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Mohammed bin Salman unter Druck - Der Prinz und der Mord

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Der Mord an dem Journalisten Khashoggi hat Diskussionen um die Rolle des saudischen Kronprinzen bin Salman eröffnet. Kann er sich noch halten? Wie sicher ist seine Position?

Nach dem Mord an dem saudischen Journalisten Jamal Khashoggi ist die Beteiligung des Kronprinzen Mohammed bin Salman an dem Verbrechen weiterhin ungeklärt. Einige Oppositionelle im Exil sehen die Chance für einen Putsch.

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In Istanbul hat der Verein "Die Freunde von Khashoggi" zur Trauerfeier  geladen. Der Imam spricht in der Fatih-Moschee im Zentrum der Stadt das Totengebet für Jamal Khashoggi.

Für die Trauernden steht der Schuldige fest

Exil-Journalisten und Dissidenten aus Tunesien, Ägypten und dem Libanon trauern um den Mann, der in seinen Artikeln und Kommentaren Kritik am saudischen Königshaus übte und wohl dafür sterben musste. Für die Trauernden steht der Schuldige fest, Mohammed bin Salman habe den Befehl direkt ausgeführt, sagt Ayman Nour, ein ägyptischer Exilpolitiker. Er fordert eine internationale Untersuchung des Falls, die saudischen Erklärungen seien wertlos und verlogen.

Nour und Khashoggi waren seit vielen Jahren befreundet, haben sich immer wieder in Istanbul getroffen, über Reformen in der arabischen Welt diskutiert und über das Leben im Exil gesprochen. "Das letzte Mal als er bei mir zu Besuch war, haben wir über unsere Heimat gesprochen und darüber, dass wir so gerne wieder zurück wollen. Wir haben auch über persönliche Probleme geredet und haben beide geweint."

Die Opposition hofft auf Veränderung im Königshaus

Wie sicher ist die Position des Kronprinzen, der in Riad die Geschäfte des Königs, seines greisen Vaters, führt? In London lebt die größte saudische Exilgemeinde. Viele Dissidenten und Oppositionelle sind nach England ins Exil gegangen, politisch organisiert sind sie nicht.

Saad al-Fakih lebt seit vielen Jahren in London und beobachtet das Königshaus genau. Er glaubt, dass der Kronprinz gefährlich für den Westen werden könne, weil er unberechenbar sei, zu impulsiv und aggressiv handle. "Der Krieg im Jemen, der Mord an Khashoggi, Mohammed bin Salman bringt den Westen in Schwierigkeiten, weil er nicht zu steuern und gefährlich ist." Um Menschenrechte kümmere sich der Kronprinz nicht, ihm ginge es um bloßen Machterhalt.

Putsch nicht ausgeschlossen

Der Bruder des Königs, Prinz Ahmed bin Abdulaziz, lebt eigentlich auch in London. Er gilt als der schärfste innerfamiliäre Kritiker des Kronprinzen, hat ihm bei der Ernennung die Gefolgschaft verweigert. Seitdem lebt auch er im Exil. Nach dem Verschwinden Khashoggis ist er zu Gesprächen nach Riad gereist. Er soll sich Sicherheitsgarantien für seine Reise erbeten haben.

Kann er den greisen König überzeugen, den Kronprinzen abzusetzen und ihm die Macht zu entziehen? Einen Putsch im Königshaus hält Saad al-Fakih für nicht ausgeschlossen. "Die königliche Familie kann theoretisch alles sehr schnell ändern. Prinz Ahmed genießt großes Vertrauen und Respekt in der königlichen Familie, seine Position als Familienoberhaupt wird von niemandem angezweifelt. Wenn er sich jetzt zum König erklären und seinen Bruder, König Salman, ersetzen würde - die ganz königliche Familie würde zu ihm stehen."

Doch dazu bräuchte es Druck von außen. Vor allem von Europa und Amerika. Von allein werde sich im Königshaus nichts verändern. Über die Gespräche in Riad dringt nichts nach außen. Der König zeigt sich auch weiterhin demonstrativ mit seinem Lieblings-Sohn, dem Kronprinzen.

Trump stützt bin Salman gegen Kritik

Für die Opposition in London steht fest, der Kronprinz wird erst mal nicht abgesetzt, weil die US-Regierung ihn schützt. Donald Trump hatte den Bericht der CIA zum Fall Khashoggi so kommentiert: "Die CIA hat zu dem Fall keine endgültige Einschätzung abgegeben, vielleicht hat der Kronprinz etwas gemacht, vielleicht auch nicht." Die Beziehungen zwischen den USA und Saudi-Arabien sind eng und historisch gewachsen. So führte Trumps erste Auslandsreise nach Riad, wo er mit 110 Milliarden Dollar einen gigantischen Waffendeal aushandelte.

Im US-Senat mehren sich die Stimmen, Trump opfere Menschenrechte zugunsten der Geschäftsbeziehungen. Einige Senatoren fordern Sanktionen gegen Riad. Auch neue Waffenverkäufe wollen einige Senatoren nicht mehr unterstützen. Theoretisch könnte der Senat in einem Untersuchungsausschuss sehr unangenehme Fragen zum Verhältnis der Trump-Regierung mit dem Haus Saud stellen. Doch ob es dazu wirklich kommt, ist noch ungewiß.

So liegt der Schlüssel zu Mohammed bin Salmans Zukunft in Trumps Händen und der US-Präsident hält weiter unverbrüchlich an ihm fest.

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