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Kanzlerin Merkel trifft Modi - Möglichkeiten des indischen Markts nutzen

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Kanzlerin Merkel trifft zum fünften Mal den indischen Premierminister Narendra Modi. Auch diesmal geht es um Wirtschaftsbeziehungen – da hat Indien gerade gute Noten bekommen.

Kanzlerin Merkel ist in Neu Dehli vom Premier Modi zu deutsch-indischen Gesprächen empfangen worden. Neben der Konsultation sprach sie auch mit Inderinnen über die Lage der Frauen.

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Man darf ihn nicht zu genau nehmen, darauf weist die Weltbank bei der Bekanntgabe ihres "Ease of Doing Business"-Index selber im Kleingedruckten hin. Trotzdem warten Regierungen und Unternehmen jedes Jahr auf Neue gespannt auf die Rangliste der Unternehmensfreundlichkeit, in der Weltbank-Experten Staaten auf ihre Attraktivität als Wirtschaftsstandort abklopfen. Wie einfach ist es, in einem Land wie Indien zu investieren? Wie hoch sind die bürokratischen Hürden? Und wie verhält es sich mit den Rahmenbedingungen für langfristige Geschäftsvorhaben? Eine gute Platzierung im "Doing Business"-Index ist ein gutes Signal an Investoren. Deshalb kommt das aktuelle Ranking für Indien wie gerufen.

Platz 63 - ein satter Aufstieg, und das nur Tage vor der Ankunft der deutschen Regierungsdelegation. Seit 2014 hat Indien sich hochgearbeitet, von Rang 124. Darauf weist Premierminister Narendra Modi dieser Tage höchstpersönlich hin. Kein Wunder, denn die Verbesserung fällt in seine Amtszeit. Als Macher in Wirtschaftsfragen war Modi angetreten und gewählt worden. Die gute Platzierung ist für ihn ein Ausweis seines Erfolges.

Attraktiver Markt für deutsche Unternehmer

Tatsächlich scheint die Wirtschaft die Chancen zu nutzen. Deutsche Direktinvestitionen stiegen, nach Angaben der Deutschen Industrie und Handelskammer (DIHK) deutlich an, auf 16,4 Milliarden Euro im Jahr 2017. Mehr als 300.000 Arbeitsplätze hingen allein an den 30 größten deutschen Unternehmen, die in Indien tätig seien, rechnet die Handelskammer vor. Doch es könnten noch mehr sein.

"Der Markt Indien bleibt für die deutschen Unternehmen hinter den eigentlich enormen Möglichkeiten zurück".
Eric Schweitzer, DIHK-Präsident

"Der Markt Indien bleibt für die deutschen Unternehmen hinter den eigentlich enormen Möglichkeiten zurück", sagt DIHK-Präsident Eric Schweitzer. "Insbesondere kleine und mittlere deutsche Unternehmen stehen dort oft vor einem Regulierungslabyrinth und scheuen ein stärkeres Engagement und Investitionen. Hinzu kommt, dass deutsche und andere ausländische Unternehmen bei öffentlichen Ausschreibungen oftmals benachteiligt werden."

Firmen wollen weniger Bürokratie, mehr Marktöffnung

Schlankere Bürokratie und noch mehr Marktöffnung dürften deshalb auf der langen Themenliste der deutsch-indischen Regierungskonsultationen stehen, die heute in Indiens Hauptstadt begonnen haben. Zum fünften Mal treffen sich Angela Merkel und Narendra Modi, im Schlepptau die Ministerinnen und Minister der wichtigsten gemeinsamen Interessengebiete. Heiko Maas ist dabei für die Außenpolitik, Anja Karliczek für Bildung, Julia Klöckner für die Landwirtschaft. Auch auf Wirtschaftsminister Peter Altmaier hatten sie in Indien gehofft. Doch der musste wegen der Folgen eines Sturzes am Dienstag kurzfristig absagen.

Die Gespräche werden auch ohne ihn laufen. Seine Experten können sich um das kümmern, was Indien und Deutschland diesmal vorantreiben wollen. Schon jetzt ist Deutschland Indiens wichtigster Handelspartner in der EU. Die guten Beziehungen möchten beide Seiten ausbauen. Mehr Vernetzung von Start-ups, mehr Zusammenarbeit bei Ausbau und Modernisierung des indischen Eisenbahnnetzes zum Beispiel, so lässt es das Auswärtige Amt in einer Pressemitteilung wissen.

Bei Bildung und Ausbildung will Deutschland den Indern unter die Arme greifen. Auch das ein Feld, das beiden Seiten nutzen könnte: indische Arbeitskräfte mit Berufsabschlüssen nach deutschem Standard - ein Traum für deutsche Investoren.

Premierminister Modi muss Gas geben

Indien lockt mit 1,3 Milliarden Menschen und zahlreichen Marktchancen. Von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz bis zu erneuerbaren Energien - das Land setzt auf Wachstum und Modernisierung, und die deutsche Wirtschaft will den Boom nicht verpassen.

Doch auch für Indiens Premier steckt in der Zusammenarbeit viel Potenzial - vor allem politisch. Zwar wurde er dieses Jahr wiedergewählt, doch die Kritik an ihm wird lauter: zu wenig Arbeitsplätze geschaffen, zu wenig für die Landwirtschaft getan. Will Modi seine Wahlversprechen einhalten, muss er Gas geben. Die Kooperation mit Deutschland könnte helfen.

Bei so viel gemeinsamen Interessen ist fraglich, ob Platz für Kritik bleibt. Die Kaschmir-Frage etwa kochte vor Wochen wieder hoch, als die indische Regierung den Autonomiestatus der Region aufhob - ein Wahlversprechen auch dies, das international viele für gefährlich halten; ebenso wie die Frage des fragilen Miteinanders von hinduistischer Mehrheit und muslimischer Minderheit in Indien.

Mitglieder von Modis hindu-nationalistischer Partei BJP setzten nicht nur im Wahlkampf auf harte Kante gegen muslimische Mitbürger. Ob Modi daran etwas ändern will, ließe sich im Rahmen der Gespräche sicherlich erfragen. Offiziell steht das Thema nicht auf der Agenda.

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