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Deutsche Bank - Auf gutem Weg, aber noch nicht am Ziel

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Allmählich findet die Deutsche Bank aus dem Tal heraus. Die Einnahmen stabilisieren sich, der Gewinn liegt höher als erwartet, und die Restrukturierung geht voran.

Flagge mit dem Logo der Deutschen Bank
Flagge mit dem Logo der Deutschen Bank Quelle: ap

Schon Mitte Juli hatte die Bank die Eckdaten ihrer Bilanz veröffentlicht und mit einem Nettogewinn von gut 400 Millionen Euro überrascht. Der lag zwar unter dem des Vorjahres, aber doch weit über den Erwartungen der Börsianer. Damals hatten die das mit einem Kurssprung belohnt. Den gab es nach Veröffentlichung der Details nicht, aber die Aktie blieb über dem Niveau von zehn Euro.

Sewing erhöht Druck auf Mitarbeiter

Noch aber ist viel zu tun: "Das ist noch nicht die Trendwende, aber ein schöner Erfolg", meint Philipp Häßler, Analyst der Equinet-Bank. Die Bank hat ihre Kosten besser im Griff, auch wenn die noch leicht gestiegen sind: Immerhin müssen ja nun Aufwendungen für den Umbau gezahlt werden und Abfindungen an die Mitarbeiter, die das Haus verlassen. 2.100 haben das im ersten Halbjahr schon getan, 1.700 allein im letzten Quartal. Ende des Jahres sollen nur noch weniger als 93.000 Mitarbeiter übrig bleiben, bis Ende 2019 sogar nur knapp 90.000 weltweit.

Das spürt unter anderem das Aktiengeschäft, dort sollen ein Viertel der Stellen entfallen, damit sei man weit fortgeschritten, sagte Finanzvorstand James von Moltke. Es bleibt strenge Disziplin angesagt, der seit Anfang April amtierende Vorstandschef Christian Sewing reagiert mit harter Hand. In einem Brief an die Mitarbeiter schrieb er, noch herrsche nicht überall "die Haltung zum Umbautempo und den Kosten, die wir leben wollen. Verlassen Sie sich also bitte nicht darauf, dass es andere schon richten werden. Diese Zeiten sind vorbei."

Vermögensverwaltungstochter DWS schwächelt

Deutliche Ansagen also, zu denen auch der übrige Vorstand steht. Finanzvorstand von Moltke jedenfalls verwies auf das hohe Maß an Konzentration und Disziplin bei der Umsetzung, die sehr stark von Christian Sewing und dem Vorstand getrieben werde. Der identifiziere sich mit seiner Führung und Umsetzung: "Christian Sewing hat da neue Energie und Entschlossenheit hineingebracht. "

Es läuft aber noch nicht überall rund. Die Vermögensverwaltungstochter DWS, lange Ertragsperle des Konzerns, schwächelt. Die Deutsche Bank hatte sie erst zu Ostern teilweise an die Börse gebracht. Aber die Unruhe in der Deutschen Bank hatte offenkundig Auswirkungen: Denn die Anleger zogen wieder Geld aus den Fonds ab, mit netto fast fünf Milliarden Euro zwar etwas weniger als im ersten Quartal, als es sogar etwa 7,8 Milliarden Euro gewesen waren. Die Erträge der gesamten Bank blieben insgesamt zwar stabil, aber im so wichtigen Anleihehandel brachen sie um 17 Prozent, im kleineren Aktienhandel um sechs Prozent ein. Da habe sie ihr Geschäft reduziert und ohnehin in den letzten Jahren Marktanteile verloren, erklärt Philipp Häßler von Equinet.

Unlautere Geschäfte führten in die Krise

Außerdem seien die amerikanischen Banken in den USA viel stärker als die Deutsche. Die Wettbewerber aus den USA sind ohnehin weit enteilt: allein JP Morgan Chase hat im zweiten Quartal netto 6,8 Milliarden Euro Nettogewinn eingefahren, die Deutsche Bank eben nur 401 Millionen Euro. Man habe die Wettbewerber zwar im Blick, sagte von Moltke bei der Bilanzvorstellung: "Wir kümmern uns zunächst einmal um unsere eigenen Belange". Denn man wolle die eigene Leistung verbessern und dann vielleicht wieder die Lücke zu den Wettbewerbern schließen.

Die amerikanischen Banken hatten schon nach der Finanzkrise ihr Geschäft restrukturiert. Die Deutsche Bank hat damit erst viel später begonnen und mühsam die Rechtsstreitigkeiten, die zum großen Teil auch noch auf unlauterem Verhalten vor der Finanzkrise beruhten, aufgearbeitet. Das war teuer, hatte die Bank schon fast an den Rand des Ruins getrieben und in den letzten drei Jahren für Verluste gesorgt. Eine Kapitalerhöhung, die in den Jahren zuvor nötig geworden war, schloss Finanzvorstand von Moltke jedoch vorerst aus. Denn die Bonität hat sich verbessert – und wenn im zweiten Halbjahr nicht weitere negative Überraschungen auf die Bank zukommen, dann dürfte das auch so bleiben. "Die Deutsche Bank ist auf dem richtigen Weg, der allerdings ein langer ist", fasst das Analyst Häßler zusammen.

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