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Schlappe in US-Test - Deutsche Bank: Der Stress hält an

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Schlechte Nachrichten und kein Ende: Die Deutsche Bank ist im zweiten Teil des US-Stresstests durchgefallen. Keine Überraschung, aber unangenehme Folgen drohen.

Deutsche Bank plant einen massiven Stellenabbau. Archivbild
Nächste Hiobsbotschaft für die Deutsche Bank: Das größte deutsche Geldhaus besteht einen Test der US-Notenbank zu Krisensituationen nicht.
Quelle: Andreas Arnold/dpa

Die Deutsche Bank hat ihre Risiken in den USA nicht im Griff. Deshalb hat sie den Stresstest der amerikanischen Notenbank Fed nicht bestanden. Das aber ist keine Überraschung, das hatten die Finanzmärkte so kommen sehen. Auch deshalb war der Aktienkurs des Geldhauses in den vergangenen Tagen in den Keller gerauscht und hatte zwischenzeitlich sogar ein Rekordtief von 8,75 Euro erreicht. Die Reaktion auf den Stresstest: Die Aktie stieg - wenn auch aus anderen Gründen - wieder um gut ein Prozent.

"Weitverbreitete und wesentliche Defizite" bei Kapitalplanung

Den ersten Teil des Stresstests hatte die Bank vor einigen Tagen noch bestanden, da aber ging es vor allem darum, ob die Bank bei einer Rezession ausreichend mit Kapital ausgestattet wäre. Nun aber ist sie die einzige, die den Anforderungen der amerikanischen Aufsicht nicht genügt hat und das zum wiederholten Mal - auch 2015 und 2016 war sie schon durchgefallen. Es gebe "weitverbreitete und wesentliche Defizite" bei der Kapitalplanung, heißt es in der Bewertung der Fed.

Außerdem sieht die Fed Mängel bei den Verfahren, mit denen das Geldhaus Prognosen erstellt, etwa für den künftigen Geschäftsverlauf. Und so zweifeln die Prüfer, ob die Deutsche Bank ihren Kapitalbedarf überhaupt richtig einschätzen könne. Die Konsequenz: Die Tochter in den USA muss künftig die amerikanische Aufsicht fragen, ob sie Geld an die Konzernmutter in der Heimat überweisen darf.

Deutsche Bank hat verschiedene Baustellen

Die Deutsche Bank verwies auf umfangreiche Investitionen, um ihre Kapitalplanung, ihre Kontrollen und Infrastruktur zu verbessern. Dabei habe sie schon Fortschritte erzielt: "Hierauf aufbauend wird sie ihre Anstrengungen fortsetzen und weiterhin konstruktiv mit den Aufsichtsbehörden zusammenarbeiten, um ihren eigenen und den Erwartungen der Regulatoren gerecht zu werden", hieß es in einer Stellungnahme der Bank.

"Sie hat Maßnahmen angekündigt", sagt Markus Rießelmann, Analyst von Independent Research. "Damit scheint sich die Fed zufrieden zu geben." Zunächst, muss man wohl sagen. Doch solche Prozesse zu verbessern, das geht nicht von heute auf morgen - und die Deutsche Bank hat ja nicht nur die Baustelle USA, sondern noch viele weitere Probleme, die sie angehen muss.

Durchfallen schadet Reputation der Bank

Die Bank war auch nicht untätig: Sie hat in den letzten Jahren eine neue Zwischenholding gebildet, die Deutsche Bank USA DB mit Vermögenswerten von 133 Milliarden Dollar, das entspricht etwa sieben Prozent der gesamten Vermögenswerte der Bank. In den Jahren zuvor war nur ein Sechstel dieser Werte überprüft worden. In den Jahren vor der Finanzkrise habe die Bank sehr viel zugekauft, es aber offenbar versäumt, die internen Kontrollen entsprechend den Anforderungen der Aufsicht zu organisieren, vermutet Rießelmann als Grund für die Misere.

Seit der Finanzkrise hatte die Aufsicht in den USA zudem die Anforderungen erhöht - da sei die Bank dann wohl nicht nachgekommen. Die Amerikaner hätten viel schneller die richtigen Schlüsse gezogen. Hinzu kam, dass auch das Umfeld für die Banken in den USA sich schneller verbessert habe: Die Notenbank Fed hat ihre Anleihekäufe schon länger beendet, die Zinsen steigen. Das erleichtert Banken das Geldverdienen.

Das Durchfallen schade vor allem der Reputation der Bank, meint Bankenanalyst Häßler. Doch die Bank müsse dringend handeln, mahnt Hans-Peter Burghof, Inhaber des Lehrstuhls für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Universität Hohenheim. Daran müsse auch der Regulierer Interesse haben wegen seiner eigenen Glaubwürdigkeit.

Beobachter: Deutsche Bank muss Kosten in den Griff kriegen

Aber vor allem müsse es im Interesse der Bank sein, denn auf das wichtige Geschäft in den USA könne sie nicht verzichten. Wie weit die Bank das nun noch weiter einschränken möchte, dazu gab es keine Hinweise. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing will sich künftig ja stärker auf Deutschland und Europa konzentrieren. In den USA und am Standort London werden zahlreiche Stellen im zuletzt schwächelnden Investmentbanking gestrichen.

Der Stresstest in den USA ist zwar ein weiterer Rückschlag für die Deutsche Bank. Wichtiger aber ist, so meinen Beobachter, dass die Bank ihre Kosten in den Griff bekommt, damit auch die Erträge wieder steigen können. Das aber dürfte noch bis mindestens 2019, eher 2020 dauern, vermutet Analyst Häßler. Mit Spannung erwartet der Finanzmarkt deshalb den 25. Juli: Da legt die Bank ihre Zahlen zum zweiten Quartal vor. Auch das ist offenbar - ähnlich wie das erste - schlechter verlaufen als erhofft. Deutsche Bank-Chef Christian Sewing hat also noch einiges zu tun.

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