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Offensive gegen den IS - Der lange Kampf zur Rückeroberung Mossuls

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Über ein halbes Jahr dauerte die Großoffensive der irakischen Streitkräfte, nun scheint das Ziel erreicht. Die Stadt Mossul ist laut irakischer Regierung zurückerobert. Mehr als drei Jahre lang kontrollierte die Terrormiliz IS die einstige Millionenstadt - eine Chronik der Rückeroberung.

Im irakischen Mossul wird die Befreiung der Stadt vom so genannten Islamischen Staat gefeiert. In der einstigen IS-Hochburg wurden nach Angaben der irakischen Armee alle Widerstandsnester ausgehoben.

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Die Terrormiliz Islamischer Staat eroberte die zweitgrößte irakische Stadt Mossul im Juni 2014, und sie wurde zu einer ihrer wichtigsten Hochburgen. Ihr Anführer Abu Bakr al-Baghdadi trat dort zum ersten und einzigen Mal öffentlich auf und verkündete in der Al-Nuri-Moschee die Gründung eines IS-Kalifats im Irak und in Syrien.

Als die Extremisten in die Stadt kamen, flüchteten die ersten Bewohner: Stoßstange an Stoßstange reihten sich die Autos am Kontrollposten Chaser in Richtung Erbil. Ziel der Menschen war die autonome Kurdenregion des Iraks. In den kommenden drei Jahren flohen Hunderttausende weitere Zivilisten aus Mossul.

Erste Offensive im August 2014

Doch irakische Sicherheitskräfte begannen bald mit dem Kampf gegen den IS. Bereits im August 2014 eroberten kurdische Peschmerga-Kämpfer den Mossul-Staudamm zurück. Es war der erste größere Sieg über die Extremisten seit Beginn der US-geführten Luftangriffe zu Beginn jenes Monats. Weil der Damm nicht ausreichend gewartet wird, bestehen jedoch noch immer Bedenken über seine Sicherheit.

Im Januar 2015 gab der kurdische regionale Sicherheitsrat eine neue Offensive seiner Kämpfer in Gebieten nahe dem Mossul-Damm bekannt. Den Peschmerga gelang es, die Kontrolle über einige wichtige IS-Nachschubrouten zu erlangen, zu einer größeren Offensive zur Rückeroberung Mossuls kam es jedoch nicht.

IS dokumentiert Zerstörung von Kulturgütern

In der Zwischenzeit zerstörte der IS wie auch andernorts in Mossul zahlreiche antike Objekte. Die Extremisten dokumentierten ihr brachiales Vorgehen, indem sie filmten, wie sie in einem Museum der Stadt mit Vorschlaghämmern Statuen zertrümmerten. Kleinere Gegenstände wie Figuren und Masken wurden vermutlich in die Türkei geschmuggelt, wo sie dann auf dem Schwarzmarkt für Antiquitäten landeten.

Im Oktober 2016 wurde eine groß angelegte Operation zur Rückeroberung Mossuls gestartet. Kurdische und schiitische Milizen sowie irakische Regierungstruppen rückten aus verschiedenen Himmelsrichtungen auf Mossul vor. Im Januar dieses Jahres gab die irakische Regierung die Befreiung des Ostens der Stadt vom IS bekannt.

West-Mossul blieb unter Kontrolle des IS

Doch der Westen der vom Tigris geteilten Stadt blieb zunächst unter der Kontrolle der Terrormiliz. Im Osten kehrten die ersten geflüchteten Bewohner zurück und begannen, die in drei Jahren IS-Besatzung und während der Kämpfe in den Vormonaten entstandenen Schäden zu reparieren.

Im Februar rückten irakische Soldaten dann auch auf den Westteil Mossuls vor. Spezialtruppen drangen dort ein und bekämpften die Extremisten aus nächster Nähe. Im Juni zerstörte der IS die Al-Nuri-Moschee und deren berühmtes schiefes Minarett Al-Hadba, als die irakischen Truppen zunehmend näher rückten. Zuletzt wurden die letzten IS-Mitglieder in ein kleines Gebiet in der engen und dicht besiedelten Altstadt zurückgedrängt, wo sie sich verschanzten.

IS missbraucht Zivilisten als Schutzschilde

Immer wieder kam es zu Gegenangriffen des IS, der den Vormarsch der irakischen Truppen aufhielt. Dabei missbrauchte der IS Zivilisten als menschliche Schutzschilde und verübte Selbstmordattentate. Menschenrechtler werfen den irakischen Streitkräften und dem von den USA angeführten Militärbündnis vor, bei ihren Luftangriffen auf die Altstadt viel zu wenig Rücksicht auf die dort noch lebenden Menschen genommen zu haben.

Am (heutigen) 9. Juli standen die irakischen Streitkräfte unmittelbar vor der kompletten Rückeroberung Mossuls. Spezialeinheiten der Armee kämpften noch gegen die letzten verschanzten Kämpfer des IS, die Bundespolizei und die 9. Division der irakischen Armee verkündeten hingegen bereits, dass sie in den ihnen zugeteilten Sektoren den IS besiegt hätten. Ministerpräsident Haidar al-Abadi verkündete laut einem Bericht des irakischen Fernsehens, nach mehr als achtmonatiger Offensive den Sieg über den IS in Mossul.

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