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Deutscher Arzt in Syrien - "Ständiger Kampf um Ressourcen"

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Die Menschen im syrischen Rakka leiden unter dem Bürgerkrieg - eine normale Versorgung ist kaum noch möglich. Der Wiesbadener Arzt Dr. Michael Wilk hilft direkt hinter der Front, Verwundete ärztlich zu versorgen. Hier berichtet er regelmäßig in seinem "Tagebuch aus Syrien".

Tag 1 und 2: Auf Umwegen nach Nordsyrien

Ankunft am Flughafen Erbil, Nordirak: Der Wechsel vom herbstlich kühlen Deutschland in die mit über 40 Grad glühend erscheinende kurdische Metropole treibt einem den Schweiß auf die Stirn. Wer nach Nordsyrien in die mehrheitlich von Kurden bewohnte Region Rojava will, ist gezwungen, Umwege in Kauf zu nehmen. Der Weg von der Türkei aus ist verbaut - im wahrsten Sinne des Wortes: Die türkische Regierung hat im vergangenen Jahr eine Hunderte von Kilometern lange Mauer an der Grenze zu Nordsyrien errichtet.

Es ist meine sechste Reise ins Krisengebiet, ich bin unterwegs nach Rakka, hier unterhält der kurdische Rote Halbmond zwei so genannte "TSP", "Trauma Stabilization Points". Verletzte müssen versorgt und für die Weiterfahrt stabilisiert werden. Mit unterwegs ist Torsten Lengfeld aus Mainz, er wird Unterricht in Physiotherapie erteilen.

Nach zwei weiteren Stunden Fahrt passieren wir die Stadt Duhok, von hier sind es noch eineinhalb Stunden bis zum Grenzübergang. Das Passieren der Grenze zwischen Irak und Syrien ist nur mit Zustimmung der Nordirakischen Kurdischen Regionalregierung möglich, da die Systeme der Selbstverwaltung und der Basisdemokratie im konservativeren Irak kritisch und als Konkurrenz gesehen werden. Nur die Überquerung des Tigris im flachen Fährboot mit Außenborder und eine erneute zweistündige Fahrt trennen uns von Quamishlo, der Hauptstadt Rojavas. Im Hauptquartier des kurdischen Roten Halbmonds werden wir erwartet.

Tag 3: Zivilisten fliehen zu Tausenden aus der Kampfzone

Quamishlo ist mit circa 400.000 Menschen die größte Stadt Rojavas. Die Zentrale von Herva Sor, dem kurdischen Roten Halbmond, ist wie alle wichtigen Gebäude gesichert. Zu groß ist die Angst vor Selbstmordattentaten durch den IS. Eine Schranke und ein bewaffneter Posten sind ebenso selbstverständlich wie die häufigen Kontrollposten auf den zentralen Ein- und Ausfallstraßen der größeren Orte.

Die Versorgung von im Krieg Verletzten beginnt nicht vor Ort, sondern mit einer logistischen Herausforderung: Wie viele Helfer und Helferinnen, wie viele Rettungswagen, welche Mengen an Medikamenten werden wo und wann benötigt? Wir sitzen beisammen und planen: Die frontnahen Versorgungsstationen in Rakka müssen verlegt werden. Wird die Distanz zur Kampfzone zu groß, kostet das Menschenleben.

Zeitgleich ist die 150 Kilometer entfernte Großstadt Dayr az Zaur schwer umkämpft. Der IS wird dort von Süden durch Truppen des Assad-Regimes bedrängt, von Norden rücken Einheiten der "Syrischen Demokratischen Kräfte" (SDF) vor, dem kurdische und arabische Kämpfer angehören. Die Zivilbevölkerung ist zu Tausenden auf der Flucht. Der kurdische Rote Halbmond hat größte Mühe, die medizinische Basisversorgung entlang der Fluchtroute nach Norden sicherzustellen.

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