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Detroit Auto Show - Den US-Automarkt verstehen

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Die Detroit Auto Show ist die erste wichtige Automesse des Jahres. Dort spüren auch deutsche Autokonzerne, wie der US-Markt schwächelt. Ganz hoffnungslos ist die Lage aber nicht.

Werbeplakat von BMW in den USA
Werbeplakat von BMW in den USA Quelle: dpa

Die deutschen Hersteller haben 2017 ihren Marktanteil zwar leicht erhöht auf acht Prozent bei "Light Vehicles", darunter verstehen die Amerikaner PKW und Kleinlastwagen. Die Deutschen aber bieten vor allem PKW an, kaum Pick-Ups und nur wenige SUVs. Zum Jahresende verloren einzelne Hersteller wie VW auch wieder Marktanteile. Das habe jedoch nichts mehr mit dem Dieselskandal zu tun sagt Ferdinand Dudenhöffer, Professor am Car-Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen: "Die Amerikaner bestrafen zwar streng, wenn jemand gegen die Gesetze verstößt, aber sie sind nicht nachtragend, wenn die Strafe verbüßt oder bezahlt ist."

Den Markt nie verstanden

Allerdings muss VW sich erst wieder auf alte Absatzzahlen hocharbeiten. Denn da wirke "Dieselgate" doch nach -  und eine für die USA nicht passende Modellpalette, sagt der Autoexperte. Die früheren VW-Chefs hätten den amerikanischen Markt nie verstanden. Vielleicht helfe künftig das neue Modell des in den USA beliebten Jetta. Mercedes und BMW hatten seit dem Einbruch nach der Finanzkrise zwar ihre Verkäufe wieder gesteigert, der Marktanteil von Mercedes (ohne Smart) ist nach den Zahlen des Car-Centers leicht gestiegen auf 2,2 Prozent 2017.

Doch BMW (ohne Mini) stagniert bei 1,8 Prozent. Dass die Münchner gegenüber Mercedes verlieren, dürfte auch an der Modellpalette liegen: Da habe sich in den vergangenen fünf Jahren wenig getan, meint Autoexperte Dudenhöffer. Es habe an Ideen zur Formgebung der Modelle gefehlt, meint auch Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. "Vielleicht helfen aber die neuen SUV-Modelle", sagt der Autoanalyst.

Tesla überholt die deutschen Marken

BMW wird in Detroit unter anderem den X2 SUV präsentieren, Mercedes das neue Modell der G-Klasse, die in den USA beliebt ist. Mit SUVs ist in den USA auch Audi erfolgreich, Porsche kann seinen Marktanteil ebenfalls seit Jahren steigern. Doch die deutschen Hersteller, die in den USA vor allem im Premium-Segment unterwegs sind, müssen sich seit einigen Jahren auch mit Tesla vergleichen lassen. "Die Marke ist weiter sehr hip", sagt Pieper, auch wenn der Hersteller erst zeigen müsse, dass er den Sprung ins Massengeschäft schaffe. "Die deutschen Produzenten waren lange nicht so innovativ wie das kalifornische Unternehmen", meint Pieper. Von 2020 an aber erwarten Branchenbeobachter eine Welle von Elektroautos. "Die Deutschen brauchen lange, aber sie können das", sagt Pieper. Dann brauchen sie Tesla womöglich nicht mehr zu fürchten.

Hintergrund

In den USA sind Elektroautos vor allem in den großen Städten an der Küste beliebt. Im Landesinneren werden solche Innovationen weniger nachgefragt, da führen Pick-Ups und SUVs die Ranglisten an, es herrscht also eher die alte Autowelt vor. Neue Trends werden - bis auf Tesla & Co. kaum noch gesetzt. Und das gilt auch grundsätzlich: "Die USA hatten lange eine strategische Rolle in der Weltautoindustrie", sagt Christoph Stürmer, Global Lead Analyst bei PWC Autofacts. Sie hätten etwa weltweit die Einführung von Sicherheitsgurten, Katalysatoren, oder ABS-Bremssystemen durchgesetzt. "Diese Rolle als Leitmarkt für neue Technologien übernimmt jetzt eher China", glaubt Stürmer.

Amerika ist satt

Auch in Detroit ist das zu spüren: In den letzten Jahren hat die Automesse an Bedeutung verloren. In diesem Jahr soll sich das zwar ändern, aber es wird besonders schwer. Denn der amerikanische Automarkt ist gesättigt, die Nachfrage war in den vergangenen Jahren angetrieben durch hohe Rabatte, günstige Konsumentenkredite und Finanzierungen. In diesem Umfeld müssen auch die deutschen Hersteller ihren Kunden einiges bieten, um sie von einem Kauf zu überzeugen.

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