Sie sind hier:

Super Mario Odyssey - Der letzte der Hüpfspiel-Helden

Datum:

Auch in seinem neuesten Abenteuer macht Super Mario noch große Sprünge. "Super Mario Odyssey" ist ein fantastisches Spiel, aber auch etwas überfrachtet.

Über eine halbe Milliarde Super Mario-Spiele wurden schon verkauft. Mit "Super Mario Odyssey" erscheint jetzt ein neuer Teil der beliebten Serie. Wir haben es getestet und zeigen, was neu ist.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Der Videospielheld Mario ist inzwischen 37 Jahre alt und ein Tausendsassa. Er fährt Kart, spielt Tennis, Fußball und Baseball. Am bekanntesten sind jedoch die Hüpfspiele der Super Mario Serie. Mit dem neuesten Teil wirft er erneut seinen Hut in den Ring. Und sein Hut spielt in "Super Mario Odyssey" eine große Rolle. Der ist nämlich lebendig, hört auf den Namen Cappy und hilft Super Mario in seinem neuesten Abenteuer. Keine Überraschung ist, dass wieder einmal Prinzessin Peach gerettet werden muss. Drastisch geändert hat sich dagegen das Setting. Ein Spielort ist beispielsweise New Donk City, ein für Super Mario Spiele ungewohnt realistisch wirkendes Pendant zum Big Apple.

Nintendo zieht alle Register

In "Super Mario Odyssey" zieht Hersteller Nintendo alle Register, scheint es. Von Anfang an sind exaktes Timing und Geschicklichkeit gefragt. Wer den Anspruch hat, alle Münzen zu sammeln und auch jede verborgene Ecke zu entdecken, schickt Super Mario fast im Sekundentakt ins virtuelle Jenseits. An einigen Stellen verwandelt sich der hochaufgelöste Super Mario zurück in sein pixeliges Alter Ego aus den Achtzigern. Dann wird es besonders schwer. Allerdings heißt es fast nie "Game Over". Wer genügend Münzen sammelt, kann die komplizierten Passagen wieder und wieder probieren. Ein neuer Versuch kostet nur ein paar Goldmünzen und, natürlich, viel Geduld.

Frischzellenkur oder Neuaufguss?

Nintendo ist der älteste noch aktive Anbieter von Videospielen und hat deshalb gleich mehrere traditionsreiche Serien im Köcher. Neben Super Mario haben auch "The Legend of Zelda", "Pokémon", "Donkey Kong" und "Metroid" einige Jahrzehnte auf dem Buckel. Das ist Segen und Fluch zugleich. Denn mit jedem neuen Teil wächst die Herausforderung, etablierte Elemente mit neuen zu kombinieren. Ein simpler Neuaufguss darf es nicht werden. Wird aber zu viel geändert, verliert die Serie womöglich die eigene Handschrift. Eine Gratwanderung. Zum Start der aktuellen Nintendo-Konsole "Switch" erschien "The Legend of Zelda: Breath of the Wild" und wurde zu einem Paradebeispiel dafür, wie man einer alten Serie eine Frischzellenkur verpassen kann. Nintendo bewies viel Mut und warf einiges an Ballast über Bord. Viele vertraute Elemente wie der Kompass oder Enterhaken verschwanden komplett. Andere spielten nur noch eine Nebenrolle. Der Spieler konnte sich erstmals in der riesigen Welt frei bewegen, musste sich nicht mehr an eine feste Reihenfolge der Spielorte halten. So wirkte die Serie reduziert und modern; die Präsentation erinnerte stark an Open World Spiele wie "Fallout".

Überfrachtet statt aufgeräumt

Mit Super Mario beschreitet Nintendo allerdings den genau entgegengesetzten Weg. Noch nie standen dem Spieler in dieser Serie mehr Möglichkeiten zur Verfügung. Mützensprung, Drehwurf, Pirouette - in der Anleitung sind 24 verschiedene Basis-Aktionen aufgeführt. Dazu kann Mario mit einem gezielten Wurf von Cappy die Gestalt vieler Gegner annehmen, die ihrerseits eigene Aktionen ausführen können. Zusätzlich zu den bekannten Goldmünzen sammelt der Spieler nun auch noch eine lila Währung und zwar in jeder Welt eine andere. Mit denen lässt sich Super Mario aufhübschen. Zum Kauf stehen Dutzende Kostüme zur Auswahl, von Badehose und Schnorchel bis zum Cowboy-Outfit. Das alles lässt das Spiel an einigen Stellen überfrachtet wirken. Für Einsteiger ist es deshalb nicht zu empfehlen. Denn wer schon mit den traditionellen Aktionen wie Hechtsprung, Rückwärtssalto oder Stampfattacke nicht vertraut ist, wird von der Vielfalt in "Super Mario Odyssey" erschlagen.

Super Mario Odyssee posiert  auf ein Kick-Off Event am 10.10.2017 in Los Angeles (USA)
Super Mario Odyssee posiert auf ein Kick-Off Event am 10.10.2017 in Los Angeles (USA) Quelle: ap

Jump’n Run nicht mehr der große Renner

Der Grund für die Überfrachtung liegt auf der Hand. Von den traditionellen Hüpfspiel-Helden ist nur noch Mario übrig geblieben. Sonic the Hedgehog, Rayman, Banjo und Kazooie, Crash Bandicoot, Spyro the Dragon oder Mega Man sind alle keine Verkaufsschlager mehr. Stattdessen haben kleine, unabhängige Entwickler das Genre für sich entdeckt. Zweidimensionale Spiele dieser Art sind verhältnismäßig ohne großen Aufwand herzustellen. Und die erfolgreichsten Spiele der sogenannten Indie-Entwickler waren tatsächlich fast alle Jump’n Runs. Sie hießen "Braid", "Super Meat Boy" oder "Limbo" – voller origineller und oft auch skurriler Ideen. Diese Konkurrenz möchte Nintendo wohl meiden. Deshalb kommt eine Entschlackungskur, wie sie der Entwickler Zelda verordnet hat, für Super Mario nicht in Frage. Der korpulente Klempner rettet sich in opulente 3D-Welten und eine spielerische Vielfalt, die ein Indie-Spiel nicht einmal im Ansatz bieten könnte.

Popkulturelles Grundwissen

Allzu kritisch soll das aber gar nicht klingen. Super Mario kann sich die Überfrachtung wohl erlauben. Denn allein seine klassischen Hüpfspiele haben sich weit über 300 Millionen mal verkauft. So ziemlich jedem Menschen sind die Figuren vertraut. Und was Mario üblicherweise mit einem "Gumba" anstellt ist popkulturelles Grundwissen. Insofern steuert Nintendo mit Super Mario wohl in die richtige Richtung. Nach "Super Mario 3D World" von 2013 und dem "Super Mario Maker" von 2015 ist Odyssey ein würdiger Nachfolger und steht ganz in der Tradition des letzten der Hüpfspiel-Helden. "Super Mario Odyssey" ist für die Nintendo-Konsole "Switch" erhältlich und kostet knapp 60 Euro.

Mehr zum Thema

Keine virtuellen Figuren haben sich tiefer in die Spielerherzen gebrannt als Mario und die Pokémon, die meistverkauften Videospieleserien aller Zeiten. Eine Doku über Macher, Träumer und Geschäfte.

Beitragslänge:
27 min
Datum:

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.