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Deutsche Bank - Lichtblicke und Fusionsgerüchte

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Nach drei Jahren Verlust hat die Deutsche Bank wieder Gewinne verbucht. Die aber stehen auf wackeligen Beinen. Zu einer möglichen Fusion mit der Commerzbank sagt die Bank – nichts.

Nach starken Verlusten in den Vorjahren kann die Deutsche Bank wieder Gewinne vorweisen. Doch diese stehen auf wackeligen Beinen. Zu einer möglichen Fusion mit der Commerzbank äußerte sich die Bank bei der Vorstellung der Jahresbilanz für 2018 nicht.

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Die Deutsche Bank hat nach starken Verlusten in den Vorjahren wieder einen Gewinn ausgewiesen. Doch das war zunächst gar nicht die Frage, die die anwesenden Journalisten interessierte. Denen brannte bei der Vorstellung der Bilanz in den Zwillingstürmen der Bank in Frankfurt vor allem unter den Nägeln, was an den Gerüchten einer möglichen Fusion zwischen der Deutschen Bank und der Commerzbank dran sei. "Wir beteiligen uns an diesen Spekulationen nicht", sagte Christian Sewing schmallippig. "Wir äußern uns nie dazu, das wird auch weiterhin so sein. Ich kann Sie nur in einem beruhigen: dass das Geschäft unter diesen Dingen nicht leidet."

Nach horrenden Verlusten wieder ein Gewinn

Deutsche Bank
Hochzeitsglocken? Es kursieren Gerüchte über anstehende Fusionsgespräche zwischen Deutscher Bank und Commerzbank.
Quelle: AP

In den vergangenen Tagen hatten sich die Gerüchte gehäuft, dass Insider in Frankfurt und Berlin von Fusionsgesprächen zwischen beiden Banken ausgehen – und das schon bald. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hatte im vergangenen Jahr gesagt, deutsche Banken hätten nicht mehr die nötige Größe, um Unternehmen bei ihren internationalen Geschäften zu begleiten. Das sei für die exportorientierte deutsche Industrie von Nachteil. Sewing begrüßte in diesem Zusammenhang ausdrücklich, dass man sich in Berlin zum Thema Industriepolitik offenbar mittlerweile Gedanken mache. Näher wollte er sich aber nicht äußern.

Dafür hatte der Deutsche-Bank-Chef aus seiner Sicht gute Nachrichten: Unter dem Strich des vergangenen Jahres weist die Bank in ihrer Bilanz immerhin wieder einen kleinen Gewinn aus – nach drei Jahren horrender Verluste. 341 Millionen Euro hat die Bank 2018 also verdient. Allerdings stehen die Gewinne der Deutschen Bank auf einigermaßen wackligen Beinen. Das haben die letzten drei Monate des vergangenen Jahres gezeigt: Da mussten Sewing und seine Kollegen einen Verlust von über 400 Millionen Euro verbuchen.

Konkurrenz verdient ein Vielfaches

Angesichts solcher rasch möglichen Verluste hält der unabhängige Bankenanalyst Dieter Hein aus dem Hause Fairesearch auch ein Scheitern der Deutschen Bank nicht für unmöglich. "Das ist teilweise zu befürchten, man hat die Erfahrung mit der Commerzbank 2008 gemacht. Und wenn man in guten Zeiten schon kein Geld verdient, wie soll es dann sein in schlechten Zeiten?"  2008 musste die Commerzbank mit Steuermitteln vor der Pleite gerettet werden. Noch heute ist der Bund mit rund 15 Prozent an der Commerzbank beteiligt und ihr größter Einzelaktionär.

In der Tat ist die Konjunktur trotz etwas Gegenwind Ende 2018 noch aufwärts gerichtet. Die Bundesregierung rechnet in diesem Jahr noch immer mit einem Wachstum von einem Prozent. Die gute allgemeine wirtschaftliche Lage hat bei vielen anderen Banken dazu geführt, dass sie mittlerweile wieder Milliarden scheffeln. Ein naheliegender Vergleich: Die spanische Santander verdiente im letzten Jahr 7,8 Milliarden Euro – das ist mehr als das Zwanzigfache des Gewinns der Deutschen Bank. Und bei vielen Instituten in den USA sieht die Lage nicht anders aus – auch dort sprudeln die Gewinne.

Razzia: "Kein Fehlverhalten der Bank"

Immerhin: Auch die Deutsche Bank rechnet mit einer Verbesserung ihrer Lage. Wachstumschancen sieht das Geldhaus etwa im Kreditgeschäft – also dem Verleihen von Geld an Privat- und Geschäftskunden. Auch das Geschäft mit vermögenden Kunden und das Investmentbanking könnten in naher Zukunft weiter – oder wieder – anziehen.

Allerdings, so stellte Christian Sewing klar, sind die Zukunftsperspektiven abhängig davon, wie sich das Umfeld entwickelt. "Wenn wir wieder in das extrem unfreundliche Marktklima des vierten Quartals zurückfallen, würde das unsere Planung sicher herausfordern."

In den letzten drei Monaten hatten einige Turbulenzen, unter denen auch die Deutsche Bank zu leiden hatte, die Kapitalmärkte durchgerüttelt. Hinzu kamen unschöne Bilder von einem Großaufgebot an Polizeiwagen, als die Staatsanwaltschaft in Frankfurt zu einer Großrazzia blies. Der Verdacht der Ermittler: Mitarbeiter der Banken sollen Kunden geholfen haben, Briefkastenfirmen in Steuerparadiesen zu gründen, um Gelder aus Straftaten rein zu waschen. "Wir arbeiten weiterhin eng mit der Staatsanwaltschaft zusammen und stellen alle gewünschten Informationen bereit", sagte dazu der stellvertretende Chef des Geldhauses, Karl von Rohr. Und er fügte hinzu: "Auch nach etwa zwei Monaten Recherche haben wir kein Fehlverhalten der Bank oder ihrer Mitarbeiter feststellen können."

Einnahmen gesunken – Aktie verliert

Allerdings halten solche Verdachtsmomente die Bank und ihre Mitarbeiter auf Trab – sie kommen nicht zur Ruhe. Und die ist dringend nötig, denn auf die Bank warten auch in diesem Jahr noch eine Menge Hausaufgaben. "Wir werden 2019 die Kosten weiter senken und gleichzeitig gezielt in Wachstum investieren." Genau hier aber liegt der Knackpunkt.

Zwar hat die Bank die Kosten im vergangenen Jahr deutlich gesenkt und will auch im laufenden Jahr noch rund eine Milliarde Euro einsparen. So soll die Mitarbeiterzahl weiter von derzeit rund 91.700 auf "deutlich" unter 90.000 sinken. Allerdings sind im vergangenen Jahr mit den Kosten auch die Einnahmen gesunken und haben so die Gewinne klein gehalten.

Zweifel an den vorläufigen Zahlen und den Perspektiven für die Deutsche Bank schließlich gab es auch am Aktienmarkt in Frankfurt, Luftlinie keinen Kilometer von den Zwillingstürmen der Deutschen Bank entfernt: Dort waren die Aktien des Kreditinstitutes nach Vorstellung der Bilanz die größten Verlierer im Dax.

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