städten zugute. "Was macht Ihr denn da mit dem Geld, das versickert doch alles - das höre ich als EU-Politiker natürlich oft", sagt Radtke. Und deshalb will er an diesem Morgen zeigen, wo das Geld vor Ort steckt. Allein Bochum hat mehr als 70 Millionen Euro in den vergangenen Jahren aus EU-Mitteln erhalten. "Diese Informationen kommen gar nicht an den Bürger ran. Ich habe aber in Griechenland Autobahnstücke gesehen, die ohne Sinn und Zweck gebaut wurden", sagt Brigitte Müller. Sie gehört zu den 40 Bochumern, die sich auf Radtkes Zeitungsaufruf gemeldet haben und jetzt erfahren wollen, wo die EU-Fördermittel in der eigenen Stadt landen. Vom Treffpunkt am Rathaus startet der Bus zum ehemaligen Opel-Gelände.

Heute ist hier ein Qualifizierungszentrum für Zugewanderte. Fast 300 Menschen werden gerade fit für den Arbeitsmarkt gemacht. Das Besondere dabei: Praktische Arbeit und Sprachunterricht wechseln sich ab. Während in der großen Halle Yousef und Sipan hämmern und lackieren, lernen im Klassenraum nebenan Ngwed und Malgorzata Deutsch. "Das wäre ohne die EU-Förderung nicht möglich", erklärt der Geschäftsführer des Qualifizierungszentrums, Peter Lübbert. Zwei Millionen Euro fließen aus dem Europäischen Sozialfonds in den Sprachunterricht, denn Arbeitsagenturen und Jobcenter dürfen nur berufliche Bildung, also die praktische Arbeit, fördern. Nur ist praktische Arbeit ohne Sprachkenntnisse kaum möglich.

Konzerthaus profitiert von EU-Fördermitteln

Vor Brigitte Müller und den anderen Teilnehmern der "Fördermitteltour" stehen inzwischen fein belegte Häppchen, alles aus der Übungsküche des Qualifizierungszentrums. Die Arbeit im Zentrum beeindruckt: "Ich muss mich wundern, wie viel Europa investiert, auch in Deutschland investiert", sagt Manfred Hartmann und auch sein Nachbar Walter Kolbe ist erstaunt: "Das war ja für mich dermaßen neu, das Zentrum hier." So geht es den meisten Teilnehmern. Sie bekommen jetzt noch gebackene Kekse in die Hand gedrückt, bevor sie zur nächsten Station aufbrechen: dem Anneliese Brost Musikforum Ruhr.

Das neue Konzerthaus mit der umgebauten Kirche kennen alle. Aber kaum jemand weiß, dass dieser prominente Veranstaltungsort in Bochum auch durch EU-Fördermittel finanziert wird. "Das Geld gibt es nur, wenn wir das Haus anderen Kooperationspartnern, wie der Musikschule, öffnen", erläutert Betriebsdirektor Thomas Kipp. Grade erst habe er einen Bericht geschrieben, wie das Geld verwendet werde. Solche Nachweise verlange die Europäische Union nämlich regelmäßig - "irgendwo versickern" klingt anders.

EU-Mittel fließen in sehr unterschiedliche Projekte, das zeigt die "Fördermitteltour": Es kann sehr praktisch sein wie im Qualifizierungszentrum oder hochkulturell wie im Musikforum. "Das ist ja für mich ganz neu gewesen, dass überhaupt Fördermittel nach Bochum kommen", resümiert Teilnehmerin Brigitte Müller: "Und dass etwas wirklich Handfestes damit gemacht wird, das war für mich wichtig heute." Zum Abschluss geht es gemeinsam ins Brauhaus zum Essen, auch das ist irgendwie EU-gefördert oder genauer: von Dennis Radtkes Fraktion im EU-Parlament bezahlt. Für Christoph Schmidt auch ein Anreiz zur Teilnahme an der Fördertour: "Ich bin Student und dann gibt es auch noch das Gratis-Mittagessen."

Für viele Deutsche hat die Europawahl im Mai nur wenig Bedeutung. Mehr als die Hälfte der Befragten im ZDF-Politbarometer gaben an, sie seien daran wenig oder gar nicht interessiert.

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