Sie sind hier:

Dresdener Erklärung vorgestellt - Die AfD und die Umwelt - ein überdehnter Spagat

Datum:

In ihrem Positionspapier zur Umweltpolitik leugnet die AfD weiterhin den menschengemachten Klimawandel, stellt aber auch Forderungen nach mehr Umweltschutz. Wie passt das zusammen?

Logo der AfD mit Rissen und Verkehrsschild
Die AfD positioniert sich umweltpolitisch - dabei versucht die Partei, zwei widersprüchliche Positionen zu vereinbaren.
Quelle: imago

Für die AfD ist es ein extremer Spagat: Während die Partei immer konsequent den menschengemachten Klimawandel geleugnet und die Energiewende kritisiert hat, gilt es nun sich umweltpolitisch auszurichten. In Berlin stellten der umweltpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, Karsten Hilse, und der Berliner AfD-Fraktion, Frank Scholtysek, die "Dresdener Erklärung" vor. Ein umweltpolitisches Papier, das sich vor allem gegen eins positioniert - den menschengemachten Klimawandel.

AfD lehnt wissenschaftliche Studien weiterhin ab

Wer mit einer grüneren Ausrichtung der Partei geliebäugelt hat, wurde enttäuscht. Das Klima habe sich schon immer gewandelt, ein unverhältnismäßig starker Temperaturanstieg sei nicht zu beobachten. "Das ist natürlich Quatsch, der menschengemachte Klimawandel ist natürlich zu erkennen", ordnet Klimaforscher Mojib Latif die Aussagen in dem Positionspapier ein. Belegt wird seine Aussage durch eine erst kürzlich erschienene Studie von Wissenschaftlern in Bern. Sie besagt, dass der derzeitige Klimawandel sich von den bisherigen Veränderungen deutlich unterscheidet. Nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler gab es solche Heiß- oder Kaltzeiten nie auf der ganzen Welt gleichzeitig.

Schon im Europawahlkampf hatte AfD-Spitzenkandidat Jörg Meuthen behauptet, dass zwei Drittel der Studien zu keinem eindeutigen Ergebnis kommen - obwohl deren Gegenstand gar nicht die Ursache des Klimawandels war. Die Abhandlungen, die tatsächlich eine Aussage darüber treffen, wer für den Klimawandel verantwortlich ist, erklären mit einer großen Mehrheit (97,1 Prozent), den Menschen als Hauptverursacher des derzeitigen Temperaturanstiegs. Dies zeigte ein ZDFcheck im Mai.

Die AfD und das Warten auf die Zeitmaschine

Auch die im Positionspapier getätigte Aussage, dass vermehrter CO2-Ausstoß nicht erwiesenermaßen zu einer Veränderung des Klimas beitrage, will Latif so nicht stehen lassen. Schon vor 30 Jahren habe es Computersimulationen gegeben, die genau das vorhergesagt hätten, was jetzt eingetroffen ist. Wenn es überhaupt einen Beweis in der Wissenschaft gebe, dann sei dieser erbracht.

Die AfD nimmt – im Vergleich zu den übrigen Parteien – die aktuelle Klimapolitik aufs Korn: Diese schade dem Wohlstand der Bevölkerung, heißt es in der „Dresdner Erklärung“.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Um hundertprozentige Sicherheit zu bekommen, brauche man eine Zeitmaschine. "Sie würden zurückreisen in die vorindustrielle Zeit, die Weltentwicklung noch einmal starten", erklärt Latif. "Dann hätten sie zwei Weltentwicklungen und könnten vergleichen, welchen Anteil der Mensch an der Erderwärmung hat." Bis man technologisch so weit sei, müsse man mit dem bisher bestmöglichen Beweis leben - der AfD reicht dieser nicht aus.

AfD sieht in Windparks Gefahr für die Umwelt

So beharrt die AfD weiterhin auf ihren Positionen und betitelt Maßnahmen der Energiewende als schädlich für die Umwelt. Beispielsweise soll der Bau von Windparks und Photovoltaik-Anlagen gestoppt werden, da diese Eingriffe ins Ökosystem und eine Belastung für die Natur seien. "Es gibt natürlich keinen menschlichen Eingriff, der absolut sauber ist", konstatiert Latif. "Aber was wollen Sie lieber - ein Atomkraftwerk oder einen Windpark? Diese Abwägung muss man immer treffen."

Trotzdem befinden sich auch umweltpolitische Maßnahmen im Papier der AfD. So sollen Meeresschutzgebiete entstehen, mit Ackerland sorgsam umgegangen und Plastikmüll reduziert werden. "Das sind natürlich viele Binsenweisheiten, die man unterschreiben kann", ordnet Latif die Forderungen der Partei ein. "Sie verstehen jedoch nicht, dass der Klimawandel, den sie leugnen, die Dinge gefährdet, die sie schützen wollen." In ihrer Logik sei es schlüssig, dass man die Umwelt vor Eingriffen bewahren müsse. Atomkraft- und Braunkohlekraftwerke scheinen darunter nicht zu fallen.

So wagt die AfD am Ende den Versuch, sich einen umweltpolitischen Anstrich zu geben ohne ihre klassischen Positionen zu verlassen: ein bisschen das grüne Gewissen der Wähler beruhigen, ohne Jobs im Braunkohlesektor aufs Spiel zu setzen und anderen Parteien gegenüber eine Fehleinschätzung einzugestehen. Ein ambitionierter Spagat, überdehnt durch die Fakten.

Das fordert die AfD in ihrem Positionspapier zur Umweltpolitik:

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.