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Deutscher Arzt in Syrien - Rakka: Verminte Stadtteile und nächtliche Bombardements

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Die Menschen im syrischen Rakka leiden unter dem Bürgerkrieg - eine normale Versorgung ist kaum noch möglich. Der Wiesbadener Arzt Dr. Michael Wilk hilft direkt hinter der Front, Verwundete ärztlich zu versorgen. Hier berichtet er regelmäßig in seinem "Tagebuch aus Syrien".

Tag 4: Behandlung Verletzter am Stadtrand von Rakka

Die Fahrt von Quamishlo im Nordosten Syriens nach Rakka führt uns über flaches Land. Schnurgerade Straßen durchschneiden Ackerland. Abgeerntete Weizenfelder, verbrannt durch die Sonne. Gelegentlich Schafherden, später auch Kamele, neben Tank- und Lastwagen. Nach fünf Stunden erreichen wir Rakka. Der "Trauma Stabilization Point", die erste Auffangstation für Verletzte, liegt an der Stadtgrenze.

Die Kämpfer des IS sind in Rakka eingeschlossen, Tausende Zivilisten befinden sich im umkämpften Zentrum. Ganze Stadteile wurden vom IS vermint, Scharfschützen schießen auf alles, was sich in Schussweite bewegt. Die Trauma Points sind überlebenswichtig, denn die Krankenhäuser Rakkas sind völlig zerstört, befinden sich zudem auf dem Gebiet des IS. Neben Verletzten von der Front nutzt auch die Zivilbevölkerung der Umgebung die Stationen, um sich behandeln zu lassen. Vom Zentrum Rakkas sind die Einschläge der Bomben zu hören.

Tag 5: Einstige medizinische Infrastruktur fast völlig zerstört

Mit der aufgehenden Sonne hören die Einschläge der Bomben auf. Die US-Luftwaffe fliegt ihre Einsätze gegen die Stellungen des IS nachts. Im Schutze der Dunkelheit nehmen die Kämpfe zu. Nun aber frühstücken wir auf dem Boden sitzend gemeinsam - die Ambulanzfahrer, die Schwestern und Pfleger, ein neu eingetroffener Orthopäde. Anschließend besprechen wir die Behandlungsfälle des vergangenen Tages, ich gebe Tipps und Hinweise zur Optimierung in der Behandlungsstrategie von Notfällen.

Der kurdische Rote Halbmond betreibt in der 50 Kilometer entfernten Stadt Tabqa eine Tagesambulanz. Wir werden gebeten, die dortige Situation zu recherchieren und zu klären, ob in Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen eine Geburts- und Gynäkologie-Abteilung installiert werden kann. Tabqa, die Stadt am größten syrischen Staudamm, ist zu großen Teilen ein Trümmerfeld. Noch vor vier Monaten tobten dort heftige Kämpfe, bevor der IS zum Rückzug gezwungen werden konnte.

Das staatliche Krankenhaus, ein großer Komplex, war zuvor für die Versorgung von mehr als einer Million Menschen - auch aus dem Umland - zuständig. Nun liegt es zum Teil in Trümmern. Der IS hatte es mit Betonverstärkungen und Erdwällen in eine Festung verwandelt. Im Keller wurde operiert, auch die Leichen wurden hierher verbracht. Ein leichter Verwesungsgeruch liegt in der Luft, als wir mit Taschenlampen die Katakomben der Klinik begutachten.

Fast alles ist zerstört, die Einrichtung liegt in Trümmern, nur wenige Bereiche sind noch halbwegs nutzbar. Immer wieder wird klar, das Desaster endet nicht mit der Vertreibung des IS. Es fehlt an so vielem. Die Voraussetzungen, in der zerstörten Klinik eine gynäkologische und geburtshilfliche Abteilung aufzubauen, sind schlecht. Ob es sinnvoller ist, die Klink wieder aufzubauen oder eine neue zu bauen, muss als erstes geklärt werden.

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