Sie sind hier:

Ausstellung im Hamburger MARKK - Der urbane Wolf

Datum:

Das Hamburger MARKK widmet Menschen und Wölfen eine gemeinsame Ausstellung. Dort begegnet der Besucher einem Tier, das die Kulturgeschichte des Menschen nachhaltig geprägt hat.

Skulptur "Rückkehr der Wölfe" von Rainer Opolka
Skulptur "Rückkehr der Wölfe" von Rainer Opolka. Ein Kunstwerk für die Opfer von Hass und Rassismus aus dem Jahr 2016.
Quelle: MARKK

Er fletscht die Zähne und wirkt bedrohlich - dieser alte Wolf in einer Ecke des Ausstellungsraumes im altehrwürdigen Museumsbau an der Hamburger Rothenbaumchaussee. Irgendwo in den Katakomben des Museums hatte er - mehr schlecht als recht präpariert - jahrzehntelang ausgeharrt, dieser urbane, großstädtische Wolf, um nun endlich - aus dem Depot befreit - zum Einsatz zu kommen.

Unsere Europa-Sammlung ist ein Alleinstellungsmerkmal, aus dem möchten wir wieder mehr schöpfen
Prof. Barbara Plankensteiner

"Unsere Europa-Sammlung ist ein Alleinstellungsmerkmal, aus dem möchten wir wieder mehr schöpfen", sagt die Direktorin des MARKK (Museum am Rothenbaum, Kulturen und Künste der Welt), Barbara Plankensteiner. Das komplexe Kaleidoskop der Weltkulturen läge zum Teil quasi unentdeckt vor der Haustür, oder eben, wie beim Thema Wolf, im eigenen Magazin.

Das Thema Wolf sei die Chance gewesen zu einem weiteren Schritt in Richtung Neuorientierung des legendären "Völkerkundemuseums", dessen Name schon lange von der Realität eingeholt worden sei. So wie es schon lange keine Völkerkunde mehr gibt als Forschungsgebiet, will das MARKK nun mit seinem neuen Namen die Kulturen der Welt neu beleuchten. Und dazu gehören eben auch die Themen vor der eigenen Haustür - wie Tier-Mensch-Beziehungen.

Ein Raubtier, das dem Menschen bedrohlich nahe gekommen ist

Schild "WOLF? NEIN DANKE!"
Schild "WOLF? NEIN DANKE!"
Quelle: ZDF/ZvS

So hat der Wolf es in ein Museum geschafft, das sich bislang vorwiegend um außereuropäische Themen kümmerte. Nun also wird der Blick gelenkt auf ein Raubtier, das dem Menschen bedrohlich nahe gekommen ist über die Jahrhunderte. Und ein Tier, das es jüngst wieder auf Tuchfühlung zum Menschen gebracht hat, gerade auch in vielen Gegenden Deutschlands. Gar nicht weit von Hamburg entfernt halten Wolfsrudel und einige Wolfsrüden die Bevölkerung in Atem. Schafe und ganze Schafherden fallen Wölfen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein zum Opfer. Die zuständigen Behörden haben dort "Problemwölfe" zum Abschuss frei gegeben.

Das Thema ist so heiß und heikel, dass den Jägern bereits in einem Fall Anonymität zugesichert werden musste, um sie davor zu bewahren, öffentlich an den Pranger zu geraten. In einigen ländlichen Regionen sind viele Menschen so verängstigt vor dem Wolf im Wald, dass sie Kind und Kegel nicht mehr weit vor die Tür lassen.

"Von Menschen und Wölfen"

In diese Lage und Stimmung setzt das Hamburger MARKK nun seine Ausstellung "Von Menschen und Wölfen". Und schafft damit den Spagat zwischen historischer Bürde des Themas und der Darstellung einer unvoreingenommenen Gegenwartsproblematik. Der Wolf als Dreh- und Angelpunkt in der Mensch-Tier-Beziehung. Für die Kulturanthropologinnen des MARKK ein wichtiger, wenn auch noch kleiner Schritt oder - beim Thema Wolf vielleicht besser - Sprung in Richtung Neuorientierung. Die beiden Kuratorinnen der Ausstellung Lara Selin Ertener und Johanna Wild vermitteln jedenfalls ihre Freude ganz unverhohlen, dass dieses Thema mit seinem Facettenreichtum an Aspekten und Inspiration ein echtes Spaßthema ist.

Graffito von Jussi TwoSeven
Graffito von Jussi TwoSeven, Auftragsarbeit für die Hamburger Ausstellung "Von Menschen und Wölfen"
Quelle: MARKK

Tatsächlich zeigt die Ausstellung den Wolf in seiner unendlichen Vielfalt. Als unbändiges Raubtier, als Wolf im Schafspelz, als Werbeikone Hand in Hand mit Rotkäppchen (Camembert) und auch als politisches Symboltier, im Nationalsozialismus ebenso missbraucht wie heute noch, etwa von den türkischen Grauen Wölfen für eine rassistische und nationalistische Politikrichtung. Auch künstlerisch animiert bewegt sich der Wolf durch die Ausstellung. Ob nun als Graffito des finnischen Künstlers Jussi TwoSeven oder als Quasi-Familienmitglied im Werk der Hamburger Künstlerin Corinna Korth. Auch Stimmen aus der Realität kommen zu Wort. Jäger, Schafzüchter und Wolfsversteher gleichermaßen.

So überlässt es die Hamburger Ausstellung dem Besucher, was er letztlich vom Wolf zu halten hat. Doch eines wird sehr deutlich durch dieses museale Kleinod: So einfach, wie es manchmal scheint, ist es nicht mit diesem Tier, das den Menschen bereits seit Jahrtausenden durch seine Geschichte verfolgt.

Die Ausstellung "Von Menschen und Wölfen" läuft bis zum 13. Oktober im MARKK, Rothenbaumschaussee 64, Hamburg.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.