ZDFheute

Der lange Weg zur sauberen Luftfahrt

Sie sind hier:

Nationale Luftfahrtkonferenz - Der lange Weg zur sauberen Luftfahrt

Datum:

Immer mehr Menschen machen sich Gedanken um unser Klima. Besonders schädlich sind Flugreisen. Wie kann sie aussehen, die Zukunft des sauberen Flugverkehrs?

Flugzeuge sind schädlich für das Klima. Das haben sie mit allen Fortbewegungsmitteln, die fossile Brennstoffe zum Antrieb nutzen, gemein. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) verweist gerne darauf, dass die gesamte internationale Luftfahrt gerade mal 2,8 Prozent zu den weltweiten CO2-Emissionen beiträgt. Das klingt zunächst einmal gar nicht so viel. Ein Vergleich relativiert das Ganze aber schnell. Der Anteil Deutschlands an den weltweiten Emissionen beträgt auch weniger als 3 Prozent. Das heißt die Luftfahrt ist so klimaschädlich wie ganz Deutschland. Und die Bundesrepublik steht in der Klimasünder-Liste an sechster Stelle, hinter weit größeren Nationen wie China, den USA, Indien, Russland und Japan.

Im direkten Vergleich mit anderen Transportmitteln schneiden Flugzeuge besonders schlecht ab. Laut Angaben des Umweltbundesamtes stoßen Flieger 201 Gramm Treibhausgase pro Personenkilometer aus. Bei Pkw sind es 139 g/Pkm, bei Linienbussen 75 und bei der Bahn im Fernverkehr nur noch 36 g/Pkm. Dazu kommt noch, dass Flugzeuge die Abgase nicht am Boden, sondern in rund 10.000 Metern Höhe in die Umgebung blasen. "Dadurch entstehen noch andere Effekte, nämlich Wolkenbildung, es wird Ruß emittiert, es kommt zum Ozonaufbau und -abbau. Der Nettoeffekt ist das zwei- bis vierfache von dem, was das CO2 allein ausmacht", sagt Jakob Graichen, Experte für Energie und Klimaschutz beim Ökoinstitut. Es besteht also Handlungsbedarf.

Wie soll die Luftfahrt klimaneutral wachsen?

Weil der Platz am Klimapranger nicht sonderlich schön ist, hat sich die internationale Luftfahrt in einer Selbstverpflichtung Ziele auferlegt. Bis 2050 sollen die CO2-Emissionen um 50 Prozent gegenüber dem Jahr 2005 gesenkt werden. Ab 2020 soll die Luftfahrt zudem klimaneutral wachsen. Und das bei einem erwarteten weiterhin starken Wachstums der Branche. Eine Zunahme des Flugverkehrs von rund 150 Prozent bis 2050 sagen Experten voraus. Viel mehr Flüge, gleichzeitig deutlich weniger schädliche Emissionen. Wie soll das gehen?

Beim Automobil setzt man vor allem auf Elektroantriebe. Auf Passagierjets mit 200 und mehr Reisenden an Bord lässt sich das nicht übertragen. Vielleicht werden in absehbarer Zeit mal Kleinflugzeuge auf kurzen Strecken elektrisch fliegen, für die großen Maschinen sind elektrische Antriebe ferne Zukunftsmusik. Um 500 Tonnen in die Luft zu bekommen, braucht es energiereichen Treibstoff. Neue Triebwerke verbrauchen davon immer weniger, bei deutschen Fluggesellschaften im Schnitt 3,58 Liter pro 100 Personenkilometer. 1990 waren es noch 6,3 Liter. Doch die technischen Fortschritte in diesem Bereich sind begrenzt. Flugzeuge sind außerdem eine gewaltige Investition, sie müssen oft Jahrzehnte fliegen, bevor sie ausgetauscht werden.

Hoffnungsträger: synthetischer Treibstoff

Hoffnung macht synthetischer Treibstoff. Er kann als Ethanol aus Biomasse gewonnen werden oder aus dem unbegrenzt verfügbaren Wasserstoff. Biosprit kennt jeder Autofahrer von der Tankstelle. Er wird aus Pflanzen hergestellt und herkömmlichen Kraftstoffen beigemischt. Problem hierbei: es gibt nicht genug Anbauflächen auf der Welt, um den Energiebedarf aus Pflanzen zu decken. Und Nahrungsmittel für Sprit anzubauen, während Millionen Menschen auf der Welt hungern, ist ethisch nicht zu rechtfertigen. Power-to-Liquid heißt die Zauberformel, die das Fliegen klimaneutral machen soll. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, dass im Grunde jeder schon aus der Schule kennt, die Elektrolyse. Dabei wird unter hohem Energieaufwand Wasserstoff aus Wasser herausgelöst. Dieser kann dann mit CO2, das der Atmosphäre entzogen wurde, zu Treibstoff weiterverarbeitet werden, wahlweise zu Gas, Diesel, Benzin oder eben Kerosin. Wird dieser Kraftstoff verbrannt, geschieht das klimaneutral, denn das CO2 wurde ja vorher der Umgebung entzogen. Es entsteht also kein zusätzliches CO2. Im Labor funktioniert das längst, erste Testanlagen stehen. Jetzt soll auch die Großproduktion Fahrt aufnehmen.

In Hemmingstedt in Schleswig-Holstein steht die Raffinerie Heide. Hier plant man gerade die erste Pilotanlage, die 2023 starten soll. Fünf Prozent des Kerosinbedarfs am Hamburger Flughafen soll die Anlage abdecken. Zwei Probleme sind dabei zu lösen. Es bedarf sehr viel sauberer Energie für die Elektrolyse, und die Kosten müssen runter. Bisher kostet ein Liter synthetisches Kerosin etwa 3,50 Euro. Der aktuelle Marktpreis für konventionelles Kerosin beträgt lediglich rund 0,45 Euro pro Liter. Das kann sich keine Fluggesellschaft im harten Wettbewerb leisten. Bis synthetisches Kerosin in großen Mengen und zu wettbewerbsfähigen Preisen angeboten werden kann, werden Jahre vergehen.

Die Zukunft der sauberen Luftfahrt

Der Weg zu einer sauberen Luftfahrt ist also noch lang. Grundsätzlich gilt aber, auf Fliegerei kann eine moderne Industrienation nicht verzichten, das wäre naiv. Politik und Gesellschaft müssen den Druck auf die Industrie hochhalten, nur dann wird es nennenswerte Fortschritte geben. Und es muss weltweite Lösungen geben, nationale Alleingänge schaden den heimischen Anbietern und helfen der Umwelt nur wenig.

Klar ist aber auch: Jeder einzelne ist gefragt. Über diverse Anbieter lassen sich die Klimafolgen kompensieren, indem Reisende für Klimaschutzprojekte spenden. Neuerdings kann man auch den Mehrpreis für nachhaltiges Kerosin zahlen. Die Lufthansa bietet diese Möglichkeit an. Für das Geld wird dann CO2-neutraler Treibstoff gekauft und eingesetzt. Am meisten geholfen wäre dem Klima natürlich, wenn es weniger Flüge geben würde. Nur weil es obszön günstige Ticketangebote von ein paar Euro gibt, heißt es noch lange nicht, dass wir zugreifen müssen, um zum Beispiel einen Wochenendtrip in eine europäische Metropole zu starten. Verzicht gehört zum Klimaschutz dazu, so viel Ehrlichkeit muss sein. Wer immer nur bei Politik und Wirtschaft die Schuld sucht, macht es sich zu einfach.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.