Sie sind hier:

Der Elektropakt - Volkswagen und Ford schmieden Allianz

Datum:

Volkswagen drückt aufs Gas bei der E-Mobilität. Aber: Mitfahrer gesucht! Nun unterschrieben Ford und der deutsche Autobauer einen Vertrag, von dem sich beide Vorteile erhoffen.

Jim Hackett (l.) und Herbert Diess
Ford-Vorstandschef Jim Hackett (l.) und VW-Vorstandschef Herbert Diess bei der Autoshow in Detroit im Januar 2019.
Quelle: dpa

Die Herausforderungen in der Autobranche sind so groß, dass sich offenbar selbst der größte Autobauer Europas, Volkswagen, zu klein fühlt und nach Mitstreitern sucht, um die E-Mobilität nach vorn zu bringen und so die Klimaziele zu erreichen. Denn 2021, wenn die verschärften CO2-Abgasregeln in der EU greifen, drohen teure Strafzahlungen. Ein Druck, unter dem auch der Ford-Konzern steht, der zuletzt in Europa Verluste eingefahren hat. Die beiden Autoriesen kooperieren bereits bei leichten Nutzfahrzeugen und Pick-ups, um Hunderte Millionen Euro in der Entwicklung zu sparen. Jetzt wird die Zusammenarbeit noch enger. Gut ein Jahr lang hatten beide Autobauer verhandelt. Nun steht die Allianz.

Ford springt auf die deutsche Elektro-Plattform auf

Kern der deutsch-amerikanischen Zusammenarbeit: Die beiden Konzerne wollen ihre Kräfte bei der Entwicklung von Elektroantrieben und beim autonomen Fahren bündeln. Beides sind Zukunftstechnologien, die enorme Investitionen erfordern und bei denen unsicher ist, ob und wann sie sich amortisieren. Volkswagen hatte im Herbst vergangenen Jahres eine "Elektrooffensive" angekündigt, prescht in puncto E-Mobilität als erster deutscher Autobauer konsequent voran, will in den nächsten fünf Jahren mehr als 30 Milliarden Euro in die Entwicklung von E-Fahrzeugen stecken und gleich 70 neue Modelle auf den Markt bringen. Nun springt Ford auf und übernimmt die Elektro-Plattform.

VW-Chef Herbert Diess hatte seine Bereitschaft, Ford und anderen Herstellern einen lizensierten Zugang zu seiner Elektro-Plattform zu bieten, immer betont, denn die so zu erzielenden größeren Stückzahlen senken für das Unternehmen die Kosten pro Fahrzeug. Der Konzernchef ist offenbar der Überzeugung, dass Elektroautos sich künftig durch ihren Antrieb nicht groß unterscheiden werden, sondern die Kunden sich bei ihrer Kaufentscheidung vielmehr von Design oder Software leiten lassen. Dementsprechend hat Volkswagen keine Probleme damit, der Konkurrenz die gleiche Antriebsbasis anzubieten.

So werden die neuen Modelle geplant

Alle neuen Modelle basieren auf dem seit 2015 im Konzern entwickelten "Modularen E-Antriebs-Baukasten" (MEB), einem speziellen Baukastensystem, das die Herstellung von E-Autos effizienter und kostengünstiger machen soll. Das erste auf Basis dieser Elektroplattform produzierten Modelle, der "ID", läuft Ende des Jahres vom Band.

Nach dem Dieselskandal will sich Volkswagen mit dem "ID" und den nachfolgenden Modellen eine neue, saubere Identität verpassen. Eine komplette Transformation des Konzerns Richtung CO2-neutralem Unternehmen sei gar das Ziel, so Maik Stephan, Leiter Geschäftsfeldentwicklung bei Volkswagen. Das aber gehe nur über die vollständige Elektrifizierung. Und die kostet.

Kooperation auch beim autonomen Fahren

Im Gegenzug für den Antriebs-Baukasten profitiert Volkswagen neben der Kostensenkung vom Know-How des Ford-Konzerns beim autonomen Fahren. Schon vor der offiziellen Bekanntgabe des Deals auf der gemeinsamen Pressekonferenz in New York sickerte durch, dass Volkswagen sich an der Ford-Tochter Argo AI beteiligen wird, die Systeme für Roboterautos entwickelt.

Insgesamt 2,6 Milliarden US-Dollar investiert Volkswagen in das Unternehmen, in das der Konzern auch die eigene Tochtergesellschaft Autonomous Intelligent Driving (AID) einbringt. Deren jetziger Sitz in München wird in Zukunft zur europäischen Argo-Dependance. Damit haben sowohl Ford als auch Volkswagen Zugriff auf Technologien, die Grundlage für die Entwicklung und Serienfertigung autonomer Fahrzeuge sind.

Das Zusammengehen der beiden großen Automobilkonzerne bewerten Automobilexperten wie Stefan Bratzel, Professor am Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch-Gladbach, als Signal an die gesamte Branche. Volkswagen und Ford könnten so gemeinsam Standards setzen.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.