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Konzernumbau schreitet voran - Deutsche Bank will weniger Investmentbanking

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Die Deutsche Bank steuert unter ihrem neuen Chef um: Der Konzern will im Investmentbanking den Rotstift ansetzen und das europäische Geschäft mit Privat- und Firmenkunden stärken.

Deutsche Bank Türme
Quelle: dpa

Offenbar ist Eile geboten. "Wir müssen schnell und effektiv handeln, das ist klar", sagte der neue Deutsche Bank-Chef Christian Sewing zur Präsentation seiner ersten Quartalsbilanz in einer Analystenkonferenz. Und an die Aktionäre gewandt: Die aktuellen Renditen der Bank seien schlicht "inakzeptabel". Die Zahlen geben ihm Recht: Zwar hat die Deutsche Bank in den ersten drei Monaten des Jahres rund 120 Millionen Euro verdient. Allerdings ist das ein drastischer Gewinneinbruch gegenüber dem Vorjahresquartal.

Investmentbanking auf dem Prüfstand

Sewing
Quelle: ZDF

Deswegen will Sewing keine Zeit verlieren, tiefgreifende Änderungen durchzuboxen. Die Bank solle sich quasi auf ihre Wurzeln besinnen, Privat- und Firmenkunden begleiten und beraten, vor allem am Heimatstandort in Deutschland und Europa. "Unsere Wurzeln liegen in Europa - hier wollen wir Unternehmen und institutionelle Kunden weltweite Finanzierungslösungen anbieten", unterstrich Sewing.

Dagegen soll das Investmentbanking überprüft werden. Die Bank plant dort, ineffiziente Bereiche zu schließen und Personal abzubauen. Eine Zahl, in welchem Umfang der Stellenabbau in diesem Jahr und in naher Zukunft liegen könnte, wollte Sewing aber nicht nennen. "Einigen wir uns darauf: Die Zahl wird signifikant sein, genaueres kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen".

Neues Rezept gegen hohe Verluste

Allerdings hat Sewing auch unterstrichen, dem Investmentbanking nicht komplett den Rücken kehren zu wollen. "Wir betrachten das Investmentbanking noch immer als einen unserer Kernbereiche", sagte er. Allerdings müsse sich die Bank auf die Bereiche konzentrieren, wo sie Marktführer sei; alle anderen stünden auf dem Prüfstand.

Das Investmentbanking hat in der Tat zwei Seiten: Zum einen hatte es dazu beigetragen, dass die Bank zu internationalen Konkurrenten in der Finanzindustrie weltweit aufschließen konnte und in guten Zeiten Milliardengewinne einstreichen konnte. Andererseits ist die Bank damit aber auch größere Risiken eingegangen. Es folgten Rechtsstreitigkeiten wegen Manipulationen und Betrügereien an den Kapitalmärkten. Die hatten der Bank Milliardenstrafen eingebracht, damit einhergehend musste die Bank hohe Verluste ausweisen. In den vergangenen drei Jahren standen jeweils Milliardenverluste in der Bankbilanz, zuletzt stand in 2017 ein Fehlbetrag von rund einer Dreiviertelmilliarde Euro in den Büchern.

"Jägermentalität" und harte Einschnitte

Der Kurswechsel soll dazu führen, dass das Privat- und Firmenkundengeschäft und die Vermögensverwaltung bis 2021 rund die Hälfte der Erträge der Deutschen Bank zusteuert. Vor wenigen Wochen erst hatte die Deutsche Bank ihre Vermögensverwaltung an die Börse gebracht, damit die als eigenständige Tochter flexibler agieren kann.  

Vor gut zwei Wochen hatte der Aufsichtsrat die Notbremse gezogen und Christian Sewing an die Spitze der Bank berufen. Der ehemalige Chef der Bank, John Cryan, hatte in vielen Problembereichen der Bank aufgeräumt. Offenbar zweifelten Investoren und Aufsichtsrat aber daran, ob Cryan der Bank zügig einen neuen Schub in Richtung Zukunft geben konnte. Sewing hatte zu seinem Amtsantritt seine Mitarbeiter dazu aufgerufen, mehr "Jägermentalität" an den Tag zu legen und zugleich "harte Einschnitte" angekündigt. Nun folgen erste Taten - zumindest in Form von Ankündigungen.

Und die werden Geld kosten: Statt Umbaukosten von einer halben Milliarde Euro rechnet die Deutsche Bank im laufenden Jahr nun mit "Restrukturierungskosten" von rund 800 Millionen Euro. Das sagte der Finanzchef der Deutschen Bank, James von Moltke in der Telefonkonferenz. Weitere Kosten will er für dieses Jahr zudem nicht ausschließen.

Rückzug aus bestimmten Regionen

Mit der Stärkung ihrer Aktivitäten in Europa soll ein Rückzug aus bestimmten Regionen einhergehen - zumindest in unprofitablen Geschäftsbereichen. In den USA wird die Bank ebenso wie in vielen Regionen Asiens ihre Geschäfte reduzieren - etwa das Zinsgeschäft in den USA. Auch das Aktiengeschäft will die Bank überprüfen.

Viele Experten und Beobachter hatten schon länger gefordert, dass die Bank ihre Strategie ändert und ihren bisherigen Fokus auf das Investmentbanking überdenkt. Denn diese Abteilung hatte die Bank in die wohl größte Krise ihrer Geschichte gestürzt: Der Aktienkurs des Geldhauses ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Zweifel an der Überlebensfähigkeit der Bank hatten ihn in jüngster Vergangenheit in den Keller rauschen lassen. Nach Bekanntgabe der ersten Quartalsbilanz Sewings ging es für die Papiere wieder einmal deutlich bergab in Frankfurt. Im Lauf des Vormittags erholten sie sich allerdings wieder und drehten ins Plus. Offenbar können Anleger dem ersten und entschlossenen Auftritt Sewings einiges abgewinnen - trotz des Gewinneinbruchs im ersten Quartal.

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