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Russen schauen die "heute-show" - Deutsch lernen mit Oliver Welke

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"Wenn wir etwas nicht verstehen, schreiben wir eine E-Mail." Deutsch-Lehrer analysieren im russischen Samara Woche für Woche die "heute-show", um ihr Deutsch weiterzuentwickeln.

Oliver Welke seziert den Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD.
Oliver Welke über wichtige und unwichtige Passagen im neuen Grokovertrag. Quelle: ZDF/Willi Weber

Live gucken geht nicht, das wäre Wassili Nikitin zu spät. Wenn in Deutschland die "heute-show" ausgestrahlt wird, ist es in Samara bereits nach Mitternacht. Die russische Industriestadt am Ufer der Wolga ist den Fernsehstudios in Köln zwei Stunden voraus. Aber am Samstagvormittag, spätestens am Sonntag, holt sich Nikitin die neueste Ausgabe von Oliver Welkes Satiresendung auf den Laptop. Einerseits, weil er sie ganz witzig findet. Aber mehr noch, um sein Deutsch auf den neuesten Stand zu bringen. 

Andrea-Nahles-Witze an der Sergej-Koroljow-Universität

Wassili Nikitin sitzt in der Sergej-Koroljow-Universität vor einer vollgeschriebenen Tafel und erzählt von Andrea-Nahles-Witzen. Seine blauen Augen lachen. Die geübte, freundliche Stimme könnte einem Radiosprecher gehören. Einem deutschen Radiosprecher. Nikitin spricht ein derart akzentfreies, wortreiches Hochdeutsch, dass wir zunächst glauben, einen deutschen Gastprofessor vor uns zu haben. Aber Nikitin ist ein waschechter Samara-Russe und obendrein Chef der Deutschlehrer an seiner Universität. 

"Die heute-show ist sprachlich subtil", sagt Nikitin. Er meint nicht die oft ziemlich platten Gags, sondern die Anspielungen, Gleichnisse und Doppeldeutigkeiten. "Es sind nicht so viele bei uns, die das verstehen", sagt der Lehrer: "Vor allem, weil die Witze sehr Deutschland-gebunden sind." Aber als Germanist will Nikitin die Sprache nicht nur beherrschen, sondern auch untersuchen, wie sie sich entwickelt. Dafür sei die Quatschsendung ideal. 

Hilfe aus Göttingen

Wassili Nikitin
Wassili Nikitin Quelle: ZDF/Heinz Kerber

"Natürlich lachen wir auch mit", sagt Nikitin. Tina Hausten, Olaf Schubert und Gernot Hassknecht sind ihm die über die Jahre vertraut geworden. "Aber es ist nicht immer leicht, manches verstehen wir auch nicht." Wenn Nikitin bei einer Pointe nicht nachkommt, schreibt er eine E-Mail an eine Göttinger Kollegin und bittet um Erklärung. So ist der Russe mit der Zeit nicht nur zu einem Experten für modernes Deutsch geworden, sondern auch zu einem äußerst versierten Fernsehkritiker. 

Früher hat sich die Universität deutschsprachige Sendungen auf VHS-Kassetten schicken lassen. Mit der Mediathek und den Streamingdiensten ist alles ganz einfach geworden. Nur die Sommerpause nervt. Normalerweise, aber nicht in diesem Jahr. Samara ist einer der Austragungsorte der Fußball-Weltmeisterschaft und der Lehrer hat Tickets. Falls die Deutschen ins Viertelfinale kommen, werden sie in Samara spielen. Und falls sie ausscheiden, werden sie in der "heute-show" bestimmt kräftig verprügelt.

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