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Autor wieder in Köln - Fall Akhanli: Der lange Arm Ankaras

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Zwei Monate war der deutsch-türkische Autor Dogan Akhanli in Spanien festgesetzt worden - wegen eines türkischen Haftbefehls. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach seiner Rückkehr in Köln zeigt er sich erleichtert. Doch auch in Deutschland fühlt er sich nicht mehr sicher.

Auch am Tag nach der Festnahme zweier Deutscher verweigert die Türkei der Bundesregierung den Kontakt zu den Gefangenen. Außenminister Gabriel droht mit wirtschaftlichen Konsequenzen. Die Türkei hingegen könnte gar ein Tauschgeschäft anstreben.

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Es ist eine unschöne Szene, die sich am Donnerstagabend auf dem Düsseldorfer Flughafen abspielt: Gerade erst hat Dogan Akhanli die Ankunftshalle betreten, Familie und Freunde umarmt, da ruft ihm ein unbekannter Mann - augenscheinlich ein wartender Fahrer - etwas auf Türkisch zu, beschimpft ihn als "Vaterlandsverräter". Es gibt einen erregten Wortwechsel, Anwalt Ilias Uyar zieht Akhanli schließlich weg. So hat sich der türkischstämmige Autor seine lang ersehnte Heimkehr nach Deutschland nicht vorgestellt.

"Gefährlich, bewaffnet, flüchtig"

Noch einen Tag später wirkt der schmale, nachdenkliche Mann angeschlagen. Es sei nicht das lange Warten auf die Entscheidung der spanischen Regierung, das ihn zermürbt habe, sagt er im Rathaus von Köln. Schließlich hätten ihm viele Menschen zur Seite gestanden, deutsche Freunde, aber auch andere. "Ich bin als fröhlicher, stolzer Schriftsteller wieder zurückgekehrt. Und plötzlich passiert sowas." Der Mann im Flughafengebäude habe ihm zugerufen, dass er sich auch in Deutschland nicht sicher fühlen könne.

Eigentlich wollte der Schriftsteller Akhanli im August nur eine Woche lang mit seiner Partnerin Perihan durch Andalusien reisen. Aber in Granada stand plötzlich die Polizei vor ihm. Grund war eine Fahndung über Interpol: "Gefährlich, bewaffnet und flüchtig" - so wurde der 60 Jahre alte Autor beschrieben. Dahinter stand ein Auslieferungsersuchen der Türkei. Einen Tag nach seiner Festnahme kam er zwar unter Auflagen frei, durfte aber nicht aus Spanien ausreisen.

Wallraff sieht Innenminister am Zug

Das sei ein "Unding", kritisiert Akhanlis Kölner Freund Günter Wallraff. "Dass die Behörden so willfährig Erdogans Verlangen nachkommen und einen kritischen Autor fast zwei Monate lang festhalten, kann ich nur als beschämend bezeichnen." Spanien habe einiges aufzuarbeiten. "Der Hauptverantwortliche scheint allerdings Interpol zu sein - die machen sich zum verlängerten Arm von Erdogan."

Wallraff sieht auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) in der Pflicht: "Er müsste klären, welche deutschen Staatsbürger noch auf dieser Fahndungsliste stehen, und die Betroffenen warnen." Dies gelte umso mehr, da in der Ukraine schon wieder ein deutscher Staatsbürger wegen seiner Kritik an der Türkei festgehalten werde. Für Wallraff steht fest: "Der wahre Grund für die Verfolgung von Dogan Akhanli ist seine literarische Auseinandersetzung mit dem Genozid an den Armeniern."

Auch Akhanlis Anwalt Ilias Uyar wirft den deutschen Behörden vor, den Schriftsteller nicht rechtzeitig über die Auslieferungsbemühungen der Türkei informiert zu haben: "Das ist ein großes Versäumnis." Dies gelte umso mehr, da Akhanli deutscher Staatsbürger sei. Es sei verwunderlich, dass EU-Staaten noch immer juristisch mit der Türkei zusammenarbeiteten. "Die Türkei ist kein Rechtsstaat. Es gibt keine unabhängige Justiz in der Türkei", betont Uyar. Richter und Staatsanwälte schauten auf das, was Präsident Recep Tayyip Erdogan von ihnen erwarte.

Akhanli fordert härteren Kurs gegenüber Ankara

Akhanli fordert von den europäischen Ländern einen deutlicheren Kurs gegenüber der Türkei. Dieser Vorfall am Düsseldorfer Flughafen sei ein "Spiegel" für die Verhältnisse in dem Land, er selbst sei machtlos gegen solche Nachstellungen, sagte der Autor. Ihm bleibe nur das Schreiben als einziges Mittel, um gegen die Entwicklungen in seinem Herkunftsland vorzugehen.

Akhanli ist nun erst einmal froh, wieder in der Stadt zu sein, die er schon seit vielen Jahren als seine Heimat bezeichnet. Es sei "ein sehr schönes Gefühl", wieder in Köln zu sein. Seine Rückkehr sei ein Zeichen dafür, dass Widerstand und Solidarität gegen seine willkürliche Verhaftung erfolgreich gewesen seien.

Aber restlos sicher fühlt er sich auch in Köln nicht - er habe jetzt Personenschutz bekommen, bestätigt er. Dann lächelt er, und es klingt, als wolle er sich selbst Mut machen: "Ich glaube, ab morgen bin ich ganz normal."

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