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So beutet der Mensch die Erde aus - Fünf Monate lang leben auf Ökopump

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Die Menschheit verbraucht Ressourcen, als hätte sie 1,7 Erden zur Verfügung. Hat sie aber nicht, und deswegen gibt es den "Earth Overshoot Day" - jedes Jahr etwas früher.

Traktor bei Feldarbeit
Die industrielle Landwirtschaft gilt als einer der Hauptfaktoren für die Ausbeutung der Erde. Quelle: dpa

"Erdüberlastungstag" könnte man den "Earth Overshoot Day" etwas sperrig übersetzen. 2018 markiert der 1. August den Zeitpunkt, ab dem die Menschheit alle natürlichen Ressourcen verbraucht hat, die die Erde innerhalb eines Jahres erzeugen kann. Die verbleibenden fünf Monate leben die Menschen sozusagen auf Ökopump.

Wann der "Earth Overshoot Day" ist, wird Jahr für Jahr vom Global Footprint Network ausgerechnet. Das ist eine amerikanische Umweltorganisation, die 2003 gegründet wurde. Sie kalkuliert jedes Jahr das Datum, an dem rein rechnerisch die Jahresressourcen der Welt aufgebraucht sind. Dieser Tag schiebt sich immer weiter nach vorne. Vergangenes Jahr war es noch der 2. August; vor 20 Jahren lag dieser Tag im Oktober.

Um den Ressourcenbedarf nachhaltig zu decken, also so, dass auch noch nachfolgende Generationen gut auf ihr leben könnten, bräuchte die Weltbevölkerung rein rechnerisch derzeit 1,7 Planeten. Nimmt man nur die Industrieländer, wären es noch mehr. Würden alle Länder so haushalten wie Deutschland, wären drei Erden nötig. Bei einer Lebensweise wie in China bräuchte die Weltbevölkerung 2,2 Erden. Und würden weltweit alle Menschen so leben wie in den USA, benötigten sie fünf Erden.

Umweltverbände fordern Umlenken

Deshalb rufen die Umwelt- und Entwicklungsorganisationen dazu auf, mehr für den Klima- und Umweltschutz zu tun. Einer der Hauptverursacher der Erdüberlastung sei die industrielle Landwirtschaft, erklärt das entwicklungspolitische Netzwerk INCOTA. Der Agrarsektor, aber auch die Bereiche Energie und Verkehr müssten ihrer Verantwortung gerecht werden und endlich zukunftsfähig wirtschaften.

Gerade die Bereiche Strom, Wärme und Verkehr spielen nach Auffassung der Umweltorganisation Germanwatch eine gewichtige Rolle. Deutschland gehöre zum obersten Viertel aller Länder mit einer enorm großen Erdüberlastung, sagt Julia Otten von Germanwatch.

Industrielle Landwirtschaft belastet Umwelt

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) fordert eine ressourcenschonendere Industriepolitik. "Wir brauchen bessere politische Anreize für Industrie und Bevölkerung, um natürliche Rohstoffe zu schonen und Müll zu vermeiden", so BUND-Chef Hubert Weiger. Dazu gehörten Mehrweg und Recycling, besonders für Plastik.

Im Hinblick auf den CO2-Ausstoß wären der Ausstieg aus der Kohle noch vor 2030 und eine Wende in der Verkehrs- und Agrarpolitik essentiell. Gerade bei der industriellen Landwirtschaft sieht Weiger dringenden Handlungsbedarf. "Durch die industrielle Landwirtschaft fallen enorme Mengen an Gülle an, die das Grundwasser, Flüsse, Seen und Meere mit Nitrat und die Atmosphäre mit Ammoniak belasten."

Größtes Artensterben seit dem Verschwinden der Dinos

Jörg-Andreas Krüger vom WWF Deutschland hält die Entwicklung des immer höher werdenden Ressourcenverbrauchs für gefährlich, da dies jetzt schon seit mehr als drei Jahrzehnten ungebremst anhalte. Die Folgen seien schon weltweit spürbar durch den Klimawandel und das größte Artensterben seit dem Verschwinden der Dinosauriers. Schon aus purem Eigennutz müsse sich Deutschland an die Spitze einer weltweiten Ökobewegung stellen.

Dies zeige nicht zuletzt dieser Dürresommer oder die seit Jahren zu trockenen Frühjahre, unter denen die Landwirtschaft und Ökosysteme gleichermaßen leiden würden, so Krüger. Im Hinblick auf eine Neuausrichtung der Landwirtschaftspolitik müssten daher Agrarsubventionen klarer an Umweltkriterien geknüpft werden, anstatt damit die Übernutzung unserer Umwelt zu fördern.

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