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Noch viel Aufklärungsbedarf - So denkt Deutschland über Depression

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Dass eine Depression eine psychische Erkrankung ist, wird in der Gesellschaft zunehmend anerkannt. Dennoch: Missverständnisse rund um die Depression sind noch weit verbreitet.

Mehr als fünf Millionen Deutsche erkranken jährlich an Depressionen. Die Krankheit wird jedoch oftmals falsch beurteilt, wie eine neue Studie der Stiftung Deutsche Depressionshilfe zeigt.

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Kann eine Reise gegen Depressionen helfen? Sollten Erkrankte lieber mit guten Freunden oder mit einem Therapeuten reden? Und machen Antidepressiva eigentlich süchtig? Mit dem Deutschlandbarometer Depression haben die Stiftungen Deutsche Depressionshilfe und Deutsche Bahn nach eigenen Angaben zum ersten Mal erforscht, wie Depression von Laien und Betroffenen wahrgenommen wird.

Laien wissen zu wenig über die Ursachen

Die gute Nachricht: Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Bewusstsein für Depression als psychische Erkrankung in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist. Fast 37 Prozent der Befragten geben an, dass bei einem Angehörigen oder einem Bekannten schon einmal eine Depression diagnostiziert worden ist. Dass zudem 22,9 Prozent der Befragten erklären, bei ihnen selbst sei die Erkrankung schon einmal festgestellt worden, hält Claus Normann allerdings für etwas übertrieben. "Hier spielt sicher mit rein, dass Burnout und Depression mitunter gleichgesetzt werden, doch bei vielen Burnouts werden die Diagnose-Richtlinien für eine Depression nicht erfüllt", sagt der Leiter der Sektion Psychopharmakotherapie an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Freiburg. Wissenschaftlichen Daten zufolge erleben rund zehn Prozent der Männer und 15 Prozent der Frauen im Laufe ihres Lebens einmal eine depressive Episode. Die gegenüber diesen Zahlen erhöhten Angaben im Deutschlandbarometer Depression sind allerdings kein Grund zur Sorge, sondern Normann zufolge ein Zeichen dafür, dass es in den Köpfen der Menschen akzeptierter ist, dass es sich auch um eine Depression handeln könnte.

Lediglich 66,3 Prozent der Bevölkerung und 85 Prozent der Betroffenen sehen eine Stoffwechselstörung im Gehirn als mögliche Ursache für eine Depression. Der Großteil der Befragten sieht belastende Lebensereignisse wie Schicksalsschläge und Probleme mit Mitmenschen oder am Arbeitsplatz als häufigsten Auslöser für eine Depression. Die Wissenschaft hingegen orientiert sich am sogenannten Vulnerabilitäts-Stress-Modell. "Wir gehen davon aus, dass es - vielleicht genetisch bedingt - eine gewisse Empfänglichkeit für Depressionen gibt", sagt Normann. Heißt: Wenn zwei Menschen die gleichen Schicksalsschläge und Belastungen erleben, kann es sein, dass einer von ihnen an einer Depression erkrankt, der andere aber nicht. Wieso das so ist, können Wissenschaftler derzeit nicht abschließend erklären. Klar ist, dass aus dem Gleichgewicht geratene biochemische Prozesse im Gehirn offenbar eine wichtige Rolle spielen.

Urlaub und Sport helfen Depressiven nur selten

Viel Aufklärungsbedarf herrscht offenbar noch bei der Behandlung von Depressionen. Während einerseits fast alle der Befragten - sowohl bei den Laien als auch bei den Betroffenen - wissen, dass die Hilfe durch einen Arzt und Psychotherapeuten sinnvoll ist, werden einige Möglichkeiten als Therapie überschätzt. "Die von vielen angegebene Lichttherapie zum Beispiel kann nur in sehr seltenen Fällen helfen, wenn es sich um eine jahreszeitbedingte Depression handelt, die einige Menschen immer gegen Ende des Herbstes bekommen", erklärt Claus Normann.

Auch Ratschläge wie in den Urlaub zu fahren oder mehr Sport zu treiben werden nach wie vor gern gegeben, nutzen Depressiven aber nur bedingt. Der Kontrast des eigenen Lebens zu dem von glücklichen Urlaubern kann auf einer Reise die Depression sogar verschlimmern. Sport hilft eher präventiv, indem er Stress reduziert - ein Faktor, der bei einigen Menschen das Entstehen einer Depression mit begünstigen kann.

Große Skepsis herrscht dem Deutschlandbarometer Depression zufolge nach wie vor gegenüber Antidepressiva, also den Mitteln, die zur medikamentösen Therapie von Depressionen angewandt werden. Fast 80 Prozent der befragten Laien glauben, die Medikamente machen abhängig oder süchtig. Mehr als 70 Prozent gehen davon aus, dass sie den Charakter verändern.

Online-Angebote ersetzen keinen Therapeuten

Eine medikamentöse Therapie in Kombination mit einer Psychotherapie gilt zurzeit als vielversprechendste Behandlung bei Depressionen. Doch in vielen Gegenden Deutschlands wartet man mehrere Monate auf einen Termin beim Therapeuten. Auch um diese Zeit zu überbrücken, sind inzwischen einige Online-Hilfsangebote für Depressive verfügbar. Diese werden von einem Großteil der Befragten als zu unpersönlich bewertet, viele haben Bedenken bezüglich des Datenschutzes. Von den Betroffenen sehen immerhin knapp 60 Prozent eine hilfreiche Unterstützung darin. "Einen echten Therapeuten können diese Angebote keinesfalls ersetzen", sagt Normann.

Weiteres zum Thema auf der Seite der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

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