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Leben am Fluss - Hochwasser: Für die Natur etwas ganz Normales

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Gerade fallen die Pegelstände. Aber nicht nur Starkregen oder Schneeschmelze bringen allgemein mehr Überflutungen. Die Menschen am Fluss trifft eine Mitschuld.

Hochwasser am Rhein
Hochwasser am Rhein Quelle: dpa

Wann immer Flüsse über die Ufer treten, ist die Sorge groß: Halten die Dämme? Werden Häuser und Ernten zerstört? Und ist gar mit Toten oder Verletzten zu rechnen? Diese und andere Fragen stehen im Mittelpunkt der "acqua alta", einer Fachmesse für Hochwasser, die heute in Essen beginnt. Die Experten dort sind auf der Suche nach den richtigen Maßnahmen, um die Risiken und Schäden von Hochwasser zu mindern.

Eigentlich ist Hochwasser völlig normal

Dabei ist Hochwasser etwas völlig Normales: Flüsse und Bäche sind Teil des Wasserkreislaufes, sie führen mal mehr und mal weniger Wasser - beeinflusst von Niederschlägen oder der Schneeschmelze. Auch Lage, Form und Relief des Einzugsgebietes haben Auswirkungen auf ein Hochwasser, was für die Natur keineswegs negativ ist. Denn mit steigenden Pegelständen werden die angrenzenden Auenlandschaften unter Wasser gesetzt. Der mitgeführte, zumeist nährstoffreiche Schlamm des Hochwassers ist Lebensgrundlage und Motor für die Artenvielfalt der Auenwälder. Zudem ist der Auwaldboden in der Lage, die Wassermassen wie ein Schwamm aufzusaugen.

Fruchtbare Böden sind jedoch auch bevorzugte Siedlungsflächen und die Flussnähe ist ein Wirtschaftsfaktor. Das Problem seit Jahrzehnten: Es werden genau dort Flächen versiegelt, wo das Hochwasser-Risiko relativ hoch ist - und damit jede Überflutung zur Katastrophe werden kann.

Teure Hochwasserschäden

Flussbegradigungen und Klimawandel

Besonders deutlich wird das bei sogenannten "Jahrhunderthochwassern" wie 2002 an der Elbe. Es führt den Menschen vor Augen, welche Kraft die Natur entfalten kann - und wie schutzlos die Menschen ihr ausgeliefert sein können. Zur Wahrheit gehört auch: Der Mensch hat die Hochwasserproblematik teilweise selbst verschärft, indem er die Flussläufe immer stärker reguliert und begradigt hat. Die natürliche Funktion der Auen als Wasserrückhaltesysteme ging vielerorts verloren.

Und auch der vom Menschen beeinflusste Klimawandel ist ein Faktor: "Wir sehen, dass Wetterextreme immer weiter zunehmen. 2017 war das wärmste Jahr seit Beginn der Datenerhebung - abgesehen von Jahren mit El Niño", sagt ZDF-Wetterexperte Özden Terli. Höhere Niederschlagsmengen in immer kürzeren Abständen werden die Hochwassergefahr in Zukunft also eher verstärken.

Flüsse brauchen mehr Raum

Die Hochwasser-Ereignisse der jüngeren Zeit haben dazu geführt, dass der Hochwasserschutz stärker ins Bewusstsein rückt. Um Schäden und Risiken zu minimieren, braucht es ein Bündel von Maßnahmen - lokal und überregional. Die Bundesländer sind dabei, entsprechende Hochwasserschutzprogramme umzusetzen und auch die EU nimmt sich des Themas an. Die Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie ist im Jahr 2007 in Kraft getreten und schreibt unter anderem vor, Karten mit potenziell betroffenen Flächen auszuweisen. Beim Hochwasserschutz geht es einerseits darum, den Flüssen wieder die Fläche zu geben, die sie brauchen. Die Wiederbelebung von Auen als natürliche Wasserspeicher ist aktiver Hochwasserschutz. Dass die Renaturierung zu einer zentralen Aufgabe im Hochwasserschutz wird, zeigen vielfältige Maßnahmen rund um die Elbe. Sie gelten inzwischen als richtungsweisendes Beispiel. In der Konsequenz heißt das: Künftig muss noch stärker darauf geachtet werden, wo gebaut wird - im Zweifel müssen bestimmte Siedlungsvorhaben verworfen werden.

Neben den natürlichen Maßnahmen gibt es eine Reihe technischer Möglichkeiten, um die Gefahr eines Hochwassers zu minimieren. Dies umfasst etwa den Bau und das Anlegen von Deichen, Dämmen, Mauern und mobilen Schutzwände. Rückhaltebecken, Talsperren und steuerbare Polder sind weitere bewährte Mittel, um insbesondere Hochwasserspitzen zielgenau zu kappen. Und nicht zuletzt geht es darum, auch die Hochwasservorhersagen zu verbessern und die Bevölkerung früh über potenzielle Gefahren zu informieren. Einige Smartphone-Apps bieten das heute schon. Denn eines ist klar: Das nächste Hochwasser kommt mit Sicherheit.

Große Überflutungen in Deutschland

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