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Rios Montt tot - Der perfide Sieg des "Schlächters der Indios"

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Guatemalas Ex-Diktator Efrain Rios Montt ist tot. Seine Anwälte bewahrten ihn zeitlebens vor einer rechtskräftigen Verurteilung. Für seine indigenen Opfer war das kaum zu ertragen.

Der Ex-Diktator Guatemalas, Efrain Rios Montt, ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Im Bürgerkrieg soll er für den Mord an hunderten Indios verantwortlich gewesen sein.

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Am Ende inszenierte sich der Täter selbst als Opfer: Auf einer Krankentrage ließ sich Efrain Rios Montt in den Gerichtssaal tragen. Eine dunkle Sonnenbrille im Gesicht verhinderte den Blick in die Augen, Versorgungsschläuche hingen vom weißen Bettlaken herab. Ein paar Helfer trugen den vermeintlich hilflosen Greis so im Januar 2015 in den Saal. Es war nur einer von vielen Tricks, mit denen sich Guatemalas Ex-Diktator einer juristischen Strafverfolgung seiner Bluttaten entziehen wollte. Am Ostersonntag ist der Mann, der als der "Schlächter der Indios" in die Geschichte Mittelamerikas einging, im Alter von 91 Jahren im Hausarrest gestorben. Ins Gefängnis musste Rios Montt nicht, das verhinderten seine Anwälte immer wieder.

Einer der brutalsten Konflikte Lateinamerikas

Seinen Beinnamen erwarb sich Rios Montt, weil er brutal gegen die indigene Bevölkerung seines mittelamerikanischen Heimatlandes vorging. Der Bürgerkrieg in Guatemala wird zu den brutalsten Konflikten in der Geschichte Lateinamerikas gezählt. Innerhalb der 36 Jahre bis zu einem Friedensschluss im Dezember 1996 verloren nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen mindestens 200.000 Menschen ihr Leben.

Einer, der große Mitverantwortung an dem Blutvergießen trug, war Efrain Rios Montt: Er hatte vor seiner Machtergreifung ein bewegtes Leben hinter sich. Eine militärische Ausbildung unter anderem in der umstrittenen und der CIA nahestehenden Akademie "School of Americas" in Panama, eine offiziell verloren gegangene, aber wohl doch gewonnene Präsidentschaftswahl 1974 und schließlich die Konvertierung zu einem radikalen Prediger einer evangelikalen Kirche.

15 Monate Gräuel-Herrschaft

Efrain Rios Montt
Efrain Rios Montt Quelle: reuters

Durch einen Militärputsch gelangte Rios Montt 1982 an die Macht. Er regierte das Land zwar nur 15 Monate, ehe rivalisierende Militärs den brutalen Machthaber wegen Unzurechnungsfähigkeit ablösten, aber in diesem kurzen Zeitraum verloren Tausende Indigene ihr Leben. Als gesichert gilt, dass er 448 Dörfer mit überwiegend indigener Bevölkerung dem Erdboden gleich machen ließ. Dabei starben insgesamt rund 1.800 Indigene. Unzählige Frauen und Mädchen wurden vergewaltigt.

Eine Wahrheitskommission kam später zum Schluss, dass rund die Hälfte der von rechten Paramilitärs und der Armee verübten Massaker während der Bürgerkriegszeit in seine kurze Amtszeit fielen. Rios Montt sah in der indigenen Bevölkerung der Maya Verbündete der linksgerichteten Guerillabewegung Guatemalas. Das reichte, um deren Vernichtung zu befehlen.

Zu 80 Jahren Haft verurteilt

Am Ende waren es die missbrauchten indigenen Frauen, die vor mehr als fünf Jahren damit begannen, ihren ganzen Mut zusammenzunehmen und vor Gericht gegen den Ex-General auszusagen. Trotz Sprachbarriere, trotz Misstrauen gegen einen Staat, der sie immer nur unterdrückte. Und in dessen politischen Institutionen Rios Montt als Parlamentarier juristische Immunität genoss. Und tatsächlich: Die bewegenden Aussagen der überlebenden Frauen führten zu einer Verurteilung des Menschen, den sie nur als Monster kannten. Wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit wurde der Ex-Diktator zu 80 Jahren Haft verurteilt.

Doch der Jubel über das Urteil, das als Meilenstein galt, war nur kurz. Das Verfassungsgericht hob das Urteil wegen angeblicher Verfahrensfehler wieder auf. Fassungslos kommentierte Oscar Vian, inzwischen verstorbener Erzbischof von Guatamala-Stadt, damals die Entwicklung: "All diese Aussagen wurden durch die Annullierung des Prozesses in den Dreck geworfen. Wie müssen sich die Opfer fühlen, die all das auf sich genommen haben - um dann zu erfahren, dass ihre Aussagen völlig wert- und nutzlos waren? Sie müssen sich missbraucht und missachtet fühlen."

Vor Wiederaufnahme Demenz bescheinigt

Seinen letzten juristischen Sieg fuhr Rios Montt kurz vor der Wiederaufnahme des Prozesses ein. Ärzte bescheinigten ihm eine Demenzerkrankung. Damit musste er vor Gericht nicht mehr erscheinen. Sollte er tatsächlich erkrankt gewesen sein, konnte er vergessen, was seine Opfer nicht vergessen werden können. Seine Schuld nimmt Rios Montt nun mit ins Grab. Ob und wie die Schreckensherrschaft des "Schlächters der Indios" noch aufgearbeitet wird, ist unklar. Für Guatemalas Justiz ist die fehlende Verurteilung von Rios Montt kein Ruhmesblatt.

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